Alles, nur nicht gerade

Bis dato fristete der Bochumer Hochbunker aus Weltkriegszeiten eher ein tristes Dasein. Seit 2009 tut sich was am siebengeschossigen Rundbau aus Beton. Für DDM Markus Dürscheidt war es vor allem ein Objekt mit vielen Details und Anschlüssen. Denn auf den drei Dächern gab es keine wirklich „geraden“ Flächen. indsogsicherung, unterschiedlich geneigtes Gefälle sowie der mit erheblichen Höhenunterschieden ausgebildete Dachrand stellten den Dachdecker auf eine harte Probe.

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Nach den Plänen des Berliner Architekten Dipl.-Ing. Gerard Spangenberg wurde auf dem Rundbunker, der als „hohes Fundament“ dient, ein Hochhaus mit 15 plus 3 Geschossen aufgesetzt. Der Aufbau gliedert sich in drei Abschnitte die in ihrer ovalen Grundrissform gegeneinander verdreht sind. Fotos: FDT

Auf einer Mittelinsel der Universitätstraße steht er seit seiner Fertigstellung im Jahre 1942. Wohl nur von den historisch Interessierten wird er heute noch mit Wohlwollen betrachtet. Die meisten Bürger hingegen sehen in ihm einen Schandfleck. Seit jüngster Zeit tut sich was am siebengeschossigen Rundbau aus Beton. Optisch kommt es einer Verwandlung von der hässlichen Raupe in einen ansehnlichen Schmetterling gleich. Und auch bautechnisch verbirgt sich hinter dem jetzt gut 84 Meter hohen, transparent und leicht wirkenden Turm viel handwerkliches Knowhow und Detailarbeit. Denn nach den Plänen des Berliner Architekten Dipl.-Ing. Gerard Spangenberg wurde auf dem Rundbunker, der quasi als hohes Fundament dient, ein Hochhaus mit 15 plus 3 Geschosse aufgesetzt. Der Aufbau gliedert sich in drei Abschnitte zu je fünf Geschossen, die in ihrer ovalen Grundrissform gegeneinander verdreht sind. Dabei durchzieht ein mittlerer runder Kern das gesamte Gebäude und dient neben der Gebäudeerschließung auch der Aufnahme der Haustechnik sowie von zwei Sicherheitstreppenhäusern.

Keine geraden Flächen
Für DDM Markus Dürscheidt aus Witten, der die Abdichtung des Hauptdaches und zweier Zwischendächer ausführte, war es vor allem ein Objekt mit vielen Details und Anschlüssen. Denn auf den drei Dächern gab es keine wirklich „geraden“ Flächen. Zu den üblichen Anforderungen des Hauptdaches in 84 Metern Höhe gesellten sich neben der Windsogsicherung ein bauseits vorhandenes, verschobenes und unterschiedlich geneigtes Gegengefälle sowie der teilweise mit erheblichen Höhenunterschieden ausgebildete Dachrand. Relativ früh stand fest, dass die insgesamt rund 730 m² umfassenden Dächer mit einer hochwertigen Kunststoff-Dachabdichtung auf der Basis von Polyisobutylen (PIB) abgedichtet werden sollten. Das gesamte Dachschichtenpaket wurde vollflächig verklebt. Zum Einsatz kam eine Dachbahn mit einem integrierten Kunststoffvlies und einem industriell vorgefertigten Dichtrand, welche die geforderte Widerstandsfähigkeit gegen Flugfeuer und strahlende Wärme im Dachsystem erfüllt. Weiterer Vorteil: Durch die rohstoffspezifische Zusammensetzung ist die PIB-Bahn in nahezu jeder abdichtungstypischen Anwendung einsetzbar – für die komplexe Dachgeometrie des Hochbunkers in Bochum die ideale Voraussetzung.

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Die Verlegerichtung erfolgte vom Dachrand zum Kern, da sich so die benötigte Bahnenbreite grundrissbedingt verringert. Statt die einzelnen Bahnen in der Breite zuzuschneiden wurde die Bahn zum Kern hin mit zunehmender Überlappung verlegt.

Unterschiedliche Ebenen und Flächen
Im „exzenterhaus bochum“ – wie das neue Bauwerk offiziell heißt – reicht die Trennung zwischen innerem Kern und äußerem Umlauf bis über die Hauptdachfläche hinaus. Deshalb mussten auf dem Hauptdach neben den äußeren Flächen auch die des inneren Kerns abgedichtet werden. Zudem sind im inneren kreisförmigen Kern noch Technikaufbauten angeordnet, sodass hier die Abdichtung auf zwei Ebenen erfolgte. Eine besondere Herausforderung bei der Dachabdichtung stellte die grundsätzliche Entwässerung der Dachflächen dar. Denn alle Dächer mussten zum Kern hin entwässert werden, da hier die Fallrohre angeordnet sind. Um die in der Rohbetondecke vorhandene unterschiedliche Gefälleausbildung auszugleichen, wurde deshalb zunächst ein Leichtestrich flächig im konstanten Gefälle zum Bunkerkern aufgebracht. Hierauf verschweißten die Dachhandwerker vollflächig die bituminöse Dampfsperre.

Untersuchung der Kleberkomponenten
Im Vorfeld der weiteren Arbeiten zum Aufbau des Dachschichtenpaketes führte man zunächst Klebeversuche der einzelnen Schichten untereinander durch. Vor allem um den aufgrund der Gebäudehöhe zu erwartenden hohen Windlasten Rechnung zu tragen. Hierbei überprüfte man sowohl den Dämmstoffkleber sowie den Dachbahnkleber im Zusammenhang mit der gewählten Wärmedämmung. Erst nach bestandener Prüfung der Klebekomponenten erfolgte die Freigabe des später ausgeführten Aufbaus. Um bei der Verlegung der Wärmedämmung den Schnittanteil vor Ort zu minimieren, wurde die Dachfläche in einzelne strahlenförmige Flächen aufgeteilt.

Johannes Walther

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 14.2013.

Letzte Aktualisierung: 18.07.2013