Auf gutem Grund

Baufeuchte, Taupunkt, Mischverhältnis, Untergrund - bei der Verarbeitung von Flüssigkunststoff muss der Dachdecker viele Faktoren berücksichtigen. Das A und O eines guten Arbeitsergebnisses ist der richtig vorbereitete Untergrund.

0613-301 Aufmacher Grundieren 1.jpg
Grundlage einer fachgerechten Abdichtung mit Flüssigkunststoff sind die Beurteilung und Vorbehandlung des Untergrunds. Abschleifen, Absanden oder/und Grundieren sind je nach Objekt zwingend erforderlich. Fotos: Kemper System

Flüssig zu verarbeitende Abdichtungen sind in den vergangenen Jahren auf der Beliebtheitsskala der Dachdecker nach oben gewandert. Die Erfolgsgeschichte dieser Abdichtungstechnologie und ihre Verankerung in den technischen Regelwerken haben dazu geführt, dass nicht nur die Bekanntheit, sondern auch die Zahl der angebotenen Produkte stark gestiegen ist. Parallel dazu hat sich allerdings auch eine gewisse Ernüchterung breit gemacht, da nicht wenige Handwerker unterschätzen, welch hohes Maß an Fachkenntnissen und Erfahrungen Flüssigabdichtungen erfordern. Engagierte Dachdecker, die die sach- und fachgerechte Verarbeitung von Flüssigabdichtungen beherrschen, profitieren von ihrem Know-how auch in anderen Arbeitsfeldern. Auf Balkonen, Terrassen und Laubengängen, aber auch auf Parkflächen oder in Innenräumen kommt die Kompetenz der Abdichtungsspezialisten aus dem Dachdeckerhandwerk zum Einsatz.

Das Ganze sehen

Die Vorteile einer Flüssigabdichtung sind offensichtlich. Im Unterschied zu anderen Werkstoffen wird sie - wie es der Name andeutet - in flüssiger Form verarbeitet. Dadurch passt sich das Material auch schwierigen Untergrundgeometrien an. Klassische Schwachpunkte auf dem Dach wie Anschlüsse und Durchdringungen werden fugenlos in die Flächenabdichtung integriert. Während der Aushärtungsphase entsteht ein vollflächiger Haftverbund mit dem Untergrund. Unterläufig in die Bausubstanz eindringende Feuchtigkeit ist bei vollflächiger Haftung ausgeschlossen. Und bei einer mechanischen Beschädigung der Oberfläche lässt sich die Schadensstelle leichter lokalisieren. Flüssigabdichtungen sind andererseits bauchemische Produkte, die ihre Vorteile nur ausspielen können, wenn sie richtig verarbeitet werden. Und dazu gehört erheblich mehr, als "nur" zu wissen, wie man aus Harzen und Vlieseinlage eine Abdichtung herstellt. Die führenden Hersteller weisen in ihren Schulungen immer wieder auf den Systemzusammenhang hin, darauf, wie wichtig es ist, die Abdichtung als Teil des gesamten Dachaufbaus zu betrachten. Untrennbar verknüpft mit der richtigen Verarbeitung von Flüssigabdichtungen ist das Thema Untergrund. Welche Schwierigkeiten können bei welchem Untergrund auftreten? Welche Voraussetzungen müssen generell erfüllt sein? Der Untergrund ist nicht alles, aber ohne fachgerechten Untergrund ist vieles nichts. Wer die Vorteile einer Flüssigabdichtung optimal nutzen will, muss den Untergrund individuell vorbereiten. Vor allem beim Thema "Untergrund und Feuchtigkeit" ist Profiwissen gefragt.

0613-301 Vlies einlegen Metalluntergrund grundiert.jpg
Metalluntergründe können ebenfalls abgedichtet werden, erfordern aber ein hohes Maß an Vorarbeit. Der Untergrund muss geschliffen und entrostet sein. Ein Spezialreiniger sorgt für die Säuberung und Entfettung und liefert zugleich die Grundlage für den haftfähigen Untergrund.

Hersteller Kemper System beispielsweise widmet der Untergrundvorbehandlung in den Dachdeckerschulungen einen ganzen Unterrichtsblock. Dazu gehören die Aspekte:

- Prüfung und Messmethoden zur Untergrundbeurteilung

- Untergrundvorbehandlung

- Grundierungen: Produkteigenschaften und Auswahlkriterien

Der Einsatz ungeeigneter Materialien zählt zu den häufigsten Schadensursachen. Und der Erfolg einer Abdichtungsmaßnahme hängt zum großen Teil von der richtigen Planung der einzelnen Arbeitsabläufe ab. Dies ist im Besonderen bei der Prüfung, Beurteilung und Vorbereitung des Untergrunds von immenser Bedeutung. Denn die häufigsten Ursachen für eine fehlerhafte Ausführung, Mängel und Beanstandung liegen in einer mangelhaften Vorbereitung des Untergrunds. Hauptfehlerquellen: zu hohe Feuchtigkeit, zu geringe Festigkeit des Untergrunds.

Die Maßnahmen der Untergrundvorbehandlung können baustellenspezifisch variieren, allerdings kommt eine mechanische Vorbehandlung fast immer zum Tragen. Ein Hauptmerkmal von Flüssigabdichtungen ist der vollflächige Haftverbund des ausgehärteten Materials mit dem Untergrund. Deshalb muss der Untergrund eben, sauber, trocken und frei von haftmindernden Stoffen sein (Fette, Trennmittel, loses Talkum). Er ist gemäß der technischen Information der Hersteller auf seine Eignung für eine Weiterbeschichtung zu prüfen und entsprechend vorzubehandeln. Objektbezogen können Eignungsversuche (Einzeltests) notwendig sein. Auch eine Grundierung zählt zu den vorbereitenden Arbeiten. Generell empfiehlt Hersteller Kemper System das Absanden von zweikomponentigen Grundierungen. Zwingend erforderlich ist dies bei allen Produkten auf Epoxidharz-Basis. Durch das Absanden der Grundierung mit Naturquarz (5001.000 g/qm) wird eine Oberfläche mit entsprechender Rauigkeit erreicht, die für einen optimalen Haftverbund mit der nachfolgenden Schicht sorgt.

Dirk Nicklas

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in der DDH Ausgabe 06.2013.

Letzte Aktualisierung: 22.03.2013