"Unsere Arbeitsplätze sind sicher"

Anfang des Jahres hat bei der Bamberger Vedag GmbH ein neuer Geschäftsführer seinen Posten angetreten. Im Interview sprach Michael Thomé über die Wirtschaftskrise, Vedags Produktentwicklungen und verbesserte Arbeitsbedingungen für junge Mütter.

Anfang des Jahres hat bei der Bamberger Vedag GmbH ein neuer Geschäftsführer seinen Posten angetreten. Im Interview sprach Michael Thomé über die Wirtschaftskrise, Vedags Produktentwicklungen und verbesserte Arbeitsbedingungen für junge Mütter.
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Anfang des Jahres hat bei der Bamberger Vedag GmbH ein neuer Geschäftsführer seinen Posten angetreten: Michael Thomé.

Herr Thomé, wo steht Vedag heute?

Wir beschäftigen derzeit im Schnitt 240 Mitarbeiter in Produktion, Verwaltung und Vertrieb, davon etwa 140 am Standort Bamberg. Wir sind ein Unternehmen der dänischen Icopal-Gruppe, des größten Herstellers von Bitumenbahnen weltweit und eines der führenden Dachbaustoff-Produzenten in Europa. Das sind Ressourcen, besonders in Bereich Technologie, Forschung und Produktsysteme, auf die keiner unserer heutigen Mitbewerber zurückgreifen kann.

Wie kamen Sie zum Geschäftsführerposten bei Vedag?

Bildlich gesprochen, wie die Jungfrau zum Kinde. Ich liebte Technik und Naturwissenschaften schon immer und kam über die Chemie zur Verfahrenstechnik, in der ich auch meinen Abschluss gemacht habe. In den Unternehmen, in denen ich bisher tätig war, kamen zu Funktionen in Entwicklung und Produktion immer mehr Aufgaben im Projektmanagement hinzu und schließlich Posten in der Geschäftsführung. Über 20 Jahre arbeitete ich bei Unternehmen, die Bau- oder bauverwandte Produkte herstellen. Als der ehemalige Geschäftsführer Georg Khevenhüller mir den Posten bei Vedag anbot, fiel die Entscheidung sehr schnell.

Welche Waffen nutzen Sie im Kampf mit der Wirtschaftskrise?

Ein entscheidender Schritt war, dass wir uns zu einem Komplettanbieter für Systeme zur Flachdachabdichtung entwickelt haben. "Alles aus einer Hand" ist heute ein beliebtes Schlagwort, weil man in der Vielfalt des Angebots als Kunde leicht die Übersicht verliert. Mit unserer neuen Flüssigabdichtung können wir jetzt alles liefern, was man für ein Flachdach braucht.

Ein weiterer Aspekt war, dass wir bei der Produktentwicklung nicht den Markt kopiert haben, womit wir austauschbar gewesen wären. Stattdessen haben wir eigene Maßstäbe gesetzt, was Qualität, Arbeitsschutz und Umweltverträglichkeit anbelangt. Diesen Weg, also innovative Produkte zu erfinden, werden wir konsequent weitergehen.

So ein Amt in der derzeitigen Wirtschaftsflaute anzutreten, bringt doch aber sicher Schwierigkeiten mit sich?

Momentan leiden sehr viele Firmen unverschuldet unter der Krise und es besteht die Gefahr, dass wir das Schlimmste noch nicht hinter uns haben. Auch unser Markt ist krisengebeutelt, die Flächen im Dach sind zuletzt noch mal um zehn Prozent zurückgegangen. Wir selbst haben recht früh Maßnahmen ergriffen, um einem Einbruch unserer Geschäfte vorzubeugen. Dass wir trotz aller Probleme immer noch sehr gut dastehen, verdanken wir zum größten Teil der harten Arbeit der ganzen Belegschaft. Ein Unternehmen ist letzten Endes nur eine Organisationsform, den wahren Wert stellen die Menschen dar, die darin arbeiten. Deshalb ist es mir sehr wichtig, das Arbeitsumfeld und die Zukunftschancen unserer "Vedagianer" ständig zu verbessern. Gerade jetzt müssen Unternehmen Sicherheit und Vertrauen schaffen, für die Mitarbeiter ebenso wie für die Kunden, das ist die Basis für eine echte Partnerschaft. Das wichtigste ist aber unser ältestes, seit 160 Jahren bewährtes Produkt, unser Service. Jeder Unternehmer weiß, dass Geschäfte zwischen Menschen gemacht werden, deshalb wird dieses Produkt bei uns nie sterben.

"Sehr gut dastehen" was bedeutet das konkret?

2009 lief gut. Wir konnten alle unsere Umsatz- und Ergebnisziele erreichen.

Sie wollen mehr Sicherheit für Ihre Mitarbeiter meinen Sie damit Arbeitsplatzsicherheit?

Ja, natürlich. Vor meiner Zeit wurden bedingt durch einen Firmenumzug fünf Stellen in Frankfurt gestrichen. In diesem Jahr wurde aber keinen weiteren Mitarbeitern gekündigt. Für das nächste Jahr planen wir, neue Mitarbeiter in den Bereichen Key Account Manager, Produktmanager und Außendienst einzustellen. Dadurch wollen wir unseren zentralen Service ausbauen, zusätzlich zu den regionalen Betreuern.

Mit welchen Maßnahmen wollen Sie konkret das Arbeitsumfeld der Vedagianer verbessern?

Zum einen ist es so, dass ich meiner Karriere oft beobachtet habe, wie schwierig es für junge Mütter nach dem Mutterschutz ist, wieder in den Beruf zu kommen. Zu den normalen Bedingungen der Arbeitgeber können sie mit einem Neugeborenen zu Hause einfach nicht arbeiten. Einige Unternehmen legen den Frauen richtige Steine in den Weg. Ich möchte, dass es bei Vedag anders ist. Wir wollen flexible Modelle schaffen, die auf das Leben von jungen Eltern in einem realistischen Maß Rücksicht nimmt und nicht nur die Bedingungen der Firma in den Vordergrund stellt denn diese Frauen wollen arbeiten, sind hoch motiviert. Es wäre sehr unklug von uns, auf ihre Leistung zu verzichten. Zudem haben wir im Moment noch keine einheitliche Regelung von flexiblen Arbeitszeiten. Die möchte ich aber einführen, und zwar so, dass es für alle Mitarbeiter transparent und gerecht zugeht.

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