Barrierefreie Übergänge – Problem und Lösungsansätze

Ob Dachterrassen oder Balkone, in beiden Fällen liegt eine Schwelle zwischen dem Innen- und dem Außenraum. Genau diese Schwelle ist in der Praxis Grund für Diskussionen und auch für Konflikte, denn hier treffen zwei sich widersprechende Anforderungen aufeinander. Welche dies sind und welche möglichen Regelkonstruktionen möglich sind, stellen wir vor.

Barrierefreiheit Bobbycar
Weder für Anschlusshöhen < 5 cm noch für „Null-Schwellen“, bei denen keine oder eine negative Anschlusshöhe vorhanden ist, gibt es geregelte Konstruktionen. Foto: Alumat Frey GmbH

Die Hauptaufgabe, oder besser – das Problem –, mit dem sich Bauausführende in der Praxis beschäftigen müssen:
Möglichst wenig (≤ 2 cm) bzw. keine Aufkantungshöhe über die jeweiligen Belagsschichten im Innen- und Außenraum, um den ungehinderten Austritt auf die Dachterrasse oder den Balkon zu ermöglichen. Die Vermeidung des Eindringens von Niederschlagswasser von außen über die Schwelle in den Innenraum durch Aufkantungen. Gerade in den vergangenen Jahren wird der Ruf nach verpflichtend geringen oder nicht vorhandenen Aufkantungen an der Schwelle durch die novellierten Landesbauordnungen laut. An dieser Stelle soll nicht hinterfragt werden, ob und in welcher Form eine Pflicht zur Barrierefreiheit bei Dachterrassen oder Balkonen besteht.
Aus Sicht des Dachdeckerunternehmens ist diese Fragestellung nachrangig, denn seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, haben Bauherren unabhängig von deren Alter und/oder etwaigen körperlichen Einschränkungen den Wunsch, ohne Stolperkante vom inneren Wohnraum in den Wohnraum auf der Dachterrasse oder dem Balkon zu gelangen. Und das nicht, weil die Barrierefreiheit in der Landesbauordnung oder aufgrund einer technischen Regel gefordert wird, sondern weil es komfortabler ist. Das Grundprinzip von Dachabdichtungen ist die Aufkantung der Abdichtung an An- und Abschlüssen (Ausnahme Dachränder mit vorgehängten Rinnen). Diese Aufkantung soll bei Fensteranschlüssen die Ableitung des Niederschlagswassers über die Schwelle in das Gebäudeinnere verhindern. Überspitzt formuliert soll das Fenster nicht den Gully ersetzen oder entlasten.


Schäden an Abdichtungen

Zahlreiche Praxisfällle anschaulich erläutert: Die 2. Auflage entspricht dem Stand der aktuellen Flachdachrichtlinie aus Dezember 2016 mit Änderungen November 2017 sowie der neuesten Normgebung.


Das Problem mit der Regelkonstruktion

Die beschriebenen und sich widersprechenden Anforderungen sind seit langer Zeit bekannt. Gute Planer und Ausführende schaffen zwar tagtäglich funktionsfähige und dauerhafte Lösungen für die Bauherren. Das Problem dieser Lösungen ist jedoch stets der Bezug auf das jeweilige Objekt, da die Aufkantungshöhe der Schwelle über die Belagsoberflächen innen und außen meist weniger als 5 cm betragen soll. Seit vielen Jahren gibt es mehr oder weniger gute Regelungen, welche Maßnahmen erforderlich sind, um bei Anschlusshöhen ≥ 5 cm (gemessen ab Oberkante Belag) eine funktionsfähige Dachabdichtung zu erhalten. Für diese Fälle gibt es also geregelte Konstruktionen. Weder für Anschlusshöhen < 5 cm noch für „Null-Schwellen“, bei denen keine oder eine negative Anschlusshöhe vorhanden ist, gibt es geregelte Konstruktionen.

Das Problem mit der Kommunikation und dem Konsens

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich Regelkonstruktionen nicht selbst erschaffen, sondern durch zeitaufwendige und mehrstufige Prozesse erarbeitet werden müssen. Im Mittelpunkt steht hierbei der Konsens, also die Übereinstimmung der Meinungen, was funktioniert und was nicht. Bezogen auf die Dachabdichtung sind hier bereits sehr viele Beteiligte mit den unterschiedlichsten Erfahrungen und Interessen zu berücksichtigen – Dachdecker und Abdichter, Hersteller von Abdichtungsmaterialien und Zubehör sowie Planer. Der ZVDH-Fachausschuss Abdichtungen hat es sich zur Aufgabe ­gemacht – gemeinsam mit den Kollegen der Bauindustrie –, diese Lücke in der Flachdachrichtlinie zu schließen.

Ein erster Schritt

Da bekanntlich viele Lösungen für dieses Anschlussdetail der Abdichtung möglich sind, haben wir uns als ZVDH dafür entschieden, zunächst die Detaillösungen mit Flüssigkunststoff in Angriff zu nehmen. Das soll nicht heißen, dass andere Lösungen schlechter oder schwieriger sind, allerdings kommen sie aus ZVDH-Sicht in der Baupraxis seltener vor als die Anschlüsse mit Flüssigkunststoffen. Im ersten Schritt werden daher Regelkonstruktionen für barrierefreie Übergänge/Fensteranschlüsse mit Flüssigkunststoffen erarbeitet, danach folgt die Entwicklung von Regelkonstruktionen mit anderen Abdichtungsmaterialien.


Den gesamten Artikel lesen Sie in DDH 16/19


Christian Anders


Letzte Aktualisierung: 27.08.2019