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Außerhalb der Abdichtung

Steigende Energiepreise führen dazu, dass bestehende Gebäude energetisch saniert und bei Neubauten größere Dämmstoffdicken verbaut werden. Bei Wärmedämmung außerhalb der Abdichtung ist auf die Einlagigkeit zu achten - hier die Argumente.

Das Diagramm zeigt die Verteilung des Wassergehaltes über den Querschnitt bei einer zweilagigen Perimeterdämmung nach einem Zeitraum von dreißig Jahren (blaue Linie). Die hellblauen Flächen kennzeichnen die im Verlauf dieser Jahre vorgekommenen Wassergehalte. Abb.: Jackon

Wir konzentrieren uns hier auf die Standard-Anwendungen "Perimeterdämmung ohne drückendes Wasser" und "Umkehrdach bekiest", da das zum einen die Hauptanwendungen sind und zum anderen niemand ernsthaft auf die Idee kommt, im drückenden Wasser oder beim Umkehrdach als Parkdeck eine zweilagige Verlegung der Wärmedämmung zu empfehlen. Weiter beschränken wir uns bei der Betrachtung der Dämmstoffe auf extrudiertes Polystyrol (XPS) nach EN 13164 Werkmäßig hergestellte Produkte aus extrudiertem Polystyrolschaum (Oktober 2001), da im Umkehrdach nur XPS uneingeschränkt zulässig ist und im Perimeterbereich zwar andere Produkte eingesetzt werden dürfen, diese aber durch allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen Einschränkungen in dieser Anwendung erfahren. Betrachtet man allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen aus früheren Jahren für die Anwendungsgebiete Perimeterdämmung und Umkehrdachdämmung nach DIN 4108-2, so lässt sich feststellen, dass in diesen Zulassungen immer auf eine einlagige Verlegung hingewiesen wird. Es wird sogar das modale Hilfsverb "muss" verwendet. Vergleicht man die in diesen Zulassungen verwendeten Produktbezeichnungen mit den heutigen, so stellt man fest, dass genau die gleichen Produkte auch heute noch vertrieben werden. Offensichtlich hat es seit dem Erscheinen der Zulassungen keine Entwicklung bei den Produkten gegeben, die eine mehrlagige Verlegung rechtfertigen würde. Somit hat das Gebot der einlagigen Verlegung immer noch Bestand.

Das Gebot der Einlagigkeit

Beschäftigt man sich mit dem Gebot der Einlagigkeit von Dämmstoffen außerhalb der Abdichtung stellt sich natürlich zuerst die Frage: Warum gibt es dieses Verbot? Einigkeit herrscht in der Literatur, zum Beispiel Handbuch Dachabdichtungen darüber, dass - unabhängig ob Umkehrdachdämmung oder Perimeterdämmung - sich zwischen den Dämmstoffschichten ein geschlossener Wasserfilm bilden kann, der nicht diffusionsoffen ist und wie eine Dampfsperre wirkt. Durch die Behinderung des Diffusionsstroms fällt in der Dämmplatte, welche der warmen Seite zugewandt ist, Wasser aus. Wie allgemein bekannt, verschlechtert sich dadurch die Wärmeleitfähigkeit des Wärmedämmstoffes. Speziell beim Wärmedämmsystem Umkehrdach gibt es Berichte, zum Beispiel Gutachten über die Feuchtigkeitsverhältnisse in Umkehrdächern Auswirkungen auf die Konstruktion und den Wärmeschutz (Dipl.-Ing. W. Zapke, Landesversicherungsanstalt Freie und Hansestadt Hamburg, September 1988) über Schäden, die durch eine zweilagige Verlegung entstanden sind. Deutlich dürftiger stellt sich die Lage bei der Perimeterdämmung dar, da der Schaden oftmals schlichtweg nicht bemerkt wird. Schließlich befindet sich die Wärmedämmung an der Kelleraußenwand oder gar unter der Bodenplatte und wer gräbt schon ohne triftigen Grund die Wärmedämmung aus? Und einen augenscheinlichen Schaden gibt es ja auch nicht. Höherer Energiebedarf wird dann oftmals erst auf andere Dinge zurückgeführt. Dank moderner Simulationssoftware lassen sich die Mechanismen und die daraus resultierenden Effekte sehr gut darstellen. Das Fraunhofer Institut für Bauphysik in Holzkirchen hat im Auftrag der Jackon Insulation GmbH für eine Perimeterdämmung aus XPS an der Kelleraußenwand eine einlagige mit einer zweilagigen Perimeterdämmung verglichen (IBP-Bericht RKB-04-2007k Bewertung des hygrothermischen Verhaltens einer Perimeterdämmung aus zwei Lagen XPS von Mai 2007). Grundannahme war, dass in beiden Fällen zwischen Wand und Perimeterdämmung und bei der zweilagigen Verlegung außerdem zwischen den Dämmschichten ständig ein Wasserfilm existiert. Der Wandaufbau war in beiden Fällen identisch. Variiert wurde nur die Ein- und Zweilagigkeit des Dämmstoffes bei gleichen technischen Daten: Im Falle der Perimeterdämmung aus zwei Dämmstoffplatten findet vor allem auf der an der Wand befindlichen Platte außenseitig eine starke Feuchteanreicherung statt. Hier treten nach dreißig Jahren Wassergehalte von über 350 kg/m³ (35 Vol.-%) auf. Über die Dicke gemittelt ergibt sich für diese Platte ein Wassergehalt von cirka 100 kg/m³ (10 Vol.-%). Die äußere Platte bleibt relativ trocken mit im Mittel knapp unter 30 kg/m³ (3 Vol.-%).

Ein anderes Bild ergibt sich bei der einlagigen Perimeterdämmung, die in Multilayer-Technik (hierunter sind Produkte zu verstehen, die aus mehreren Schichten diffusionsoffen zusammengeklebt werden, bauphysikalisch aber wie eine Platte arbeiten; vom Prinzip her ähnlich wie Brettschichtholz im Holzbau) gefertigt wurde (siehe Kasten: Wassergehalt: einlagige Perimeterdämmung). Hier ist der Wassergehalt relativ gleichmäßig in der ganzen Platte verteilt, mit abnehmender Tendenz von innen nach außen. Der höchste Wassergehalt liegt nach dreißig Jahren bei etwa 60 kg/m³ (6 Vol.-%). Im Mittel liegt in der Platte ein Wassergehalt von knapp über 30 kg/m³ (3 Vol.-%) vor.

Günter Rudolph


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