Inselarbeiter für zwei Jahre

Zusammen mit der Dominikanerkirche und der Clemenskirche bildet der Erbdrostenhof die Barockinsel in Münsters Innenstadt. Über zwei Jahre hatte DDM Kleinwechter die Ehre, Teil des Inselerhalts zu sein: In liebevoller Arbeit sanierte sein Team die über 1.500 m² große Dachfläche, mit eigens dafür in einer Manufaktur hergestellten Hohlziegeln in Vorschnittdeckung.

Erbdrostenhof (6)
Denkmalgerecht saniert: Bei der Dachsanierung des Erbdrostenhofs in Münster verlegte das Team von Kleinwechter & Bröker rund 22.000 Manufakturziegel. Sämtliche Grate wurden als aufgelegte Mörtelgrate ausgeführt. Fotos: Kleinwechter/Nixe Kommunikationsdesign

Besucht man heute als Tourist die Stadt Münster, gehört ein kurzer Blick auf die Außenanlage des Erbdrostenhofs einfach dazu, auch wenn die Tore für Besucher nur zu bestimmten Veranstaltungsterminen geöffnet werden, da das Gebäude Dienstsitz einiger Kulturdienste des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe ist. Neben der imposanten Fassade aus Sandstein mit ihren vielen Fensterelementen, dem Festsaal mit Empore und wunderschönen Wand- und Deckenmalereien präsentiert sich auch das Dach auf besondere Art und Weise. Die insgesamt circa 1.500 m² großen Dachflächen bestehen zu einem Drittel aus konkav und konvex geschwungenen Mansard- und Walmdachflächen. Die Schlepp- und Runddachgauben mit Gaubenspiegeln aus Sandstein runden das Gesamtbild, analog zur Fassade, zur Straßenseite hin ab. Im Zuge des Wiederaufbaus der Anlage konnten die Dacharbeiten 1956 vollends fertiggestellt werden. Als Deckung wählte der Landschaftsverband die damals und auch noch heute für das Münsterland übliche Hohlziegeldeckung mit Längs- und Querschlag in Mörtel verlegt, die den Erbdrostenhof auch schon vor den Kriegswirren sicher vor Witterungseinflüssen von oben schützten.

Sanierung unumgänglich

Genau dieser Schutz ließ mit den Jahrzehnten nach und der Zahn der Zeit nagte an der Hohlziegeldeckung. Im Zuge der Gerüststellung für die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen der Sandsteinfassade wurden auch die Dachflächen überprüft und die Schäden aufgenommen. Die Bestandsaufnahme ergab multiple Mängel der alten Ziegeldeckung wie beispielsweise Risse, Abplatzungen und leichte Feuchteeinwirkungen im Bereich einiger Kehlen. Da das Baugerüst bereits stand und man sich die Kosten für eine spätere Neudeckung der Dachfläche bewusst sparen wollte, kam es 2012 zu einer Ausschreibung durch den LWL. An einer Musterdachfläche im Ehrenhofbereich wurde die Umsetzung der auszuführenden Arbeiten zusammen mit Denkmalpflegern und Bauphysikern in Kooperation mit einem Dachdeckerunternehmen erprobt. Den Zuschlag für die „Probearbeiten“ erhielt die Kleinwechter & Bröker GmbH aus Havixbeck. Geschäftsführer Bastian Kleinwechter: „Der Auftrag war so ungewöhnlich wie das Objekt selbst. Es gab zunächst eine Ausschreibung für die Probedeckung, die wir gewinnen konnten. Dann haben wir mit dem Architekten und dem Denkmalpflegeamt ein Sanierungskonzept erarbeitet – ein Spagat aus Energiesparmaßnahmen und dem Erhalt der historischen Substanz, also kein riesiges Dämmschichtenpaket.“ Das Gesamtpaket überzeugte und der Innungsbetrieb wurde in einer zweiten Ausschreibung mit der Sanierung der gesamten Dachlandschaft beauftragt.

Michael Zenk

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 13.2017

Kommentar verfassen:

captcha