Augen auf beim Folienkauf

Was passiert, wenn die diffusionshemmende Luftdichtheitsschicht funktional zu einer diffusionsoffenen Unterdeckung wird? Oder anders ausgedrückt: Kennt eine sogenannte „intelligente Dampfbremse“ beim Neubau ihre eigentliche Aufgabe?

Folie Schäden Zimmermann
Ein fast fertiggestelltes Dach wurde aufgrund eines während der Ausführungfestgestellten Schimmelschadens wieder komplett saniert. Das Detailfoto zeigt die starke Kontamination an den Unterdeckplatten und der Wärmedämmung. Foto: Zimmermann

Bei diesem Objekt handelt es sich um ein in Holzrahmenbau errichtetes Gebäude. Die ausführende Zimmerei hatte im Vorfeld die komplette Holzrahmenkonstruktion erstellt. Auf die Sparren wurden eine DHF-Holzfaser-Unterdeckplatte und eine diffusionsoffene Unterdeckung sowie die Konterlattung im Format 60 × 60 mm aufgebracht. Die Holzbauarbeiten waren relativ pünktlich zum Jahresende abgeschlossen.

Ratgeber digital "Schäden bei der Sanierung"

Die Dacharbeiten begannen aufgrund der ungünstigen Witterung erst im Februar mit der Dachlattung 60 × 60 und der Eindeckung mit Faserzementplatten. Wegen einzuhaltender Fertigstellungstermine wurde im Inneren des Gebäudes weitergearbeitet. Die Holzkonstruktionen der Innen- und Außenwände wurden mit Mineralfasermatten gedämmt, die Luftdichtheitsschicht und Wandverkleidung im Trockenbau hergestellt. Die Dachschräge erhielt in der Sparrentiefe eine Mineralfaserdämmung, unterseitig wurde eine feuchtevariable Dampfbremse mit Lattung und Gipskartonverkleidung angebracht. Im Anschluss wurde der Estrich im gesamten Gebäude eingebracht.

Der Schaden

Als die eigentliche Dacheindeckung begann, waren die Innenverkleidung der Dachschrägen und der Wände sowie der Estrich bereits fertiggestellt. Im weiteren Verlauf mussten die Öffnungen für Dachfenster sowie Strangentlüfter von oben durch die Unterkonstruktion des Daches hergestellt werden. Dabei wurden massive dunkle, schimmelpilzartige Verfärbungen an den Unterseiten der Unterdeckplatten, an den Sparren sowie an der Mineralfaserdämmung festgestellt. Die im Anschluss stichprobenartig durchgeführte mikrobielle Untersuchung diagnostizierte einen massiven Schimmelpilzbefall an der kompletten Dachkonstruktion einschließlich der eingebauten Wärmedämmung.

Die Analyse

Aufgrund der nach Fertigstellung zugedachten Nutzung des Gebäudes kam für die Bauherren nur ein kompletter Rückbau des kontaminierten Materials ohne jegliche Kompromisse infrage. Die Laborergebnisse belegten, dass die untersuchten Gipskartonplatten nicht schimmelpilzbelastet waren. So wurde aufgrund des engen Zeitplans entschieden, die Dachschrägenbekleidung zu belassen und die Sanierung von außen auszuführen.

Michael Zimmermann

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 12/2016.

Michael Zimmermann
Michael Zimmermann ist Dachdeckermeister, ö. b. u. v. Sach- verständiger für das Dachdeckerhandwerk, EU-zertifizierter Sachverständiger nach ISO 17024 für Schimmelpilzschäden.

Letzte Aktualisierung: 15.06.2016