Auf die Böhmische Art

Mörtelverstrich, eingebundene Kehlen, alte Biber wiederverwenden – bei der denkmalgerechten Sanierung des „Hauses der Landwirtschaft“ stellte sich DDM Udo Janke einigen Herausforderungen. Etwas verzögert, aber mit bestem Ergebnis erneuerte er die 800 m² große Dachfläche nach historischem Vorbild.

Dachfläche Haus der Landwirtschaft
Die rund 800 m² großen Dachflächen des „Hauses der Landwirtschaft“ wurden denkmalgerecht saniert. Neben dem Erhalt der Gebäudestrukturen war für die Denkmalpflege auch der Erhalt des historischen Laubenganges mit einer rund 20 m langen überdachten Konstruktion wichtig. Fotos: Braas

Großräschen, ein Städtchen an der Niederlausitz, ist ursprünglich stark geprägt vom Braunkohlenbergbau und erfährt nach dessen Niedergang einen grundlegenden Strukturwandel. In zentraler Lage am Marktplatz befindet sich ein historisches Hofgebäude mit besonderer Bedeutung für das Ortsbild. Der Dreiseitenhof wurde 1856 errichtet und steht unter Denkmalschutz. Die Straßenfront zum Marktplatz wird durch das Torhaus mit einer angewalmten Dachfläche geprägt. Die angegliederten Seitengebäude haben die gleiche Firsthöhe; das Westbauteil zeigt sich zur Querstraße ebenfalls mit einer mächtigen Dachfläche. Einer Erbengemeinschaft war es nicht gelungen, den Bauernhof und späteren Schuhladen für eine private Nachnutzung zu verkaufen. Seit 1992 wurde das Gebäude nicht mehr genutzt und war, da keine Wartungs- und Sanierungsmaßnahmen durchgeführt wurden, stark sanierungsbedürftig; es galt als ein Schandfleck der Stadt.

Dachdecker befestigt Biberschwanzziegel mit dem Nagelautomaten.
Zur Windsogsicherung wurden die Biberschwanzziegel mit dem sauber eingestellten Nagelautomaten befestigt.

Die Stadt Großräschen hat einen Plan für ein „Haus der Landwirtschaft“ entwickelt, um das ortsbildprägende Gebäude und dessen Geschichte zu erhalten und das Areal – auch wirtschaftlich – zu nutzen. Die vorhandene Ausstattung war nicht mehr nutzbar, das marode Gebäude in seiner Tragstruktur, Decken und Boden, vor allem aber im Dach durch zahlreiche Schadstellen stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Bedeutung des Dreiseitenhofs als ortsbildprägender Gebäudebestand wurde allgemein anerkannt. So sollte der Gebäudekomplex erhalten und nach einer umfangreichen denkmalgerechten Sanierung einer neuen Nutzung zugeführt werden. Neben den Gebäudestrukturen war für die Denkmalpflege auch der Innenhof mit den Laubengängen an Torhaus und Stall interessant. Dieser historische Laubengang mit einer rund 20 m langen überdachten Konstruktion aus Lärchenholz gilt als absolute Rarität. Diese geschützten Bauwerke dienten den damaligen Bewohnern als Außenzugang für die obere Etage und wurden zum Trocknen von Wäsche und Kräutern genutzt. Die zentrale Innenstadtlage am Marktplatz eröffnet die Nutzung des sanierten Gebäudes als Hofladen für regionale Anbieter von Obst und Gemüse. Ein weiterer Nutzungsschwerpunkt im Rahmen des Gesamtkonzeptes „Haus der Landwirtschaft“ ist ein „Grünes Klassenzimmer“ sowie ein Heimatmuseum. Auch ein Winzerbetrieb soll integriert werden, denn als zentraler Themenschwerpunkt der städtischen Entwicklung entsteht ein Weinhang am zukünftigen Großräschener See, der seit Beendigung des großflächigen Braunkohlentagebaus „anwächst“. Auch eine Wohnung sollte im Dachgeschoss des Ostflügels eingebaut werden. Im Erdgeschoss wird eine Bankfiliale eingeplant.

Altes bewahren, Neues einbinden


Mit den Dachsanierungsarbeiten wurde Dachdeckermeister Udo Janke aus Lübben beauftragt. Insgesamt sollten auf 800 m² denkmalgerechte Dacharbeiten mit Biberschwanz in Kronendeckung erfolgen. Die Dachneigungen der 3 Hauptdachflächen als Sattel- und Walmdächer wurden mit 45° bis 54° ermittelt. Im Zuge der Sanierungsarbeiten sollten aus Gründen des Denkmalschutzes auch Teile der alten Dachdeckung wiederverwendet werden. So wurden die alten, teilweise handgestrichenen Dachziegel von den Dachdeckern sorgfältig abgenommen, auf Funktionsfähigkeit geprüft und für die spätere Eindeckung verwahrt.

Horst Pavel

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 21.2014.

Letzte Aktualisierung: 07.11.2014