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Neue Anforderungen an dichte Dächer
In einer Zeichnung des Comic-Künstlers Tomicek reagieren die Amerikaner auf den Klimawandel mit dem Einbau von Klimaanlagen in ihre Autos. Angesichts der UN-Klimaberichte vom Anfang dieses Jahres vergeht jedoch vielen das Lachen.
In einer Zeichnung des Comic-Künstlers Tomicek reagieren die Amerikaner auf den Klimawandel mit dem Einbau von Klimaanlagen in ihre Autos. Angesichts der UN-Klimaberichte vom Anfang dieses Jahres vergeht jedoch vielen das Lachen. Einen Schritt in die richtige Richtung brachte der G8-Gipfel in Heiligendamm. "Die Auswertung der Daten seit 1901 zeigt", so der Deutsche Wetterdienst (DWD), "dass die Dekade 1990 bis 1999 in Deutschland das wärmste Jahrzehnt des gesamten 20. Jahrhunderts gewesen ist." Knapp 0,9 Grad stieg die Jahresmitteltemperatur seit 1901 in Deutschland an. Der DWD beobachtete an vielen Stationen eine Zunahme von Starkniederschlägen mit mehr als 30 Litern pro Quadratmeter. Die aufgeheizte Erdatmosphäre wird in der Lage sein, mehr Feuchtigkeit aufzunehmen. Dies führt zu häufigeren extremen Wetterereignissen, wie schweren Gewittern oder Hagel. Jetzt heißt es schnell zu handeln. "Der globale Klimazug rollt. Er ist nicht mehr anzuhalten Aber immerhin: Wir sind in der Lage, die Fahrt genau zu beobachten und daraus unsere Schlüsse zu ziehen und zu beraten", so Wolfgang Kusch, Präsident des DWD.
Sorgfältige Planung gefragt
Architekten und Stadtplaner sind dazu aufgerufen, ihre Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Fahrt des "Klimazuges" zu verlangsamen. Die Einführung des Energiepasses ist eine Möglichkeit, den Blick auf den Energieverbrauch eines einzelnen Gebäudes zu lenken. Denn vor der Energiegewinnung aus natürlichen Ressourcen, wie beispielsweise Solarenergie, steht die Reduzierung des Energieverbrauchs. Undichte Fenster- und Türfugen sollten abgedichtet oder ganze Fenster ausgetauscht, die gesamte Gebäudehülle gedämmt und sparsamere Heiztechnik genutzt werden. Die neueste Generation Fensterverglasung hat einen besseren Wärmedurchgangskoeffizienten und die im Scheibeninnenraum angebrachte Folie sorgt dafür, dass sich der dahinter liegende Raum nicht so stark aufheizt. Im Zuge der Verbesserung der Dachdämmung ist auch die Eindeckung bzw. Abdichtung zu prüfen. Bei Flachdächern schützt eine gute Abdichtung mit hochwertigen, mehrlagig verlegten Polymerbitumen- und Bitumenbahnen nachhaltig und langzeitsicher vor Stürmen, Hagel und Starkregen. Hinterlassen Hagelkörner auf manchen Autodächern eine regelrechte Dellenlandschaft, halten Bitumenbahnen dieser mechanischen Extrembelastung sicher stand. Die großen Temperaturschwankungen von bis zu 100°C, die bei sommerlichen Gewittern mit Hagelschauern auftreten können, stellen ebenfalls kein Problem dar. Gleich dreifachen Nutzen bietet das begrünte Flachdach, mit dem Schutz der Dachhaut, den ökologischen Aspekten und der Freude am Grün.
Erst nach Beseitigung aller "Energielöcher" des Hauses ist es sinnvoll, an weitere klimarelevante Verbesserungen zu denken, wie an eine Anlage zur Abluftwärme-Rückgewinnung oder die Nutzung von Sonnenenergie. Um sinnvolle Maßnahmen durchzuführen ist die Zusammenarbeit von Städteplanern und Architekten gefragt. "In den Städten muss man künftig auch aufgrund der Temperaturerhöhung mit einem stärkeren Wärmeinseleffekt rechnen", führt der DWD an. Städteplaner können dem entgegenwirken, indem sie Frischluftschneisen einplanen und für mehr Grünzonen im Stadtgebiet sorgen. Neben Bäumen ist dies durch begrünte Dächer und Straßenbahngleise möglich. Architekten sorgen für eine Reduktion von Wärmeinseln, indem sie, neben den bereits genannten Maßnahmen, bei der Planung auf eine Verschattung der Fußwege und den Einsatz von Baumaterialien achten, die eine Aufheizung der Gebäude im Sommer verhindern. Eine umweltgerechte Gebäudeklimatisierung sollte mit dem Einsatz von Fernwärme oder Solarenergie als Energiequelle für die Kältemaschinen erfolgen. Brauchwasser lässt sich für die Kühlung verwenden.
Vorbildliche Landesbank Baden-Württemberg
Neben Architekten und Städteplanern ist die Politik gefragt. Stuttgart beispielsweise fördert seit fast 20 Jahren Dachbegrünungen im Stadtgebiet und erarbeitet bereits 1997 das Klimaschutzkonzept "KLIKS". Eine Besonderheit des Stuttgarter Klimaschutzkonzeptes liegt dabei in der gleichwertigen Behandlung des Verkehrssektors. Man analysierte die CO2-Emissionen und entwickelte Umweltentlastungsstrategien mit spezifischen Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen. Diesen Maßnahmen stellte sich auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und geht mit gutem Beispiel voran. 19.000 qm umfasst die extensiv und intensiv begrünte Dachfläche des Bestandsgebäudes von 1994. 8000 qm Gründach mit einer durchwurzelungsfesten Abdichtung aus Bitumenbahnen kamen 2004 durch den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes mit einem gläsernen, 70 m hohen Turm hinzu. Für die Gebäudetechnik entwickelte man innovative Lösungen, die ökologisch und wirtschaftlich optimiert sind. Die Klimaanlagen aus Tomiceks Zeichnung waren da nicht erwünscht.
