Alles Falz

Das Dach der Karl-Schubert-Werkstätten in Filderstadt musste nach Anforderungen der technischen Baubestimmungen saniert werden. Die Statik zwang die Verantwortlichen zu einer leichtgewichtigen Eindeckung. Die Mitarbeiter von Klempnermeister Harald Wurster lösten die unzähligen Details der ungewöhnlichen Dachlandschaft nur in Falztechnik.

Wurster Aufmacher
Viele Details in ungewöhnlicher Dachlandschaft – und nicht eine Schweißnaht zu finden. Foto: DDH

Die Karl-Schubert-Gemeinschaft (KSG) wurde 1973 gegründet. An mittlerweile drei Standorten bietet die sozialtherapeutische Werkgemeinschaft Arbeit, Beschäftigung und Therapie sowie Wohngemeinschaften für Menschen mit Handicap. Das Haus in Filderstadt wurde 1980 errichtet. Die vielen schwierigen Detailpunkte und hohe Neigungen des Daches führten dazu, dass die Bitumenschindeldeckung versagte.

„Ich kenne jemand …“

Viele undichte Stellen, brandschutztechnische Auflagen und die notwendige Erneuerung der Dachfenster führten bei den Entscheidungsträgern der gemeinnützigen Vereinigung zum Entschluss, die Dachfläche komplett zu sanieren. Der ursprüngliche Wunsch nach einer Biberschwanzziegel-Deckung wurde schnell aufgegeben, da der Holzdachstuhl mit Leimbindern die statischen Voraussetzungen nicht hatte. Über 72 t zusätzliche Materiallast konnte das Gebäude nicht tragen. Nun wurde abgewägt, ob wiederum Bitumenschindeln oder aber Metall den Vorzug finden sollten. Es folgte eine beschränkte Ausschreibung und über den Zimmermann wurde der Kontakt der KSG zur Wurster GmbH aus Bempflingen, Mitglied der Innung SHK Esslingen/Nürtingen, hergestellt.

Der Zimmerer, der – wie in Süddeutschland üblich – die Lattung aufbringen musste, hatte für den Handwerkskollegen geworben: „Ich kenne jemanden, der Aluminium-Dachplatten öfters verarbeitet“. Konkurrenzdenken hatten die beiden Gewerke zugunsten einer optimalen Symbiose schon mehrfach ausgeschaltet. Die Zusammenarbeit hatte bei einigen Objekten sehr gut funktioniert und so stand der erfolgreichen Umsetzung nichts mehr im Wege. Das schwierige Objekt entwickelte sich zur Erfolgsgeschichte. Die Ausschreibung war im April 2014 erfolgt. Das von Wurster erstellte 1 : 1-Modell für den Bauausschuss überzeugte die über ein Dutzend „Chefs“ der Gemeinschaft, zumal schon das geringe Eigengewicht des Materials von 3 t für die Dachfläche für sich sprachen. Mit Lattung entstanden 12 kg Mehrgewicht pro m². Im Juli 2014 wurde der Bauvertrag unterschrieben.

Energiekiller Brandabschnitt

Wie so oft, waren sich auch in Filderstadt Brandschutz und Energieeinsparung nicht grün. Seitens des Baurechtamts erfolgte eine Freistellung von der EnEV. Es wäre viel zu aufwendig gewesen, die komplette alte Eindeckung samt Dämmung zu entfernen. Eine Berechnung hatte gezeigt, dass durch die großen Fluchtwege, das offene Treppenhaus und die Automatiktür, die permanent in Bewegung ist, auch bei Erneuerung der Dämmung die gleiche Energie wie im jetzigen Bestand aufgewendet werden müsste. „Ein hochwertiger Deckel nützt nicht viel, wenn die übrige Bausubstanz nicht modernisiert wird“, resümierte Bauleiter Thomas Sommer. Die vorhandenen 12 cm Glaswolle reichten also aus. Dies erfreute naturgemäß auch die Bauherrschaft, da das vorgegebene Budget nicht überschritten werden durfte. So konnte auch die höherwertigere Eindeckung ohne Probleme erfolgen, da die vorhandene nicht abgerissen werden musste. Brandabschnitte, wie heute gefordert, waren nicht umzusetzen, auch nicht umzubauen.

Brigitte Latsch

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 10.2017.

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