4 Unternehmen, 4 Geschichten: Ein Stimmungsbild in Zeiten der Corona-Pandemie

Anke Maske, Geschäftsführerin des Landesinnungsverbands des Dachdeckerhandwerks Brandenburg, besuchte 4 Innungsbetriebe in Brandenburg, um ein Stimmungsbild in Zeiten der Corona-Pandemie und deren Folgen einzuholen.

Dachdeckermeister Rico Tauchert und Anke Maske
Dachdeckermeister Rico Tauchert und Anke Maske, Geschäftsführerin Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks Brandenburg. Fotos: LIV Brandenburg

Die Uckermark war das erste Ziel. Der Landkreis Uckermark liegt im äußersten Nordosten des Landes Brandenburg an der Grenze zur Republik Polen. Das Gebiet des Landkreises deckt den überwiegenden Teil der seenreichen Region Uckermark ab. Bis September 2011 war er mit 3058 km² der nach Fläche größte Landkreis in Deutschland. Heute leben in der Uckermark 119.500 Einwohner, ein sehr dünnbesiedelter Landkreis. Die Kreishandwerkerschaft Uckermark sitzt in der Kreisstadt Prenzlau, welche Verwaltungssitz des nordbrandenburgischen Landkreises ist. Hier im Landkreis Uckermark sind 9 Dachdeckerhandwerksunternehmen unterschiedlichster Ausrichtung Mitglied der Dachdeckerinnung Uckermark.

Besucht haben wir in der ersten Maiwoche die Bauklempnerei & Dachdeckerei Tauchert GmbH


Die Uckermark hat seit Ausbruch der Corona-Pandemie 36 Covid-19-Erkrankungsfälle. Bei dem Besuch Anfang Mai in Prenzlau war also klar, dass im Norden Brandenburgs der Virus kaum spürbar ist. Die notwendigen Regelungen der Bundes- und Landesregierung mussten trotzdem durchgesetzt werden.
 
Anke Maske, Geschäftsführerin des Landesinnungsverbandes des Dachdeckerhandwerks Brandenburg, freute sich über den herzlichen Empfang. Das Büro von Rico Tauchert schmückt sehr viel Urkunden und Zertifikate. Besonderes Augenmerk ist der Meisterbrief, der dem Besucher gleich ins Auge fällt. Auf die Frage, warum Rico Tauchert die Meisterausbildung in Lüneburg gemacht hat, antwortet Tauchert: „In Lüneburg konnte ich die Meisterausbildung in Vollzeit machen. Leider wird in Brandenburg die Ausbildung zum Meister in Vollzeit wenig, wenn gar nicht angeboten.
 
Im Gespräch berichtet Rico Tauchert, dass es in der Familie oder im Unternehmen keinerlei Ausfälle aufgrund der Infektion mit dem Coronavirus gäbe. Deshalb waren im Unternehmen auch keine Ausfälle zu kompensieren. Weiter berichtete Tauchert, dass es doch einige Einschränkungen gab. Die Kunden haben sich sehr zurückhaltend gezeigt, Aufträge wurde abgesagt. Der Umsatzrückgang im April gegenüber dem Vorjahr betrüge 50 %, deshalb musste man Kurzarbeit anmelden. Durch die letzten guten Jahre, die wir im Dachdeckerhandwerk hatten, so Tauchert, konnten wir einige Rücklagen bilden, die uns vielleicht 4 Wochen über Wasser halten. Danach muss es weitergehen. Die angesammelten Überstunden und Urlaubstage werden nach und nach durch die Kollegen aufgebraucht. Sollte es Ende Mai kein positives Signal geben, müssen meine Jungs in Kurzarbeit, so Rico Tauchert. Zu 95 % arbeitet Rico Tauchert in der Region und bei privaten Auftraggebern. Auf die Frage warum sagte Tauchert, dass die Bürokratie zu viel Raum der angebotenen Ausschreibung einnimmt. Der Aufwand spiegelt nicht den Ertrag und somit ist es nicht lukrativ. Vom letzten Jahr sind kleine Rückstellungen an Aufträgen abzuarbeiten, sodass man vorausschauend noch 4 Wochen planen kann.
 
Der Auftragsstau im Handwerk wurde Anfang des Jahres noch mit schwerer Brust bemängelt. Doch hier kann man noch für 4-6 Wochen mit Aufträgen planen, weiter ist es nicht möglich. Die großen Aufträge aus dem Bereich der öffentlichen Hand werden zurückgestellt. Bei den Privatkunden ist die Verunsicherung groß, auf Investition wird auch hier verzichtet. Was die Zukunft bringt ist eher ungewiss. Das Verhalten der Menschen werde sich verändern, Zukunftsängste werden geschürt und der Egoismus kommt wieder zum Vorschein. Die Konsumfreudigkeit bei der Bevölkerung wird zurückgehen. Schwarz sehe man für die Zukunft nicht, aber die Besonnenheit und das Bauchgefühl werden eine tragende Rolle spielen. Am Schluss des Gespräches bedankte sich Dachdeckermeister Tauchert beim Verband für die aktuelle und schnelle Informationspolitik. Dies sei eine wichtige Hilfestellung bei der Bewältigung derzeitiger Aufgaben.

