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Keine Not mit der Entwässerung

Speziell die geforderte Notentwässerung lässt sich aufgrund fehlender eindeutiger Regelung bei Umkehrdächern auf den ersten Blick schwer umsetzen. Bei genauer Betrachtung stellen diese Anforderungen jedoch kein Hindernis für Umkehrdächer dar.

Umkehrdächer benötigen fünfzig bis siebzig Prozent weniger Dacheinläufe als herkömmliche Flachdächer. Foto: Jackon

Die bekannte DIN 1986 ist in die europäische Norm DIN EN 12056 Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden überführt worden. Die neue Norm besteht aus insgesamt fünf Teilen. Maßgebend für die Entwässerung von Flachdächern mit Schwerkraftentwässerungsanlagen ist Teil 3 Dachentwässerung, Planung und Bemessung. Die alte Norm DIN 1986 ist nicht mehr gültig, verblieben ist auf nationaler Ebene die Restnorm DIN 1986-100. Sie gilt nur noch als Ergänzung zu DIN EN 12056 und DIN EN 752 und stellt kein eigenständiges Regelwerk mehr dar. In DIN EN 12056-3 sowie in DIN 1986-100 ist die Entwässerung bis zur Gebäudekante geregelt. DIN 1986-100 regelt zusätzlich die Entwässerung bis zur Grundstücksgrenze.

Im Vergleich zur alten DIN 1986 ist nicht mehr eine pauschale Niederschlagsmenge als Bemessungsgrundlage heranzuziehen. Nach den neuen europäischen Vorgaben ist die Niederschlagsmenge unter Einbeziehung der Bemessungsregenspende r(5,5) zu ermitteln. Unter der Bemessungsregenspende r(5,5) wird ein fünfminütiges Regenereignis verstanden, welches statistisch alle fünf Jahre eine Niederschlagsmenge mit sich bringt. Weiterhin ist bei der Bemessung der Flachdachentwässerung die örtliche Jahrhundertregenspende r(5,100) zu berücksichtigen. Unter der Jahrhundertregenspende r(5,100) (Jahrhundertregen) ist ein fünfminütiges Regenereignis zu verstehen, das statistisch einmal in 100 Jahren eine zusätzliche Regenmenge verursacht. Notüberläufe müssen die Wassermassen ableiten, die über der Bemessungsregenspende r(5,5) liegen. In DIN 1986-100 sind Werte von 88 deutschen Großstädten für die Bemessungsregenspende und Jahrhundertregenspende hinterlegt. Der Regenwasserabfluss Q eines Flachdaches berechnet sich nach folgender Gleichung: Q [l/s] = (r(5,5)/10000)*C*A, wobei C für den Abflussbeiwert in Abhängigkeit der Dachoberfläche steht und A die wirksame Dachfläche des Flachdaches angibt.

Besonderheiten beim Umkehrdach

Das Umkehrdach stellt in der Gruppe der nicht belüfteten Flachdächer eine Besonderheit dar, da die Wärmedämmung des Daches außerhalb der Abdichtung liegt und damit der Bewitterung ausgesetzt ist. Derzeit ist in Deutschland nur XPS nach DIN EN 13164 uneingeschränkt als Wärmedämmung für das Umkehrdach geeignet. Die anfallenden Wassermassen werden zu großen Teilen auf der Dämmung in den Regeneinlauf eingeleitet. Bei einem bekiesten Umkehrdach werden auf dieser Ebene bis zu 95 Prozent des Regenwassers abgeleitet. Als wasserführende Schicht wird jedoch die Dachabdichtung angesehen.

Je nach Rauhigkeit und dem Wasserrückhaltevermögen der Auflast oder der Oberflächenausbildung des Umkehrdaches sind verschiedene Abflussbeiwerte zu berücksichtigen. Ein bekiestes Umkehrdach verzögert aufgrund der rauen Oberfläche den unmittelbaren Regenwasserabfluss um fünfzig Prozent, bei einem intensiv begrünten Umkehrdach tritt eine Verzögerung des Regenwasserabflusses von siebzig Prozent ein. Anders ausgedrückt bedeutet dieser Sachverhalt, dass die Anzahl der benötigten Dachabläufe um fünfzig beziehungsweise um siebzig Prozent reduziert wird. Die Unterkante der Notentwässerung muss oberhalb der erforderlichen Druckhöhe für den gewählten Dachablauf liegen. Beispielsweise beträgt bei einem Dacheinlauf (DN 100) die Normanstauhöhe 35 Millimeter. Der Notüberlauf liegt bei diesem Beispiel 35 Millimeter über der Dachabdichtung und somit in der Ebene der Dämmung des Umkehrdaches. Die Folge wäre, dass der Notüberlauf bei jedem Regenereignis anspringen würde, es sei denn die Dämmstoffdicke bliebe unter der Normanstauhöhe des Dachgullys. Derzeit übliche Dämmstoffdicken betragen jedoch über 120 Millimeter, die bei einem Umkehrdach einlagig verlegt werden. Eine sinnvolle Anordnung von Notüberläufen beim Umkehrdach ist somit nicht möglich.

Eine weitläufige Meinung ist, dass auf einen Notüberlauf bei Flachdächern aufgrund der geltenden Normen und der zu erwartenden hohen Aufstauhöhe bei einem Jahrhundertregen nicht verzichtet werden kann. Berechnet man beispielsweise die Aufstauhöhe für Stuttgart bei einem Jahrhundertregen (r(5,100) = 858 l/s*ha), ergibt sich rein rechnerisch eine Aufstauhöhe von 2,6 Zentimeter, dies entspricht einer Flächenbelastung von gerade mal circa 26 Kilogramm pro Quadratmeter. Durchleuchtet man die geltenden Normen und Regelwerke, findet sich mehrmals der Hinweis, dass auf einen Notüberlauf verzichtet werden kann, wenn Vorsorgemaßnahmen (zum Beispiel Statik) getroffen werden. So sagt die DIN 1986-100 unter 5.3.1: Bei planmäßig vorgesehener Regenrückhaltung auf dem Dach kann auf eine Notentwässerung verzichtet werden. Die Dachflächen sind in diesem Fall mindestens bis zur Überflutungshöhe abzudichten. Die aus den Aufstauhöhen resultierenden Lasten sind bei der statischen Bemessung der Dach- und Tragkonstruktion zu berücksichtigen, unter 5.8.2.2 Flachdächer in Massivbauweise müssen die durch Überflutung oder durch planmäßige Rückhaltung von Regenwasser entstehenden Belastungen sicher aufnehmen können. Für den erforderlichen Standsicherheitsnachweis sind dem Tragwerksplaner die zu berücksichtigenden Wasserstände anzugeben. Bei Dächern in Massivbauweise, bei denen Regenwasserrückhaltung planmäßig vorgesehen und statisch nachgewiesen ist, kann auf eine Notentwässerung verzichtet werden und unter 14.9.1 Für Dachflächen, die über keine Notentwässerung verfügen, müssen die auf der Dachfläche zu erwartenden Überflutungshöhen rechnerisch ermittelt und mit dem Tragwerksplaner abgestimmt werden. Bei Neuanlagen ist in diesem Fall für die nach innen abgeführte Entwässerungsanlage ein Überlastungsnachweis bis zu einem Entspannungspunkt (Straßen-, Hofablauf, Schacht mit offenen Durchfluss und Schachtdeckel mit Lüftungsöffnungen, Rückhalteeinrichtungen usw.) durchzuführen, sofern die Nennweite vor diesem Punkt größer wird als DN 150.

Benjamin Breyer


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