Lohntarifverhandlungen 2016: 1. Runde ergebnislos vertagt

Am 22. Juni 2016 fand in Mainz die erste Verhandlungsrunde zwischen den Tarifkommissionen des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) und der Industriegewerkschaft Bau Agrar Umwelt (IG BAU) statt.

Schneider
Beklagte die zum Teil falschen Behauptungen der Gewerkschaft: ZVDH-Präsident Karl-Heinz Schneider.Foto: ZDH/Werner Schüring

Es ging um die Fortentwicklung der gekündigten Lohn- und Gehaltstarifverträge sowie des Ausbildungstarifvertrags.

Erstmals hatte die Arbeitgeberseite die Lohn- und Gehaltstarifverträge gekündigt, und nicht wie sonst üblich, die Gewerkschaft.

Fakten zur Konjunktur

Zu Beginn der Verhandlungen monierte ZVDH-Präsident Karl-Heinz Schneider als Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite die zum Teil falschen Behauptungen der Gewerkschaft und mahnte eine sachliche Diskussion an. Dazu gehöre auch eine realistische Bewertung der vorliegenden Konjunkturzahlen. Unbestreitbar sei die positive Entwicklung im Bauhauptgewerbe, dem stünden aber Umsatzrückgänge im Dachdeckerhandwerk von 2,4 Prozent (2015) entgegen. Dadurch werde klar, dass die Dachdeckerbetriebe von dem Bauboom nur in geringem Maß profitierten. Außerdem müsse man berücksichtigen, dass seit 2007 die Tariflöhne um 26 Prozent gestiegen seien, erklärte Schneider.

Vor allem das 2012 eingeführte Lohngitter habe gerade bei den höher qualifizierten zu überproportionalen Lohnzuwächsen geführt. Diese Regelung wurde damals eingeführt, um gut ausgebildete Mitarbeiter besser zu entlohnen. Die Arbeitgeberseite schlug vor, anstatt über Primärlohnsteigerungen zu reden, Veränderungen im Bereich der allgemeinverbindlichen Tarifverträge zu diskutieren. Dies wurde von dem Verhandlungsführer der Gewerkschaft, Dietmar Schäfers, kategorisch zurückgewiesen. Die Gewerkschaft blieb bei ihrer Forderung nach einer Anhebung der Löhne und Gehälter von 5,6 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Die nächste Verhandlungsrunde findet im Juli 2016 in Frankfurt/Main statt.

Kommentar

Karl-Heinz Schneider: „Die Verweigerungshaltung der Arbeitgeberseite sei ein falsches Signal! So hatte sich der Verhandlungsführer der Gewerkschaft geäußert. Wir sagen, die einseitige Betrachtung von Konjunkturdaten des Bauhauptgewerbes verrät Unwillen, sich genauer mit der nicht einfachen Situation von Dachdeckerbetrieben zu beschäftigen. Hier haben wir im Schnitt 5-6 Mitarbeiter, also Kleinstunternehmen, die nicht nur mit steigenden Lohnkosten, sondern auch mit zunehmenden Wettbewerb und einem überbordenden Bürokratismus zu kämpfen haben.

Wenn man sich die Zahlen aus dem Bau genauer anschaut, stellt man fest, dass ein Gros der Neubauten Mehrfamilienhäuser sind; (2015 ein Plus von vier Prozent), während die Fertigstellungen von Ein- und Zweifamilienhäusern 2015 rückläufig war: minus 4,6 beziehungsweise minus 3,7 Prozent. Aber gerade hiervon profitiert der Dachdecker logischerweise mehr als beim Bau von Mehrfamilienhäusern. Auch die energetische Gebäudesanierung stagnierte 2015 bei einem Prozent, nicht zuletzt, weil eine staatliche Förderung nicht zustande kam – und wohl auch nicht mehr kommen wird. Auch dies hat Ertragseinbußen bei den Dachdeckern zur Folge, ebenso wie ein Rückgang beim Einbau von PV-Anlagen. Wir reden hier also nicht von großen Baufirmen, die insgesamt vom Bauboom profitieren, sondern von Klein- und Kleinstunternehmen, die zum Teil richtig kämpfen müssen. Hiervor sollte auch eine Gewerkschaft nicht die Augen verschließen. Wir wollen mit den Tariflöhnen ein realistisches Lohngefüge erreichen! Mit der monotonen Forderung nach Lohnsteigerungen, die illusorisch sind, gefährdet die Gewerkschaft die Existenz vor allem kleiner Unternehmen. Bisher haben die Tarif-Parteien immer eine vorbildliche Lösung gefunden, wir hoffen sehr, dass es uns dieses Mal auch wieder gelingt!“

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Kommentare:

23.08.2016
Dachdecker Situation / Löhne

Das hat leider lange gedauert, bis die Herren vom ZVDH erkannt haben welche Problematik sich in dem Bereich der Dachdeckerbetriebe aufgetan... 

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