Baden-Württembergische Dachdecker: Magische Sonnenkraft

Solar steht in Deutschland ein weiteres Comeback bevor. Doch ist der Dachdecker bei diesem Geschäft oft nicht nur reiner „Stützen-Bauer“? Der Fachkongress der baden-württembergischen Dachdecker beleuchtete das Thema ausführlich. Außerdem demonstrierte ein Magier unterhaltsam, wie leicht beinflussbar wir sind.

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Hände nach vorne: Die rund 200 Gäste des Landesverbandstags amüsierten sich über den Magier Nicolai Friedrich. Fotos: DDH

Zum 64. Landesverbandstag des Dachdeckerhandwerks Baden-Württemberg luden die Veranstalter nach Heilbronn ein, wo aktuell die Bundesgartenschau stattfindet. Und passend zum Fachkongress-Thema Solar zeigte sich Heilbronn bei sonnigem Wetter gut gelaunt. Nach der Mitgliederversammlung, wo Michael Braunwarth als Stellvertreter für ein letztes Mal einstimmig gewählt wurde, begrüßte Landesinnungsmeister Karl-Heinz Krawczyk die rund 200 Gäste in der Aula des Bildungscampus. Der Solar-Branche steht in Deutschland ein neuer Höhenflug bevor. Das prognostizieren Experten für die nächsten Jahre. Auch die Bundesregierung möchte den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf 65 Prozent ausbauen. Dazu passt, dass der Kongress der baden-württembergischen Dachdecker ganz auf das Thema Solar ausgerichtet war. „Der Klimawandel ist in den Köpfen angekommen. Grund genug, sich auch beruflich mit dem Thema zu beschäftigen. Solaranlagen und E-Mobilität können helfen die Emissionen zu beschränken. Mittlerweile tummeln sich allerdings auch Anbieter wie zum Beispiel Tesla am Markt, ohne 3-stufiges Vertriebsmodell und mit zum Teil fragwürdigen technischen Angaben. Deshalb sollten wir das Thema Solar zu unserem Thema machen - es ist wichtiger denn je“ so Karl-Heinz Krawczyk.

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"Die Zeit ist reif, wir Dachdecker solllten das Thema Solar zu unserem Thema machen - es ist wichtiger denn je“ so LIM Karl-Heinz Krawczyk.

PV-Nachfrage steigt

Dominik Daub (GF Solar-Dacheinkauf) gab einen Überblick über Stromspeicher und Fördermittel. „Nach den Groß-Investitionen der Unternehmen steht der Wunsch der Verbraucher selber Einfluss auf ihren Strom zu nehmen im Vordergrund. Regionalität und Handwerkernähe sind gefragt, subventionierte Vergütungen sind nicht mehr so wichtig“, so Daub. Die Nachfrage nach PV-Modulen steigt spürbar an. „Die Indachanlage ist für das Dachdeckerhandwerk prädestiniert, überlassen Sie anderen Gewerken nicht diese Aufträge“, warnte Daub. Anschaulich verdeutlichte er, wie günstig und vorstellbar eine PV-Anlage für eine Musterfamilie sein kann und welche Speichersystem und Fördermöglichkeiten es gibt.

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Dominik Daub (GF Solar-Dacheinkauf) gab einen Überblick über Stromspeicher und Fördermöglichkeiten.

Dachdecker mehr als Stützen-Bauer

Deutlich kritischer sieht Josef Rühle, Geschäftsführer Technik ZVDH, das Thema Solar. „In vielen Bereichen mutiert der Dachdecker zum Installateur von Stützen“, startete Rühle seinen Vortrag bewusst provokant. „Bei vielen Herstellern gibt es im Indach-Bereich kaum noch eigene Solarmodule. Oft sind Systeme einfach oben drauf geknallt, das hat mit Dach-Ästhetik wenig zu tun. In Zukunft brauchen wir Produkte und Herstellerangebote, bei dem das Bauteil als aktives Dach gestaltet wird, energietechnisch autark. Zu den Themen: Glas, Rahmen, Solarzelle, Verkapselungsmittel, Bruch oder Schneelasten muss ich als Experte Antworten wissen. Deshalb gilt: Bauen Sie im eigenen Unternehmen Kompetenz auf, nur dann können Sie im Markt, gemeinsam mit Partnern erfolgreich sein. Und ohne Wartungsverträge geht im Bereich Solar sowieso wenig“, so Rühle. „Wir werden die CO2 Belastung verringern müssen und die Zukunft der Dächer liegt in der Erfüllung der Forderungen: Der Kunden, der Gesellschaft, des Umweltschutzes und der Funktionalität der Witterungsschutzes.

Johannes Messer

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 12.2019.

Der perfekte Zeitpunkt

Aktuell gibt es wieder eine große Nachfrage nach PV-Modulen. Was hat sich im Vergleich zu den Boom-Jahren vor zehn Jahren geändert?

Dominik Daub: Vor 10 Jahren war der PV-Markt in Deutschland fast ausschließlich Rendite getrieben. Der Grundgedanke der unabhängigen Eigenversorgung stand im Hintergrund. Jede noch so kleine Anlage versuchte durch die hohen Subventionen möglichst viele kWh einzuspeisen und eine schnelle Amortisierung zu erlangen. Anlagen wurden optimal möglichst nach Süden ausgerichtet und sehr oft auf 25-30° Modulneigung aufgeständert. Heute richten sich die Anlagengrößen meist nach den Bedürfnissen und dem Verbrauch. Betreiber haben den Wunsch nach Unabhängigkeit gegenüber Energieversorgern und deren Preisgestaltung, Ziel ist es möglichst viel Strom selbst zu verbrauchen, ggf. zu speichern und erst dann überschüssigen Strom einzuspeisen.

Karl-Heinz Krawczyk: Die E-Mobilität wird in den nächsten Jahren stark zunehmen. Ladesäulen sind kaum verfügbar. Das Leitungsnetz der Stromversorger ist in vielen Städten und Dörfern ungenügend ausgebaut. Da macht es Sinn, sich eine eigene Solaranlage auf das Dach zu bauen und den Strom zu speichern. Dieser kann dann das lokale Leitungsnetzt unterstützen. Die fachgerechte Montage von Solaranlagen sollte dem Fachmann fürs Dach überlassen werden: Dem Dachdecker.

Was sollten Dachdecker tun, damit der Markt nicht wieder an Ihnen vorbei geht?

Dominik Daub: Aktuell haben die meisten Dachdecker sehr viel Arbeit, können sich vor Aufträgen kaum retten und sind ausgelastet. Ich sage trotzdem, es ist der perfekte Zeitpunkt, um in den Markt einzusteigen. Aus finanzieller Sicht können Sie in dieser Phase recht gelassen einen „neuen“ Bereich aufbauen und mittel- bis langfristig, ohne unbedingten Erfolgsdruck entwickeln. In schwierigen Zeiten ist so etwas deutlich schwieriger. Mit den starken Einschnitten 2013-2015 sind viele PV-Installateure vom Markt verschwunden. Der Wettbewerbsdruck ist nicht mehr so groß und Regionalität steht im Vordergrund. Der Dachdecker ist immer der erste vor Ort, wenn es um das Dach geht. Es wäre fatal, anderen Branchen den Eintritt in den Dachmarkt einfach zu überlassen.


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Letzte Aktualisierung: 27.05.2019