Kunstvoll restauriert

Quadratrauten in Schachbrettoptik, Sonderrauten in Form von Biberschwanzziegeln und stilisierten Kreuzen, dreidimensional gekantete Spitzrauten: Auf dem reich verzierten Dach des Igumnov-Haus in Moskau gleicht keine Fläche der anderen. In liebevoller Handarbeit wurden alle Segmente individuell vorgefertigt.

Igumnov-Haus Rheinzink Aufmacher
Nach wechselvoller Geschichte erstrahlt das Igumnov-Haus heute in neuem Glanz. Auf rund 430 m² ver- legten die russischen Klempnerexperten vorbewitterte Titanzinkdeckungen. Fotos: Rheinzink

Das Igumnov-Haus steht im Yakimanka-Distrikt im Herzen Moskaus und ist das Domizil der Französischen Botschaft. Nach umfassender Fassadensanierung und aufwendiger Rekonstruktion der stilvollen Dachdeckung aus Zink zählt das unter Denkmalschutz stehende Gebäude heute zu den Glanzstücken von Moskau. Nach der Oktoberrevolution 1917 ging das Gebäude in staatliches Eigentum über und wurde zunächst für kommunale Einrichtungen genutzt. Ab 1926 diente es unterschiedlichen medizinischen Instituten und ab 1938 der französischen Regierung für diplomatische Zwecke. Die Ernennung zur Französischen Botschaft erfolgte 1979. Obwohl dafür einige Bauarbeiten durchgeführt worden waren, befand sich das Gebäude in einem schlechten Zustand. Die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten startete die Behörde zur Verwaltung staatlicher Botschaftsgebäude allerdings erst 2007.

Rekonstruktion im traditionellen russischen Stil

Ziel der Instandsetzungsarbeiten war die Wiederherstellung der – 110 Jahre zuvor heftig kritisierten – Gestaltung im traditionellen russischen Stil. Als Vorlage für die Restaurierung des Daches und die Wiederherstellung von Schmuckelementen wie First- und Gratleisten, Gaubenfenstern mit Konsolen und Ziergiebeln sowie Dachkämmen dienten alte Fotos und die noch vorhandene historische Zinkdeckung, die bei der Sanierung erhalten bleiben musste. Knapp 2.000 m² Dachfläche wurden damit gedeckt und sämtliche dekorativen Elemente daraus geformt – die fein gestalteten geraden und gebogenen Zierleisten und Turmbekrönungen, die Giebel der Gaubenfenster sowie die kunstvoll verzierten Turmspitzen, Vordächer und Gesimse. Für alle Dachflächen, Ornamente, Schornsteine und die Türme kam vorbewittertes Titanzink in Blaugrau zum Einsatz, größtenteils in Form kunstvoll hergestellter Sonderrauten oder als Tafelmaterial für Zierleisten, Dachkämme. Bei den flacher geneigten Dachflächen setzten die Planer auf Scharen in Doppelstehfalztechnik. Das Titanzink wurde in Coils und in Tafeln nach Moskau geliefert und vom Verarbeiter zugeschnitten und weiterverarbeitet. Mit moderner Lasertechnik wurden zum Beispiel die reich verzierten Ornamentfüllungen aus Tafelmaterial ausgelasert. Alle Rauten wurden aufgrund ihrer spezifischen Form und Dreidimensionalität auf Kantbänken und mit Handzangen und dem Lötkolben hergestellt.

Thomas Bühlmeyer

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 14.2017.

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