Ausbildung als Herzenssache

Wie generieren Dachdecker Nachwuchs, wenn ihnen die Basis wegbricht? Welche Erfahrungen gibt es mit der neuen Ausbildungsordnung in der Praxis? Diese Fragen diskutierten die Teilnehmer der diesjährigen Berufsbildungs-Tagung in Potsdam. Dr. Volker Born gab Einblicke in die Nachwuchsarbeit des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).

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Dr. Volker Born und Artur Wierschem auf der Berufsbildungstagung in Potsdam. Fotos: DDH

Fred Schneider und Artur Wierschem begrüßten die Teilnehmer der 47. Berufsbildungstagung im Dorint Hotel in Potsdam. Dr. Volker Born, Leiter Abteilung Berufliche Bildung des ZDH, gab einen Überblick über den Stellenwert der Berufsbildung, mit Informationen aus der aktuellen Arbeit und den Themen: Berufs-Abitur, Integration von Flüchtlingen und Ausblick auf die Bundestagswahl.

Fehlsteuerung bei der Bildungspolitik

Zum Thema Nachwuchsförderung sprach Born gleich Klartext: „Seit Jahren haben wir eine Fehlsteuerung in Sachen Bildungspolitik. Ihre Klientel von früher, Hauptschüler, fallen weg. 2015 gab es erstmals mehr Absolventen aus Realschulen, danach kam erst die Hauptschule. Mittlerweile ist es doch so: Das Gymnasium ist die neue Volksschule. Daher müssen Sie diese Gruppe stärker in den Fokus stellen“, betonte Born.

In dem Zusammenhang stellte er das Modell eines Berufs-Abiturs vor. Die Idee ist es, vor allem auch Realschüler fürs Handwerk zu begeistern, die auf dem Sprung sind, ins Gymnasium zu wechseln. Das wird nicht ihr Hauptfokus sein – aber wir sprechen über rund 16.000 junge Menschen, die unsere Betriebe sonst nie sehen“, so Born. Gute Erfahrungen hat man mit einem entsprechenden 4-jährigen Modell schon in Österreich gemacht. Allerdings ist dort im Lehrplan nur eine Fremdsprache notwendig. Das ist momentan in Deutschland nicht möglich. Generelle Grundvoraussetzung bei diesem Modell: Der Lehrling muss länger, nämlich 4 Jahre lernen.

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„Ausbildung ist Herzenssache“. Raban Meurer aus Nordrhein stellte die kommende Kampagne des ZVDH vor.

Flüchtlinge für das Dachdeckerhandwerk zu gewinnen, ist weiterhin ein Thema. Das bekannte Hauptproblem bleibt die Sprache. Born präsentierte die bundesweiten Integrationsprogramme wie Perspektiven für junge Flüchtlinge im Handwerk (PerjuF-H) oder Berufsorientierung für Flüchtlinge. Zwischen 18 und 25 Jahre sind die meisten Flüchtlinge, die Dachdecker werden könnten. Die meisten von ihnen wollen allerdings schnell Geld verdienen oder studieren. „Wir wollen unseren Teil beitragen und in den Integrationskursen für Dachdecker werben“, sagte ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx. In der Diskussion waren sich die Teilnehmer einig, dass den Betrieben ein einheitliches Programm fehlt, das bei der Integration der Flüchtlinge hilft.

Zum festen Bestandteil der Berufsbildungstagung gehört ein Rückblick auf den Bundesentscheid im Dachdeckerhandwerk. Titus Recker, Mitglied der Bundesbewertungskommission, gab einen kurzen Überblick über den Wettbewerb 2016, der am BBZ Mayen stattfand. Sieger wurde Torben Berchim aus Schleswig-Holstein, der zusammen mit dem zweiten Bundessieger Max Paetzold aus Sachsen die Deutschen Farben 2018 in Riga/Lettland vertritt, siehe auch DDH 24, Seite 62. 2017 findet der Bundesentscheid im Ausbildungszentrum St. Andreasberg statt.

Kritik am Bericht zur letzten IFD-Weltmeisterschaft in Polen kam von Artur Wierschem. Der stellvertretende ZVDH-Hauptgeschäftsführer fand deutliche Worte: „Die Vorbereitungen in Polen waren so schlecht wie nie. Es gab im Vorfeld im Grunde so gut wie keinerlei vernünftige Informationen und Verlegevorschriften. Trainingstermine mussten wir sogar canceln“, so Wierschem. Trotz der widrigen Umstände erreichte das deutsche Steildach-Team den zweiten Platz. „Dem neuen IFD-Präsidenten werden wir vor der nächsten Weltmeisterschaft unsere Kritik schriftlich überbringen“, sagte Wierschem.

Johannes Messer

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 04.2017.

Letzte Aktualisierung: 24.01.2017

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