Drohnen über Dächern

Praxis-Nutzen trifft Männer-Spielzeug: Drohnen aus dem Modellbaubereich leisten wertvolle Dienste bei der Beurteilung von Gebäuden. Unser Bericht zeigt, wie sich der Quadrocopter in der Dachdecker-Praxis schlägt.

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Machen Spaß, sind nützlich und beeindrucken Kunden: Drohnen aus dem Modellbau können in vielen Fällen eine aufwendige Dachbegehung ersetzen.Fotos: Karl-Heinz Krawczyk

Die Beurteilung eines Gebäudes wird heute aus vielfältigsten Gründen erforderlich; im Rahmen eines Gutachtens bei Schadensfällen, für die Gebäudeenergieberatung, Angebotserstellung, Auftragsvorbereitung, effiziente Planung von Reparaturen, Wartungen und Dachinspektionen.

Im Gegensatz zu gut zugänglichen oder von außen gut einsehbaren Bereichen eines Gebäudes ist das Dach, insbesondere bei aufwendiger Dachgeometrie, deutlich schlechter zu beurteilen. Oft verhindern auch andere Gebäude, Bauteile oder in der Nähe stehende Bäume die volle Einsehbarkeit aller Bereiche. Selbst dann, wenn das Gebäude frei steht, wird oft ein Fernglas oder ein gutes Teleobjektiv benötigt, um Dachdetails genau zu betrachten. Das Einsehen von Rinnen oder Anschlussbereichen ist selbst dann nicht immer möglich. Es fehlt einfach die Perspektive von oben.

Der Blick auf das Dach: mühsam, teuer oder veraltet

Die gängige Praxis in solchen Fällen war bisher die direkte Begehung des Daches unter Anseilschutz oder der Einsatz einer Hubarbeitsbühne. Auch Luftbildaufnahmen per Flugzeug sind gut geeignet. Bei all dem fallen aber nicht unerhebliche Lohn- und Gerätekosten an. Neben vorhandenen Planunterlagen, die leider nicht immer vollständig vorliegen, und Fotos, aufgenommen aus anderen gegenüberliegenden Gebäuden, bieten sich heutzutage auch elektronische Dienste wie zum Beispiel Google Maps oder Bing Maps an. Hier kann die Beurteilung und das Vermessen von Dachflächen anhand von Satelliten- oder Luftbildern erfolgen.

Einen Nachteil hat diese Art der Recherche jedoch: Die Daten sind oft nicht aktuell. Seit dem letzten Satelliten- oder Luftbild können sich Gebäude oder Teile davon verändert haben. Detaillierte Betrachtungen in Echtzeit von zum Beispiel verschmutzten Anschlussblechen oder Rinnen, einzelnen beschädigten Dachbauteile etcetera sind überhaupt nicht möglich. Jetzt kommt Unterstützung aus dem Modellbaubereich oder dem Elektronikfachmarkt: die AR.Drone 2.0.

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Alles einsehbar: Oft verhindern andere Gebäude, Bauteile oder in der Nähe stehende Bäume die volle Einsehbarkeit von Dächern. Die Drohne sorgt für Übersicht - auch aufwendige Dachgeometrien lassen sich problemlos erkunden.

Die Alternative: Mit der Drohne fliegen

Bei der AR.Drone, aktuell in der Version 2.0, handelt es sich um einen Quadrocopter, der eigentlich als Spielzeug gedacht ist. Durch seine 4 seitlich angebrachten Motoren mit horizontalen Propellern hat er ähnliche Flugeigenschaften wie ein Hubschrauber. Der UVP beträgt derzeit 299,00 Euro. Günstigere Angebote sind im Internet zu finden.

Der Clou der Drohne ist aus Sicht des Dachdeckers die Kombination von 2 Eigenschaften: die eingebaute, hochauflösende Kamera mit Weitwinkellinse, die waagerecht nach vorne herausschaut, und die herausragenden Flugfähigkeiten.

Was bedeutet das im Einsatz? Das Bild der Kamera wird direkt auf das Display des iPhone oder iPad übertragen und zeigt alles in Echtzeit. Die entsprechende App (ein kleines Programm) kann kostenlos heruntergeladen werden. Es besteht die Möglichkeit, Filme oder Fotos aufzunehmen und auf dem iPhone, iPad oder direkt auf einem USB-Stick in der Drohne selbst zu speichern.

Durch die elektronische Flughilfe startet, landet und fliegt die Drohne selbstständig. Gesteuert wird lediglich, in welche Richtung sich die Drohne bewegen soll. Die Steuerung erfolgt über virtuelle Joysticks auf dem Touchscreen und oder durch die Bewegungsmelder im iPhone oder iPad, die durch durch das Neigen des Gerätes gesteuert werden. Die Kopplung mit der Drohne erfolgt über WLAN, wobei die Drohne selbst der Access-Point ist. Die Reichweite beträgt circa 50 m, die Drohne sollte aufgrund der gewählten Übertragungsfrequenz immer in Sichtweite sein. Gebäude oder Gegenstände können das Steuerungssignal stark dämpfen. Verliert die Drohne das Signal, hält sie die Position, sodass man die Verbindung wieder aufbauen kann. Im Setup des Programme ist es auch möglich, Geschwindigkeit und Höhe zu begrenzen.

Karl-Heinz Krawczyk

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 24.2012.

Im YouTube-Kanal von Karl-Heinz Krawczyk zeigen zwei Videos anschaulich, was mit dem Gerät möglich ist.

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