Hüpfburg mit Hutkrempe

Der Dachrand führt eher ein Schattendasein, dabei greifen bei dem konstruktiv notwendigen Detail eine Vielzahl unterschiedlicher Normen, Regeln und Hinweise. Handwerklich anspruchsvoll wird es immer dann, wenn es am Dachrand richtig rund geht – wie beim Café Schwarzwaldmaidle in Bärental am Feldberg, dessen Dach einem Bollenhut nachempfunden ist.

Dachrand Hüpfburg Aufmacher
25 Bohrpfähle, 24 kreisförmig angeordnete Holzbinder mit unterschiedlichen Neigungen, eine geschwungene Dachform und markante Dachränder wie eine Hutkrempe: Bei dem Dach einer Bäckerei im Hochschwarzwald ist nichts normal – am wenigsten die roten Bollen. Aufmacher: Dirk Fischer, Bilder/Zeichnungen: Alwitra

Unweit des höchstgelegenen Bahnhofs der Deutschen Bundesbahn entstand 2015 dieser außergewöhnliche Neubau in Bollenhutform. Die Idee zu dieser besonderen Gestaltung hatte der Bauherr Dirk Fischer, Inhaber der Bäckerei Fischer in Titisee-Neustadt. Gemeinsam mit dem befreundeten Architekten Dipl.-Ing. Gerd Schwab wurde in nur 22 Monaten aus seiner Idee Wirklichkeit.

Aufwendige Holzkonstruktion

25 Bohrpfähle sichern das Gebäude auf dem torfigen Untergrund des Hochmoors. Teile des Neubaus sind unterkellert, um Platz für die Haustechnik sowie Sanitär- und Nebenräume zu schaffen. Tragwerk und Außenwände erstellte man komplett aus Holz. Die runde geschwungene Dachform, die eine Hutkrempe nachbildet, besteht aus 24 kreisförmig angeordneten Holzbindern mit unterschiedlichen Neigungen. Durch die Mittelstütze konnten die Spannweiten verringert werden. Gleichzeitig sorgen die Binder mit unterschiedlichen Neigungen für den von außen sichtbaren Schwung am Dachrand. So waren für die 24 Dachsegmente sechs unterschiedliche Binder erforderlich.

Zur Abdichtung des geschwungenen „Hutdaches“ kam eine EVA-Dach- und Dichtungsbahn zum Einsatz. Ausgeführt wurden die Abdichtungsarbeiten vom Team der Braun & Heine Bedachungen GmbH & Co. KG aus Furtwangen. Unmittelbar auf die Tragschalung aus Holz verlegten die Dachdecker zunächst eine selbstklebende bituminöse Dampfsperre. Nachfolgend wurde die Dachfläche mit Dämmplatten aus PUR wärmegedämmt. Abschließend konnten die EVA-Bahnen verlegt, im überdeckten Saumbereich befestigt und heißluftverschweißt werden. Um die Bollen später auf der Dachfläche befestigen zu können, integrierte man 36 Anschlagpunkte als Halter in die Dachkonstruktion.

Gleitend gelagert statt verklemmt

Auch die Dachränder wurden vom Team von Braun & Heine ausgeführt. Neben dem Dachrand des runden Hauptdaches musste ebenfalls der Dachrand des tiefer gelegenen Daches des Eingangsbereichs ausgebildet werden. Trotz der komplizierten Abwicklung durch die Rundung sowie den dynamischen Verlauf entschied sich DDM Bernhard Braun für eine objektbezogen angefertigte Dachrandlösung mit einem beschichteten Dachrandprofil-System. Der Vorteil: Je nach Ausführung besteht das System aus zwei oder mehr Teilen, was eine spannungsfreie Einbindung der Dachabdichtung in das Profil ermöglicht. Durch die Trennung von Abschluss- und Deckprofil ist die Anschlussbahn zwischen den beiden Profilen gleitend gelagert, aber nicht verklemmt. So können sich die Profilteile und die Anschlussbahn bei temperaturbedingten Längenänderungen schadlos ausdehnen, zusammenziehen oder verschieben.

Helmut Remmels

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 11.2017.

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