1/2015: Verhaltene Erwartung

Nach einem witterungsbedingt etwas schwächeren 1. Quartal blicken die Dachdecker insgesamt positiv auf das Jahr. Die niedrige Investitionsbereitschaft zeigt jedoch – eine gewisse Skepsis bleibt.

ZDH_Konjunkturbarometer_Geschäftslage
Die Beurteilung der Geschäftslage nach Schulnoten.

Mit einer positiven Überraschung konnten die Experten der Wirtschaftswissenschaften aufwarten. Noch im vergangenen Herbst waren die Konjunkturforschungsinstitute in ihrer Gemeinschaftsprognose von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,2 % ausgegangen. Am Ende des Frühjahrs dann die Korrektur: Die Ökonomen hoben ihre Prognose auf 2,1 % und für 2016 auf 1,8 % an. Die Bundesregierung gab sich darauf geringfügig zurückhaltender mit jeweils 1,8 %. Dennoch eine deutliche Korrektur, die in der Darstellung der Institute interessanterweise nicht auf den „klassischen“ Aufschwungsfaktoren Investitionen und Ausfuhr fußt. Stattdessen stellten die ­Institute den weiter steigenden Inlandskonsum als Haupttriebkraft des Aufschwungs in den Mittelpunkt. Dies leiteten die Forscher unter anderem aus den gestiegenen Einzelhandelsumsätzen zu Jahresbeginn ab. Eine für die Nachfrage von Dachdeckerleistungen wirksamere Entwicklung betrifft die Empfehlung der Institute, wie mit den wachsenden Haushaltsüberschüssen umzugehen sei.

Abspecken für den Mittelstandsbauch?

Dieser Trend beschränkt sich nicht auf die untersten Gehaltsklassen, die von der Einführung des Mindestlohns profitiert haben. Weitaus wirksamer ist die nach wie vor geringe Inflationsquote, die in Kombination mit jüngsten Tarifabschlüssen für ein deutliches Plus im Geldbeutel sorgt. Im Ergebnis legten von Januar bis März 2015 die Reallöhne um durchschnittliche 2,5 % zu, „dies war der höchste Anstieg seit Beginn der Statistik“, teilte das Statistische Bundesamt Ende Juni mit. Auf die Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen setzt auch die Bauindustrie mit ihrer insgesamt verhalten optimistischen Prognose. Das schwächere 1. Quartal 2015 im Bauhauptgewerbe führt die Deutsche Bauindustrie vor allem auf die im Vergleich zum Vorjahr schlechtere Witterung zurück. Treiber der Entwicklung bleibe auch 2015 der Wohnungsbau mit einem Umsatzwachstum von 3 %, teilte Präsident Prof. Thomas Bauer anlässlich der Jahrespressekonferenz des Verbandes mit. Im Wirtschaftsbau und im Öffentlichen Bau geht man von einem Plus von 1,5 % aus.

Bedarfslücke im Wohnungsneubau

ZDH_Konjunkturbarometer_Geschäftsaussichten
Die Beurteilung der Geschäftsaussichten nach Schulnoten.

Für den Wohnungsneubau verwies Bauer auf die weiterhin bestehende Lücke zwischen Bedarf und Angebot: 255.000 Wohnungsfertigstellungen im Jahr 2015 würden nicht reichen, so Bauer, um den aufgrund von anhaltender Zuwanderung und demografischen Wandel hin zu immer kleineren Wohneinheiten steigenden Bedarf von rund 300.000 Einheiten zu decken. Bauer forderte in diesem Zusammenhang den Verzicht auf eine weitere Verschärfung der Energieeinsparverordnung (EnEV), die laut Verband allein für ein Fünftel der Kostensteigerung der vergangenen 15 Jahre verantwortlich gewesen sei.

Malte von Lüttichau

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 15.2015.

Letzte Aktualisierung: 19.08.2015