Denkmalgerecht in Englisch

Eine 1881 erbaute Villa in Braunschweig sanierte DDM Walter Fricke nach Kriegszerstörung, Notdach und Zwischenlösung denkmalgerecht. Die Besonderheit: Das neue Schieferdach in Rechteck-Doppeldeckung erreicht Passivhausstandard.

Ebene Fläche Dank Trick: Auf Drempelhöhe mussten die Dachdecker rundum ein höher stehendes Schalungsbrett herausnehmen, erst dann ergab sich eine weitgehend ebene Fläche.

Es heißt, diese Villa wurde einst von einem wohlhabenden Braunschweiger Kaufmann für seine Geliebte errichtet. Ihre Lage am westlichen Umflutgraben des Flusses Oker innerhalb des klassizistischen Wallrings – der nach Schleifung der barocken Befestigung ab 1801 als qualitätsvolle Abfolge von Parks, Plätzen und Promenaden durch den Kammer- und Klosterrat Peter Joseph Krahe gestaltet worden ist – ist einmalig reizvoll. Heute steht die Villa in zentraler grüner Stadtlage unter Denkmalschutz. Architekt R. Zinkeisen errichtete diese Villa im klassizistischen Stil. Gewohnt wurde ursprünglich nur auf einem Geschoss, auf der Beletage. Sie bietet eine lichte Raumhöhe von 3,7 m. Das farblich abgesetzte Souterrain entwickelt sich auf dem terrassierten Grundstück zur Oker hin als vollwertiges Geschoss mit Ausgang zum Fluss. Auf dem Satteldach mit Kniestock und Südgiebel ist auf der Nordhälfte des Daches quer ein Zwerghaus aufgesetzt. Es besitzt eine dreiteilige klassizistische Fensterrahmung mit jeweils 2 Fenstern pro Geschoss und eine Figurennische zwischen den obersten Fenstern. Das prächtige Drempelgesims ist mit pflanzlichen Ornamenten verziert. Spiralbänder schmücken auch Giebel und Traufe des Hauptdaches. Der überdachte Eingang liegt im Norden. Am Südgiebel besaß die Villa einst eine offene Säulenhalle mit Satteldach. Im Zuge des vollständigen Ausbaus des Dachgeschosses wurde die Säulenhalle mit großen, denkmalgerechten Fensterelementen geschlossen und erhielt 1958 einen Balkonaufsatz mit einer großen Türöffnung zum Dachgeschoss.

Dachhistorie mit Kriegseinwirkung

Am 5. August 1944 wurde die Villa von einer Phosphorbrandbombe getroffen und erheblich beschädigt. Die notdürftig ausgeführten Arbeiten umfassten seinerzeit vor allem das Dach. Das Dachtragwerk wurde weitgehend neu errichtet, eine Rauspundschalung verlegt und das Dach mangels Baumaterial mit Teerpappen gedeckt. Diese provisorische Deckung wurde später im Zuge eines Dachausbaus mit Konterlatten, Dachlatten und dunklen Betonsteinen überbaut. Bei der Grundsanierung der Villa im Frühjahr 2014 durch den Innungs-Betrieb, Dachdeckermeister Walter Fricke aus Braunschweig, wurden die alte Deckung abgenommen, die Dach- und Konterlatten wieder zurückgebaut, ein nagelbares Aufsparrendämmsystem montiert und das gesamte Dach nach altem Vorbild wieder mit Schiefer eingedeckt.

Schlanke Konstruktion, hohe Dämmleistung

Nach dem Unterfüttern der durchhängenden Traufe erfolgte die exakte Ausrichtung des ersten Dämmelementes an der Traufe entlang. Fotos: Rathscheck Schiefer

Dachsanierungen mit Aufsparrendämmungen leiden oft an zu hohem Schichtenaufbau. Mit dem gewählten System von DDM Fricke, einer nagel- und schraubbaren Aufsparrendämmung – ThermoSklent D von Rathscheck – reduzierte sich der Höhenunterschied zwischen der alten ungedämmten Betonsteindeckung und der neuen hochwertig gedämmten Schieferdeckung auf rund 4 cm. Der Rechengang:

reine Betonsteindeckung ohne Dämmung: 4 + 3 + 5 cm = 12 cm,

Schieferdeckung mit 14 cm Aufsparrendämmung: 14 + 2 = 16 cm.

Vom Boden aus betrachtet ist ein Höhenunterschied von 4 cm marginal. Zudem wird ein Schieferdach mit einer gerad­linigen Ortganglösung ausgeführt, wodurch es schlank und filigran wirkt. Im Fall der Braunschweiger Villa ist das insgesamt 14 cm dicke Aufsparrendämm­element (Lambda 0,023 W/mK) mit einer ebenfalls 14 cm dicken Zwischensparren- bzw. Dachbodendämmung kombiniert.

Gerard Halama

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Ausgabe DDH 17.2014.

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