Tag 2 Besuch des Dachdeckertraditionsunternehmens Frank Nachtigall aus Fürstenwalde

Der zweite Tag unserer Rundreise führte in den Osten des Landes. Gemessen am Alter eines Menschen ist der Landkreis Oder-Spree ein junger Erwachsener. Im Dezember 1993 wurde der östlich an Berlin grenzende Landkreis gebildet. Die Kreisstadt ist Beeskow. Zwischen der Bundeshauptstadt Berlin und der deutschpolnischen Grenze entlang von Oder und Neiße gelegen, zeichnet sich der Landkreis Oder-Spree durch attraktive Standortbedingungen für die Gründung und das Wachstum von Unternehmen, ebenso wie für Neuansiedlungen aus.
 
Standortmäßig hat es Frank Nachtigall gut getroffen. Direkt neben dem Dachdecker1kauf Ost Fürstenwalde liegt sein Firmensitz. „Besser geht es nicht“, sagte Frank Nachtigall. „Meine Wege für Materiallieferungen sind sehr kurz und schnell!“ Direkt betroffen von den Auswirkungen des Virus ist das Unternehmen mit den 6 Mitarbeitern nicht. Keine Ausfälle und somit braucht die Mannschaft auch nicht überlegen, wie sie die Ausfälle kompensieren. Auf die Frage, ob sie denn ohne Einschränkungen arbeiten können kommt ein klares „JA“. Natürlich sind die Zurückhaltungen und die Verschiebungen von Aufträgen zu spüren, so Nachtigall. Nachteilig sei die schlechte Besetzung in den Behörden. Die Genehmigungen von Verkehrseinschränkungen, Parkplätzen oder nur die Freigabe für die Bebauung von öffentlichem Grund ist mühsam. Auf die Frage nach Rücklagen für Krisenzeiten kommt eine nachdenkliche Stirn. „Als Dachdecker kommen wir
von der Winterpause in die Frühjahrsphase. Da sind schnell Rücklagen aufgebraucht, wenn die Arbeit sich verlangsamt. Die angebotenen Fördermittel und die vorbehaltliche Anzeige von Kurzarbeit wurden von uns beantragt. Dies aber nur als Vorsichtsmaßnahme“, so Nachtigall.
 
Sorge muss sich das Unternehmen noch nicht machen, denn für die kommenden 3 Monate ist noch Arbeit da. Als Traditionsbetrieb arbeitet Nachtigall vorrangig auf Empfehlung und für private Haushalte. Das sind zuverlässige Kunden, die Handwerksarbeit noch schätzen. Die Arbeit mit Kommunen oder öffentlichen Auftraggebern ist gering, da die Handwerksarbeit nicht belohnt wird. Den Preiskampf und die Bürokratie lehnt er ab. Auswirkungen nach der Krise befürchtet auch Nachtigall. Die Zurückhaltung der Gelder und das Verhalten zum Konsum wird sich ändern. Die Kunden werden erstmal wieder in die „Warteschleife“ gehen. Optimistisch blickt Frank Nachtigall auf die Großprojekte Tesla und BER. Wenn wir hier gute Wirtschaftspolitik machen kommt es allen zu Gute, so Nachtigall.
 
Zum Abschluss bedankte sich Frank Nachtigall bei den Mitarbeitern des Verbandes. So gute und strukturierte Informationspolitik im Rahmen der Krisenbewältigung gab es noch nie. Das ist vorbildlich und zeigt, dass sich Innungsmitgliedschaft einmal mehr lohnt.  

Station 3 ist der Fläming im Süden Brandenburgs – Fricke-Dach-Bau GmbH Wiesenhagen

Der dritte Tag führte in den schönen Fläming. Die Region weist eine lange und wechselvolle Geschichte auf, die noch heute das Bild vieler Städte und Dörfer prägt. Im Zuge der mittelalterlichen deutschen Ostsiedlung wurden in dem Gebiet, das seit der Völkerwanderungszeit von Slawen bewohnt war, Siedler aus Gebieten westlich von Elbe und Saale sesshaft. Darunter sollen sich auch Flamen (Fläming!) befunden haben.
 
Mit knapp 170.000 Einwohner ist der Landkreis die zweit dichtbesiedelte Region in Brandenburg. Dennoch konnte die Ausbreitung der Pandemie im Landkreis gut unter Kontrolle gehalten werden.
Im Süden Brandenburgs ging es nach Wiesenhagen. Dachdeckermeister Uwe Fricke empfing uns in seinem Unternehmen und stand uns Rede und Antwort. Wenn wir Uwe Fricke fragen ob er, seine Familie oder Mitarbeiter vom Coronavirus betroffen sind, so kommt ein klares „Nein“. "Zum Glück können wir hier auf alle unsere Kollegen zurückgreifen. Die einzigen Einschränkungen sind die gesundheitstechnischen Maßnahmen zur Vorsorge der Mitarbeiter", berichtet Uwe Fricke.
 
