Abschied von Hans-Joachim Müssig

Der ehemalige Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks, Hans-Joachim Müssig, ist am 23. Dezember 2018 im Alter von 84 Jahren gestorben. Er hat über 30 Jahre als hauptamtlicher Koordinator die Interessenvertretung der handwerklichen Berufsorganisation auf nationaler und internationaler Ebene maßgeblich mitbestimmt.

Hans-Joachim Müssig
Hans-Joachim Müssig ist im Dezember verstorben. Foto: DDH

In seiner Zeit als ZVDH-Hauptgeschäftsführer von 1967 bis 1999 war er verantwortlich für den Aufbau der Verbandsgeschäftsstelle in Köln. Weiterhin war er Vorstandsmitglied der Lohnausgleichskasse für das Dachdeckerhandwerk sowie Aufsichtsratsmitglied der Zusatzversorgungskasse des Dachdeckerhandwerks. Viele Jahre war er ebenfalls als Schriftleiter der Verbandszeitschrift DDH Das Dachdecker-Handwerk tätig; hier kam auch seine Neigung zum Journalismus zum Tragen, denn schon als Schüler war er nebenbei als Lokalreporter für verschiedene Tageszeitungen tätig. Als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bundesbildungszentrums in Mayen sowie Mitbegründer des Berufsbildungswerks (BBW) wirkte Hans-Joachim Müssig in seiner Amtszeit beim Neubau eines Verwaltungs- und Schulgebäudes in Mayen mit. Auch der Erwerb des Kölner Verbandshauses 1978 ist auf seine Initiative zurückzuführen. Weitere Neuerungen unter seiner Ägide waren die Einrichtung der Informations- und Beratungsstellen sowie einer Rechtsabteilung im ZVDH. Besonders zu erwähnen ist zudem sein Erfolg, eine Industrieschau so aus- und aufzubauen, dass sie heute zu einer weltweit beachteten Messe geworden ist: die DACH+HOLZ International. Durch die von ihm gegründete D+W-Service-GmbH als Wirtschaftsgesellschaft des ZVDH begann eine bis heute andauernde Serie von Marketing- und PR-Maßnahmen, um das Image des Dachdeckerhandwerks zu verbessern. Dazu gehörte auch eine Nachwuchsstrategie, die sehr erfolgreich war und ab 1995 zu steigenden Lehrlingszahlen führte.

Schon allein diese Leistungen beweisen einen unerschöpflichen Arbeitseifer und überdurchschnittlichen Einsatz. Aber auch in übergeordneten Gremien wie beispielsweise in der Ausschussarbeit beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) oder als Generalsekretär der Internationalen Föderation des Dachdeckerhandwerks (IFD) trug sein Wirken Früchte. Hans-Joachim Müssig leistete in diesem Amt von 1974 bis 1994 einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung der IFD und hatte großen Anteil daran, dass Dachdecker aus der ganzen Welt zusammenkamen und bis heute zusammenkommen.

Angesichts der Fülle seines bis heute spürbaren Schaffens verwundert auch die Vielzahl der Auszeichnungen nicht: 1970 wurde ihm die Ehrennadel mit Eichenlaub verliehen, 1974 folgte die Goldene Ehrennadel des Dachdeckerhandwerks und mit der Sonderstufe der Goldenen Ehrennadel des Dachdeckerhandwerks erhielt er 1999 die höchste zu vergebende Auszeichnung. 1982 freute sich Hans-Joachim Müssig über das Goldene Handwerkszeichen des ZDH; die IFD würdigte seine Leistung 1983 mit der Verleihung der IFD-Ehrennadel.

Eine besondere Ehrung wurde Hans-Joachim Müssig im Jahr 2001 zuteil, als der damalige Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse überreichte. Der zu dieser Zeit amtierende Bundespräsident Johannes Rau würdigte in der Begründung zur Ordensverleihung die jahrzehntelange erfolgreiche haupt- und ehrenamtliche Geschäftsführertätigkeit von Hans-Joachim Müssig im Verbandswesen der Bauindustrie, des Gesamthandwerks und seit 1967 vor allem des Dachdeckerhandwerks. Besonders betont wurden die herausragenden Verdienste in der Berufsbildung, dem Messewesen und in der internationalen Zusammenarbeit sowie ein fachübergreifendes starkes öffentliches Engagement für das Handwerk bei der Wiedervereinigung Deutschlands.

Auch nach seiner Verabschiedung in den wohlverdienten Ruhestand im Dezember 1999 blieb Hans-Joachim Müssig weiter aktiv und schuf mit einem fast 300-seitigem Werk „Der lange Weg des Dachdeckerhandwerks in das 21. Jahrhundert“ eine umfassende historisch-soziologische Studie zur Entwicklung des Dachdeckerberufs seit 1949. Das deutsche Dachdeckerhandwerk verliert eine herausragende Persönlichkeit, die wie kaum ein anderer die Arbeit der Berufsorganisation über die Grenzen hinweg geprägt hat.

Letzte Aktualisierung: 11.01.2019