Flachdach: Am Puls der Fachtechnik

Die Fachtechnische Tagung zeigt Dachdeckern, wohin sich ihre Arbeit entwickelt. In diesem Jahr standen die Fachregeln Flachdach im Mittelpunkt, vor allem ihr Stellenwert gegenüber DIN-Normen. Und die Diskussion zur Flachdachrichtlinie.

Fachtechnische Tagung Köln
Multiplikatoren bei der Arbeit: Die Fachtechnische Tagung in Köln befasst sich mit den Auswirkungen von Fachregeln, Normen, Baurecht und Verordnungen auf die Praxis für Dachdeckerbetriebe. Fotos: DDH

Die Fachregeln und die zu ihr gehörende Flachdachrichtlinie bildeten den inhaltlichen Schwerpunkt der Tagung, die am 30. und 31.03.2017 in der Kölner Innung stattfand. Nach der Begrüßung durch ZVDH-Vize Stephan Eickhoff, der die Tagung moderierte, gab Josef Rühle einen Überblick auf die Wertigkeit des Fachregelwerks für Planer und Dachdecker. Rühle stellte das Verhältnis von Fachregelwerk und DIN-Normen in den Kontext der im Markt zuletzt verstärkt geführten Diskussion, welche Werke primär als allgemein anerkannte Regel der Technik zu sehen sind. Dabei kann das Fachregelwerk auf einige Aspekte verweisen, die es zum zentralen Orientierungspunkt für Dacharbeiten qualifizieren. Zum Beispiel die explizite Verankerung über die VOB/C DIN 18338, die das Fachregelwerk in VOB/B-Vertägen ohnehin macht.

Fachregeln beziehen sich auf 13 Fachreglteile

Aber auch in BGB-Verträgen verweist die geltende Rechtsprechung auf die Frage, welches Werk die vorherrschende Ansicht der technischen Fachleute darstellt. Die zusammenfassende Funktion des Regelwerks machte Rühle anhand von Zahlen deutlich: Die Fachregeln beinhalten 883 Bezüge zu EN-Normen, 1.677 zu Normen und beziehen sich auf 13 Fachregelteile. Dies wirft die Frage der Machbarkeit auf: Welcher Betriebe könnte diese Vielzahl an Einzelnormen überhaupt vorhalten und eigenständig Verknüpfungen erstellen? Grund genug, von einer „DIN-Gläubigkeit“ abzurücken, denn DIN-Normen sind keine Rechtsnormen, sondern „private technische Regelungen mit Empfehlungscharakter“. Entscheidend für den Dachdecker, so Rühle, sei der Inhalt des Werkvertrags. Es empfehle sich daher, so Rühle abschließend, das Fachregelwerk als Vertragsgrundlage in Angebote zu integrieren.

Diskussion zur Flachdachrichtlinie

Die neue Flachdachrichtlinie besitzt seit Dezember 2016 Gültigkeit und kommt somit in diesem Jahr endgültig auf den Baustellen an. Der ZVDH ist bereits seit dem letztem Jahr intensiv in die Vermittlung der Inhalte eingestiegen: Bei Tagungen, Multiplikatorenseminaren und in Fachartikeln wurden die Kernpunkte der Novellierung kommuniziert. Christian Anders fasste in seinem Vortrag die wesentlichen Diskussionspunkte zusammen und präsentierte einige geplante Änderungen des Fachregeltextes. Primär ging es um kleinere Ergänzungen und Präzisierungen beispielsweise bei der Randbefestigung und -fixierung, bei Hartschaum-Dämmplatten sowie den Trenn- und Ausgleichsschichten. Die beschlossenen Änderungen sollen der Mitgliederversammlung im Juni 2017 als Änderungsvorschläge der Fachregel für Abdichtungen – Flachdachrichtlinie – mit dem Antrag auf Übernahme in die Fachregel vorgelegt werden.

Ausführliche Infos zur Flachdachrichtlinie:

Aachener Bausachverständigentage: Neuerungen Flachdachrichtlinie

Die Aachener Bausachverständigentage untermauerten auch in ihrer 43. Auflage den Status als Großveranstaltung für Planer und Sachverständige, die aktuelle Entwicklungen und neue Forschungsergebnisse zusammenfasst. Rund 1.200 Teilnehmer informierten sich im April zwei Tage lang und in insgesamt 18 Vorträgen zum diesjährigen Rahmenthema. Dies lautete 2017: „Bauwerks-, Dach- und Innenabdichtung: Alles geregelt?“ Spannend aus Sicht des Dachdeckerhandwerks waren vor allem die Vorträge zu den Neuerungen der DIN 18531, die sich zurzeit noch in der Gelbdruckphase befindet, sowie der Überblick auf die Neuerungen in der Flachdachrichtlinie.

Dr.-Ing. Rainer Henseleit vom Industrieverband Bitumen-Dach- und Abdichtungsbahnen e. V. (vdd) stellte in seiner Funktion als Obmann die wesentlichen Neuerungen der Norm vor. Dabei bleibt vieles beim Alten, etwa die Kategorisierung in K1 und K2 sowie die Unterscheidung zwischen genutzten und nicht genutzten Dächern.

Dipl.-Ing. Christian Anders, Leiter der Informationsstelle Technik beim ZVDH, informierte direkt im Anschluss über die Änderung in der Flachdachrichtlinie und arbeitete heraus, warum die Flachdachrichtlinie in einigen Punkten eine andere Richtung eingeschlagen hat als die Norm. Anders legte dar, warum die bisherige Kategorie K2 in Bezug auf die Materialdicken den Marktstandard abbildet, jedoch nicht den Erwartungen von Bauherren von einer erhöhten Qualität entspräche. Die Anwendungskategorien, so Anders, hätten sich im Markt nicht durchgesetzt. Auch bei den Eigenschaftsklassen bewegten sich nahezu alle im realen Markt genutzten Produkte innerhalb einer Klasse, weshalb ein Aufrechterhalten der Differenzierung nicht sinnvoll sei.

Schwerpunkt Flachdach, Flachdachabdichtung, Dachablauf

Auf der Fachtechnischen Tagung der Nordrheinischen Dachdecker war Flachdach ebenfalls Schwerpunktthema. Lebhaft diskutierten die Dachdecker in Waldhotel Rheinbach mit den Referenten. Folgende Punkte wurden überarbeitet und sind in der Verarbeitung wichtig: Randbefestigungen/Fixierung: Eine Verschärfung für Bitumenbahn-Abdichtung, weil EPS der dominante Dämmstoff auf Flachdächern ist. Kritik kam aus dem Podium zum Knackpunkt Randspaltung. „Ziel der Randfixierung ist es, negative Auswirkungen der Randspaltenbildung zu unterbinden, nicht den EPS-Schrumpf zu verhindern“ betonte Anders. Im Bereich Hartschaum-Dämmplatten ist eine Sonderregelung für großformatige PU/PIR Hartschaumplatten möglich.

Malte von Lüttichau und Johannes Messer

Die ausführlichen Beiträge lesen Sie in DDH 08.2017.

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