Abwarten reicht nicht mehr

Weil die Zahl der Schulabgänger sinkt, werden Auszubildende knapp. Hinzu kommen steigende Anforderungen, von technischen Kenntnissen über Sozialverhalten bis zur Kommunikationsfähigkeit. Die Folge: Genügend und vor allem qualifizierte Bewerber findet nur noch, wer sich rührt.

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Gute Azubis zu finden wird immer schwieriger. Betriebe müssen sich mit kreativen Ideen auf die Suche machen. Foto: Küpper Bedachungen

Es ist bereits das dritte Jahr in Folge, dass Felix Müller (Name von der Redaktion geändert) keinen Lehrling hat. "Wir haben in all den Jahren nur eine einzige Bewerbung bekommen und die war so katastrophal, dass ich dem jungen Mann absagen musste", sagt der 48-Jährige, der im Westfälischen einen Familienbetrieb mit acht Mitarbeitern führt. Auch vereinzelte Kontakte zu Innung und ortsansässigen Schulen führten nicht weiter und zum Nachfassen und Dranbleiben fehlen dem Handwerker im ländlichen Raum Energie und Zeit.

Wie Müller geht es vielen. Die Folge: Nur jede dritte Lehrstelle wird besetzt. Hinzu kommt, dass erfahrungsgemäß jeder zweite Bewerber seine Ausbildung abbricht. Der Grund: hohe fachliche und schulische Anforderungen, denen die Schulabgänger mit oft schwachen Zeugnissen nicht gewachsen sind. Bessere dagegen springen bei nächstbester Gelegenheit ab und wechseln die Branche, wo sie nicht bei Wind und Wetter körperlich so hart arbeiten müssen. Drogen-, Spielsucht und andere persönliche oder charakterliche Mängel sind weitere Ursachen, dass Lehrverhältnisse zerbrechen.

"Unsere Branche hat bei vielen Jugendlichen ein Imageproblem und ist von Einzelkämpfern geprägt, von denen jeder schaut, wie er selbst seine Probleme irgendwie löst", sagt ein norddeutscher Ausbilder, der lieber anonym bleibt. Auch aufwendige Kampagnen nach dem Vorbild der Industrie wie etwa der Dachdecker-Truck auf öffentlichen Plätzen und bei Großveranstaltungen als Blickfang - konnten nicht verhindern, dass die Zahl der neu eingestellten Lehrlinge zuletzt rückläufig war (siehe DDH 4.2013, Seite 34).

Eine Alternative zu breit angelegten Imagekampagnen sind eigene Initiativen, die sich bei Kollegen bewährt haben und die sich nach einem Checklisten-Prinzip auf Betriebe in anderen Kommunen und Innungen übertragen lassen. Ludger Küpper, Inhaber der Dach Werkstatt Küpper in Salach und Vorstandsmitglied der Innung Region Stuttgart, denkt etwa über Schülerwochenenden mit Abenteuercharakter im Freien nach, bei denen seine Lehrlinge am Lagerfeuer den Schülern über den Beruf und seine Ausbildungsinhalte berichten. Bewerben könne man solche Events über örtliche Schulen, Vereine, Kirchengemeinden oder das Jugendhaus am Ort. Und wer Gefallen an dem Wochenende findet, könne anschließend ein Praktikum machen, sagt Küpper, der früher selbst kirchlicher Jugendleiter war.

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Ideen aus anderen Branchen: Der Elektrotechnikspezialist Heldele aus Salach hat eine Stiftung ins Leben gerufen und kooperiert mit 14 Realschulen. Foto: G. Hofer/SchwabenPress

Jeder 5. Praktikant bleibt

Auch sein Betrieb mit 33 Mitarbeitern leidet unter zu wenigen Bewerbern. Über die örtliche Hauptschule finden fünf Praktikanten pro Jahr den Weg zu ihm. Willkommen seien ihm auch 15. Denn nur jeder fünfte entschließt sich für eine Ausbildung bei dem 53-Jährigen, der pro Lehrjahr zwei Bewerber nimmt. Die Praktikanten schickt der Chef dann mit auf die spannendsten Baustellen in seinem sympathischsten Team, dessen Vorarbeiter mit jungen Menschen umgehen kann. Vorigen Sommer hatte Küpper einen Realschulabsolventen, der nur einige Monate zum Geldverdienen als Jobber überbrücken wollte, nach diesem Muster so umgarnt, dass der junge Mann im September eine Lehre bei ihm in Salach begann.

Andere Branchen und deren Betriebe sind da schon weiter. Die Heldele GmbH in Salach, ein Elektrotechnikspezialist mit 500 Mitarbeitern und handwerklichen Wurzeln, hat vor rund zehn Jahren eine Stiftung ( www.heldele-stiftung.de ) gegründet, die gezielt technischen Nachwuchs im Landkreis Göppingen fördert: Seither kooperiert der Mittelständler mit rund 15 (Werk-)Realschulen. Ein Berufsschullehrer hält regelmäßig Vorträge für Acht- und Neuntklässler und deren Eltern, worauf es bei einer Bewerbung ankommt und wie man den richtigen Beruf für sich selbst findet.

Leonhard Fromm

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 07.2013.

Letzte Aktualisierung: 09.04.2013

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