„Altes Haus“ in Bacharach

Eines der meistfotografierten historischen Fachwerkhäuser der Welt steht in Bacharach am Rhein. 1368 erbaut, zählt es zu den besterhaltenen mittelalterlichen Profanbauten in Deutschland. Alles andere als profan ist die Sanierung der verschachtelten Dachflächen zu bezeichnen – DDM Punstein löste dies Stück für Stück in Altdeutsch.

Haus Bacharach
Unregelmäßig eingebundene Einfällerkehle, Türmchen, Grate – bei der rund 250 m² großen Dachfläche glich keine Ecke der anderen. Hier war die hohe Handwerkskunst der Schieferdeckung gefordert. Fotos: DDH

Mitten im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz liegt als Teil des Unesco-Weltkulturerbes Oberes Mittrheintal das kleine Städtchen Bacharach. Erstmalig im 11. Jahrhundert erwähnt, erblühte mit den Jahrhunderten eine mittelalterliche Kleinstadt mit massiven Wehrmauern, gotischer Kapelle und der Burg Stahleck im Nordwesten der Stadt. Genau dieser mittelalterliche Charme und die noch weithin intakten Stadtmauern mit Wehrgängen und Türmen sowie den rund um die alte Pfarrkirche St. Peter erstreckten wundervollen Fachwerkbauten ziehen Jahr für Jahr Millionen weltweit anreisender Touristen in das romantische Städtchen.

Im Wandel der Jahrhunderte

Das wohl mit Abstand bekannteste Bauwerk ist das „Alte Haus“, welches zu den populärsten Fachwerkhäusern am Rhein überhaupt zählt. Das mittelalterliche Bauwerk ist eines der bekanntesten Fachwerkhäuser, dessen Anfänge der Inschrift am Haus zufolge auf das Jahr 1368 zurückgehen. Während die Mehrzahl der alten Bürgerbauten in Bacharach durch eine Reihe schwerer Stadtbrände um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert vernichtet wurden, bewahrte das „Alte Haus“ in fast allen Teilen den reichen Charakter rheinischen Fachwerks. Es verfügt über vier Giebel, Ecktürmchen und Rokokotüren. Im Laufe der Jahrhunderte wurde aufgrund der stetig wechselnden Umnutzung immer wieder um- und angebaut, sodass keine Seite der anderen gleicht. So erfolgte um 1550 auf der Südseite des Gebäudes ein zweigeschossiger Anbau und um vermutlich 1621 erfuhr das Bauwerk eine Erweiterung auf der Westseite. Die letzte große bauliche Veränderung erfolgte gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Fachleute wechselten damals das gesamte Fachwerk an der Ostseite des ursprünglichen Baus im 2. Obergeschoss. Die Jahrhunderte und das Klima am Rhein gingen aber nicht an der Substanz des Gebäudes vorüber. Fassadenflächen und insbesondere das Dach, mit einer mittlerweile verschlungenen Geometrie, litten unter mangelnder Pflege, nicht zuletzt aufgrund fehlender Gelder. Die Schieferdeckung auf den steilen Hauptdachflächen war in einem schlechten Zustand, sodass man sich für eine komplette Neueindeckung entschied.

Experten-Team rund um Planung und Sanierung

DDM Berthold Punstein und Architekt Hubertus Jäckel
Austausch unter Denkmal-Experten: DDM Berthold Punstein (links) und Architekt Hubertus Jäckel beim Ortstermin in Bacharach.

Mit der Planung und Betreuung wurde der auf denkmalpflegerische Sanierungen spezialisierte Architekt Hubertus Jäckel aus Oberwesel beauftragt. Eine beschränkte Ausschreibung sorgte für eine Auswahl leistungsfähiger Bewerber. Die Firma Punstein Bedachungen aus Oberwesel, Mitglied der Dachdecker-Innung Boppard/St. Goar, setzte sich durch und bekam den Zuschlag. Zimmerleute und Dachdecker mussten während der gesamten Sanierungsphase sehr eng miteinander arbeiten, da große Teile des historischen Dachtragwerks rekonstruiert werden mussten. Zugleich musste eine permanente Regensicherheit gewährleistet sein. Dieses gelang oft nur mithilfe von Planen, die über die offenen Stellen gespannt wurden. Morsche Fußpfetten, Aufschieblinge und Sparren mussten wieder in gleicher Größe und Anordnung eingebaut werden. Das auf einer Ecke stehende Türmchen wurde wegen der maroden Unterkonstruktion komplett abgetragen und in alter Größe wieder rekonstruiert. Ebenfalls die Montage der Rauspund-Schalung sowie der Vordeckbahn wurde in enger Abstimmung der beteiligten Handwerker reibungslos erledigt.

Alwin Punstein, Michael Zenk

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Ausgabe DDH 24.2014.

Kommentar verfassen:

captcha