Da fliegt kein Blech weg

Sein Markenzeichen ist die Baskenmütze, seine Erfindung eine Befestigung ohne ­Befestigung. Beim diesjährigen Klempnertreff stellte Dachdeckermeister Pierre Held seine Erfindung vor, sie wurde vor zwei Jahren beim Deutschen Patentamt eingereicht.

Pierre Held
Einfach auf die Pritsche, losfahren, einbauen – fertig. Dachdeckermeister Pierre Held mit seinem Befestigungssystem. Foto: DDH

Im Haus hat Pierre Held seine Baskenmütze nicht auf, draußen auf der Baustelle oder wenn er für sein Handwerk unterwegs ist immer. Das sieht man am Gesicht. Unterhalb des Haaransatzes blitzt ein weißer Streifen, der Rest vom Gesicht ist gut gebräunt – deutliche Zeichen der Arbeit an der frischen Luft im Hochsommer. Die Baskenmütze gehört für ihn genauso dazu wie die Zunftkleidung oder das Innungsemblem auf der Gürtelschnalle. „Die Leute kennen mich gar nicht ohne“, lacht er. Für einen 32-jährigen wirkt der Westerwälder ein wenig aus der Zeit gefallen, fast altmodisch traditionell und angenehm uneitel. Im Gespräch merkt man bald, Pierre Held, weiß wovon er redet – ihm geht es um Inhalte und sein Handwerk. Und darum, wie Dachdecker sich die Arbeit leichter machen. Eine konkrete Idee war seit der Lehre immer schon da, zumindest gedanklich präsent. Es muss doch eine Befestigung geben die man einfach so hin macht, dachte sich Held „Das hatte ich schon im Hinterkopf gespeichert. Und als ich mit meinem Vater über die DACH+HOLZ 2012 ging, sah ich verschiedene Systeme und auf einmal hatte ich die Eingebung“, berichtet der 32-jährige. Zurück zu Hause zeichnete er erst mal die Konstruktion auf und baute dann in der Scheune eine Art Modell. Heimlich, still und leise. Zunächst gab es noch Probleme mit dem Umschlag der Kanten, doch dann funktionierte es. Seine Lösung: „Sowohl an der Wand als auch auf dem Dach ist ein Verlegen der Platten in der Fläche ohne Zuhilfenahme von Werkzeugen oder Befestigungsmitteln rein mit der Hand möglich. Ich wollte auf Hilfsmittel wie Haftstreifen, Nägel oder Schrauben verzichten. Auch einen Schussapparat wollte ich nicht einsetzen.“ An allen Schnittpunkten zwischen Konter- und Traglattung wird durch Hochbiegen der vorgefertigten Abschnitte das Einhängen ermöglicht. Die Vorteile des Deckwerkstoffs:

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Die Vielseitigkeit des kleinformatigen Deckwerkstoffes. Foto: Held

Reduzierung der Arbeitsschritte

Weniger Arbeiter zum Verlegen erforderlich

Zeitersparnis

Keine Befestigungsmittel notwendig

Kostenreduzierung

Umweltvorteile

Die Belastung der Mitarbeiter wird minimiert, da sie weniger Befestigungswerkzeuge und Material auf die Baustelle transportieren müssen. Auch potenzielle Stolperfallen auf dem Dach oder Gerüst fallen weg. „Du bist einfach schneller und hast kein Gefummel auf der Baustelle mit dem Befestigungsmaterial“, behauptet Held. Alle Rollenformer können das Befestigungssystem verarbeiten, egal ob Zink, Alu oder Kupfer . Erste Hilfe gab es von der Handwerkskammer Koblenz, der Mitarbeiter riet unter anderem zum Anwalt. Denn oft liegt es an Formfehlern, die eine Idee in die Sackgasse schicken. Und dann stirbt die Idee wegen der Formalien.

Seine Feuertaufe auf dem Klempnertreff .

Johannes Messer

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 18.2016

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