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Energiesparer Dachsteine

Ein Öko-Institut bewertete Dachsteine und -ziegel und kam dabei zu einem überraschenden Ergebnis. Die Analyse ist für Dachdecker wichtig, denn die gestiegenen Anforderungen an energie- und umweltfreundliches Bauen fordern ihre Beratungskompetenz.

Für den Dachdecker werden die ökologischen Kennzahlen von Dachbaustoffen immer wichtiger. Foto: Braas

Mit einem ökobilanziellen Vergleich hat ein führender Hersteller Dachziegel und Dachsteine bewerten lassen. Für den Markt ergeben sich interessante Informationen, die auch für den Verarbeiter wichtig sind. Das Öko-Institut in Freiburg wurde mit der Erfassung, Analyse und Bewertung der Umweltbelastungen über den gesamten Lebensweg der Produkte beauftragt. Dabei war es günstig, dass die Baustoffe unter identischen konstruktiven Rahmenbedingungen eingebaut werden sowie identische Funktionen zum Schutz von Gebäuden und seiner Bewohner gegen witterungsbedingte Umwelteinflüsse übernehmen. Damit war sichergestellt, dass keine "Äpfel" mit "Birnen" verglichen werden. Die Ergebnisse der Studie können als markttypisch auch auf andere Hersteller übertragen werden. Die Studie wurde als Ökobilanz entsprechend der internationalen Norm DIN EN ISO 14040 ff. durchgeführt. In dieser Norm ist festgelegt, wie Ziele und Untersuchungsrahmen definiert werden und die Sachbilanz, die Wirkungsabschätzung und die Auswertung wissenschaftlich ausgeführt werden soll. Beginnend mit der Gewinnung und Bereitstellung der Rohstoffe, über die Produktion, Verpackung und Transport, die Nutzungsphase der Produkte bis hin zur Entsorgung hat das Öko-Institut nicht nur einzelne Umweltbelastungen erfasst, sondern alle potenziellen Schadwirkungen in den Umweltmedien Luft, Wasser und Boden zwischen Dachsteinen und Dachziegeln verglichen.

Im Rahmen der Sachbilanz wurden die mit den untersuchten Produkten verbundenen Stoff- und Energieströme systematisch erfasst und entsprechend der Lebenswegperspektive in einem normierten Verfahren auf eine festgelegte Vergleichseinheit bilanziert. Typische Lebensphasen sind die Gewinnung und Bereitstellung des Rohmaterials, die Produktion, Verpackung und Distribution, die Verarbeitung und Nutzungsphase sowie der Abbruch und die Entsorgung oder das Recycling. Es wurden quantitative, also mengenbezogene Daten erfasst wie der Verbrauch von Strom und Wasser oder der Verbrauch an Rohstoffen wie Sand und Ton. Damit ergaben sich produktspezifische Ergebnisse, die im ersten Schritt ohne Wertung zusammengestellt wurden. Die anschließende Wirkungsabschätzung diente dazu, die in der Sachbilanz zusammen gestellten Stoff- und Energieströme in sogenannte Wirkungsindikatoren "zu übersetzen", um so die potenziellen Umweltauswirkungen abzuleiten. Das Ergebnis der Wirkungsabschätzung ist eine Anzahl quantitativer Umweltauswirkungen, die ein Produkt verursacht, wie der Beitrag zum Treibhauseffekt, zum sauren Regen oder zum Ozonloch. Dazu wurden zum Teil komplexe wissenschaftliche Modelle eingesetzt. Ein Beispiel: Alle atmosphärischen Emissionen, die zur Erwärmung der Erdatmosphäre beitragen, wurden zusammengeführt. Um zu berücksichtigen, dass beispielsweise eine Methanemission im Vergleich zu Kohlendioxid eine rund 25-fach höhere Wirkung zur Erderwärmung ausübt, wurde auch der jeweilige spezifische Anteil berücksichtigt.

Im Rahmen der Studie zu Dachsteinen und Dachziegeln fanden das Treibhauspotenzial, das Versauerungspotenzial, das Eutrophierungspotenzial (Überdüngung), das Photooxidantienpotenzial sowie das Feinstaub-Risikopotenzial als Wirkungskategorien ihre Berücksichtigung (siehe Kasten: Unterschiedliche Potentiale). Neben diesen Wirkungsindikatoren wurden zusätzlich der kumulierte Energieaufwand, der Abbau mineralischer Rohstoffe sowie das Humantoxizitätspotenzial am Beispiel atmosphärischer Quecksilberemissionen in die Auswertung einbezogen.