Es ist ruhig auf dem Firmengelände, denn alle seine Mitarbeiter sind auf Baustellen verteilt. Das Unternehmen bedient zu 70% öffentliche Auftraggeber. „Oftmals sind wir die Einzigen, die sich an der Ausschreibung beteiligen. Meine Schwester hat sich sehr mit der Thematik der digitalen Ausschreibung befasst und viel Zeit investiert. Jetzt ist es für uns kein Problem und die Preispolitik lässt den Kommunen manchmal keine Wahl. Einschränkungen sind dadurch auch kein Thema. Durch die Schließung bzw. Stilllegung einzelner Bereiche können wir ungestört arbeiten. Kein Publikumsverkehr bedeutet weniger aufwendige Schutzmaßnahmen. Durch die milden Winter und die gute Auftragslage befinden wir uns in der Situation auf Aufträge bis zu 3 Monaten zurückzugreifen,", so Fricke.
 
Es ist eine besondere Atmosphäre bei Uwe Fricke. Die Gelassenheit und Freude lassen erahnen, wie zufrieden das Unternehmen ist. Es fliegt einem nichts zu, sagt Fricke. Das Vertrauen in die hochwertige Arbeit, das Zusammenspiel mit den Behörden, den Händlern und die gute Innungsarbeit lässt uns positiv in die Zukunft blicken, so Fricke. Einige Stirnfalten zeigen sich bei dem Thema öffentliche Hilfen. „Wir brauchen keine Hilfen in Anspruch nehmen, weder Kurzarbeit noch Zuschüsse. Ich arbeite nicht mit dem Geld von morgen. Eine gesunde Haushaltsführung und Investitionspolitik geben mir diese Freiräume, sagt Uwe Fricke.

Station 4 ist das berühmte Havelland

Zum Ende der Tour durch Brandenburg geht es ins Havelland. Das Havelland ist nicht nur durch seinen berühmten Reisenden, Theodor Fontane, bekannt, sondern auch sehr beliebt bei Freizeitmatrosen durch seine zahlreichen Seen.
 
Mit mehr als 160.000 Einwohnern ist es der dichtbesiedelte Landkreis in Brandenburg. Dort kann man die eindrucksvolle Kombination von rund 55 km² Wasser, 430 km² Wald und einer Fläche von 190 km² Naturschutzgebiet erleben. Im Havelland ist für jeden Geschmack etwas dabei: Malerische Landschaften, geprägt durch die Havel, dem Fluss, der diesem Landstrich seinen Namen und unverwechselbaren Charakter gab. Durch die Auen und entlang der Felder führte uns der Weg nach Saaringen. Ein kleines Dorf nahe der Stadt Brandenburg. Dachdeckermeister Jan-Pierre Agthen empfing uns herzlich und doch ein wenig aufgeregt. Grund ist der Umbau seines Hauses. Mitten in der Umbauphase kommt die Krise nicht gut. Dennoch ist Agthen sehr zufrieden, denn sein Auftragsbuch ist gut gefüllt.
 
Mit einem Kaffee in der Hand beantwortet Agthen die Fragen rund um die Krise. Auch hier gibt es keine Ausfälle. Ein Kollege musste für einige Zeit die flexible Arbeitszeit nutzen, da die Betreuung der Kinder nicht durch Kita und Schule erfolgte. Doch in einem Familienbetreib sind kurze Wege von Absprache bis Umsetzung. Dadurch war der Ausfall merklich klein. Einschränkungen in den letzten Wochen gäbe es schon, so Agthen. Verzögerung von Materiallieferungen oder Lieferstopp, weil der Produzent im Ausland ansässig ist, dadurch kommen die Zeitabläufe durcheinander und die Planung gerät in Verzug. Durch die Unsicherheit wurde vorsorglich die Anzeige auf Kurzarbeit gestellt. Auf die Frage nach der prozentualen Verteilung der Auftraggeber antwortete Agthen: “Die Privatkunden sind bei der Gestaltung unserer Bauverträge umgänglicher und weniger bürokratisch. Deshalb habe mich ausschließlich für den privaten Markt entschieden. Es kommt schon mal vor, dass ich auch an einer Ausschreibung teilnehme, doch eher selten und nur, weil ein Architekt mich empfohlen hat.“ Gesellschaftliche Auswirkungen nach Überwinden der Pandemie sieht Agthen in der Zurückhaltung des Konsumverhaltens. Viele Kunden sind unsicher, wann und ob sie noch öfter in eine Krise rutschen. Es gibt aber auch Kunden, die die abgesagten Ferienreisen in längst aufgeschobene Sanierungen stecken. Wir werden es nicht wissen, so Agthen, aber wir müssen vorsichtig sein.
 
Auf die Frage, ob er sich vom Verband gut informiert gefühlt hat, sagte Agthen: „Es gibt unglaublich viele Menschen, die durch Erzählungen Unwahrheiten weitergeben. Durch die aktuelle und gut strukturierte Nachrichtenpolitik des Verbandes konnte ich sachbezogen immer aufklären oder gegenhalten. Das kam in meiner Familie gut an.“



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Anke Maske  

Letzte Aktualisierung: 28.05.2020