Windsogsicherung: Aus Fehlern lernen

Seit 2011 schreiben die Fachregeln des ZVDH bei Dachdeckungen von Steildächern den Einsatz von geprüften Sturmklammern vor. Nach Begutachtung von Sturmschäden in den letzten Jahren zeigen sich Fehlerquellen bei Planung und Durchführung der Windsogsicherung.

Sturmschäden, Kirchsturm
Verwirbelungen im Bereich des aufgehenden Kirchturms haben zum Sturmschäden am Gotteshaus im österreichischen Pyrawang geführt. Foto: Ralf Bierwisch

Da eine nicht fachregelgerechte Sturmsicherung im Schadensfall weitreichende Konsequenzen für den verantwortlichen Dachdeckerbetrieb hat, sind diese Fehlerquellen nachfolgend beschrieben. Manche Fehler entstehen schon bei der Planung bzw. der Windsogberechnung, wie die Nichtbeachtung der Anforderungen an exponierte Lage oder die fehlende Berücksichtigung von Durchdringungen. Auch bei der Umsetzung der Sturmsicherung entstehen leider immer wieder Versäumnisse: Hier werden Zuordnungen oder Befestigungsschemata von Klammern sowie Dachbereichseinteilungen nicht beachtet. Und manchmal wird die Klammer schlicht und einfach falsch montiert.

Anforderungen an exponierte Lagen nicht beachtet

Eine exponierte Lage liegt laut Fachregeldefinition vor

  • in Kamm- oder Gipfellagen

  • in Lagen ab 1.100 m über NN

  • in Einflugschneisen von Flughäfen

  • bei Schluchtenbildung durch angrenzende Bebauung

  • an Binnengewässern oder Flüssen

  • auf den Nordseeinseln

Erfahrungen zeigen aber, dass auch Gebäude, die nicht laut Definition exponiert liegen, schon aufgrund ihrer Bauweise als exponiert gelten, so etwa Kirchen. Unser Aufmacher zeigt das Beispiel einer Kirche in Österreich.

Fehlerbeispiel: Der Bereich um Kirchtürme herum wird in der Windsogberechnung vernachlässigt.

Folge: In Bereichen um Kirchtürme herum werden häufig Dachpfannen durch Verwirbelungen abgedeckt.

Tipp: Kirchen grundsätzlich als exponierte Gebäude behandeln und die Windsogberechnung von einem Statiker durchführen lassen.

Bereiche um Dachdurchdringungen nicht berücksichtigt

Da es in dem Bereich um Durchdringungen zu zusätzlichen Verwirbelungen des Windes kommt, ist die Lagesicherheit der Eindeckung besonders gefährdet und deshalb gegen Windlasten zu sichern.

Fehlerbeispiel: Bei der Windsogberechnung des Daches werden der Kamin und die Gauben nicht in das Berechnungsprogramm eingegeben. Die Eindeckung um Kamin und Gauben wird nicht gesondert gesichert. Der Rest des Daches wird nach dem Befestigungsschema der Windsogberechnung gesichert.

Folge: Die Sturmsicherung ist nicht fachregelgerecht.

Tipp: Bei Windsogberechnungstools wie zum Beispiel FOS Windcheck auf www.fos.de besteht die Möglichkeit, Dachdurchdringungen auf dem Dach maßgerecht zu positionieren. Das Befestigungsschema in dem Ergebnis-PDF gibt die notwendige Sicherung um diese Bereiche nach Fachregel an. Die Abmessung des zu sichernden Bereichs c entspricht der Hälfte von dem größten waagerechten Außenmaß (in den Beispielbildern b) der Durchdringung, gerechnet wird c = b/2.

Der Bereich c ist

  • mindestens 1,00 m breit

  • maximal 2,00 m breit

  • immer auf volle Dachpfannenreihen aufzurunden

  • immer mit dem Befestigungsschema des Ortgang- bzw. Walmbereichs zu sichern (Berechnung nach Kategorie 1)

Windverwirbelungen
Schon bei kleinen Dachaufbauten, wie z. B. einfache Kaminköpfe, können Windverwirbelungen auftreten. Skizzen: FOS

Zuordnungen nicht beachtet

Sturmklammern, die für eine bestimmte Dachpfanne bestellt wurden, können nicht beliebig für andere Dachpfannen verwendet werden. Wenn die Windsogberechnung mit einer ausgewählten Sturmklammer erstellt worden ist, gelten die ermittelten Werte nur für diese Klammer-Dachpfannen-Kombination. Es ist nicht erlaubt, das Ergebnis auf ein anderes Befestigungsmittel oder einen anderen Deckwerkstoff oder eine andere Lattung zu übertragen.

Hans-Martin Koch

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 17/18/2020.



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Letzte Aktualisierung: 08.09.2020