Ökobilanz: Erste Ergebnisse

Die in der Studie durchgeführten Bilanzierungen haben gezeigt, dass Dachsteine gegenüber Dachziegeln bei fast allen Wirkungsindikatoren und bei relevanten Sachbilanzergebnissen deutlich besser abschneiden. So liegen die meisten Ergebniswerte für Dachsteine bei nur cirka 45 Prozent im Vergleich zu den Werten von Dachziegeln. Bei der Betrachtung des kumulierten Energieverbrauchs wird es besonders deutlich. Für Rohstoffbereitstellung, Produktion, Verpackung und Distribution von Dachsteinen wird nur cirka dreißig Prozent der Energie verbraucht, die für Dachziegel aufgewendet werden muss. Weniger Energieverbrauch bedeutet auch geringere CO2-Emissionen. Im Vergleich zu Dachziegeln fallen für den gesamten Lebensweg bei einem Dach mit Dachsteinen nur 45 Prozent der schädlichen Treibhausgas-Emissionen an. Während beim Dachziegel das Brennen des gesamten Scherbens treibender Faktor für den Energieverbrauch ist, wird der wesentliche Energieverbrauch bei der Produktion von Dachsteinen durch die Zementproduktion bestimmt.

Bilanz spricht für Dachsteine

An einem durchschnittlichen Einfamilienhaus mit 160 Quadratmeter Dachfläche wird dies besonders deutlich: Bei einer Deckung mit Dachziegeln entstehen rund 3.400 Kilogramm CO2-Äquivalente, bei Dachsteinen sind dies hingegen nur rund 1.550 Kilogramm (siehe Kasten: CO2-Emmissionen von Dachsteinen und Dachziegel). Auch in den weiteren Wirkungskategorien spricht die Bilanz für Dächer mit Dachsteinen. Diese Produktgruppe liegt auch beim Versauerungspotenzial, dem Eutrophierungspotenzial sowie dem Feinstaubpotenzial mit ähnlich günstigen Werten von 43 bis 47 Prozent der Belastungen im Vergleich zu Dächern mit Dachziegeln in Führung. Die Betrachtung des Photooxidantienpotenzials fällt mit cirka 85 Prozent nicht ganz so deutlich für den Dachstein aus. Aus diesen Ergebnissen kann das Öko-Institut konstatieren, das insgesamt betrachtet Dachsteine aus Umweltsicht Dachziegeln vorzuziehen sind. Bei einer theoretischen Hochrechnung für den Deutschen Dachmarkt ergeben sich deutliche Werte: Wären im Jahre 2006 alle mit Dachziegel gedeckten Dächer mit Dachsteinen gedeckt worden, hätte dies einer reduzierten Belastung der Umwelt mit Treibhausgasen von rund 470.000 Tonnen entsprochen.

Unterschiedliche Potenziale

Treibhauspotential

Das Treibhauspotential ist der mögliche Beitrag eines Stoffes zur Erwärmung der bodennahen Luftschichten und wird im Verhältnis zu Kohlendioxid (CO2) als GWP-Wert (Global Warming Potential) ausgedrückt. Der GWP-Wert von CO2 = 1.

Versauerungspotential (saurer Regen)

Das Versauerungspotenzial wird aus den Emissionsangaben der Säurebildner Schwefeldioxid, Stickstoffoxide und Ammoniak ermittelt.

Eutrophierungspotential (Überdüngung)

Das Eutrophierungspotenzial gibt Auskunft über die Anreicherung von Stickstoff und Phosphor. Beide Stoffe wirken als Dünger und können in empfindlichen Ökosystemen, zum Beispiel Seen zum "Umkippen" beitragen.

Photooxidantienpotenzial (Sommer-Smog)

Das Photooxidantienpotenzial beschreibt die Möglichkeit zur bodennahen Ozon-Bildung.

Feinstaub-Risikopotenzial

Mit dieser Wirkungskategorie wird die toxische Schädigung von Menschen durch Feinstaub bewertet.

Kumulierter Energieaufwand

Im kumulierten Energieaufwand wird die Energiemenge beschrieben, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produktes einschließlich aller Vorprodukte und Produktionsprozesse verbraucht wird, zum Beispiel Herstellung von Zement als Bindemittel für Dachsteine.

Carl-Otto Gensch


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