Baukonjunktur-Meeting 2019 - Aktuelle Lage und Prognosen

In diesem Jahr begrüßte die Heinze Marktforschung rund 120 Teilnehmer aus der Industrie zum traditionellen Baukonjunktur-Meeting in Hannover, Düsseldorf und Würzburg. Neben der aktuellen Entwicklung der Baukonjunktur in Deutschland und dazugehörigen Prognosen für das Folgejahr, standen auch Brennpunktthemen im Vordergrund – darunter die Frage nach einer erfolgreichen Energiewende im Gebäudesektor.

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Die Entwicklung der Eigenheime
Foto: Grafiken: Heinze GmbH

Wohnungsbau: Stagnation bei Eigenheimen, Mehrfamilienhäuser ab 2020 wieder im Aufwärtstrend

In seinem Vortrag zum Marktbericht 2019 ging Prof. Dr. Udo Mantau, INFRO, zunächst auf die Entwicklung im Wohnungsbau ein. In 2018 stiegen die Zuwächse der Auftragseingänge kräftig an. Auch in 2019 sind die Zuwachsraten hoch und sollen sich seiner Ansicht nach am Ende des Jahres bei fünf bis zehn Prozent über den Vorjahreswerten einpendeln. Trotz der vorteilhaften Rahmenbedingungen ist eine Belebung bei den Eigenheimen allerdings nicht in Sicht.

Der Eigenheimbau scheint mit ca. 110.000 genehmigten Wohneinheiten und 105.000 fertig gestellten Wohneinheiten seinen Zenit erreicht zu haben. Die Baukosten hingegen steigen weiterhin kräftig mit ca. fünf Prozent

Der Mehrfamilienhausbau befindet sich aktuell in einer konjunkturellen Delle, die durch die späte Klärung diverser Rahmenbedingungen entstanden ist. Jedoch scheint eine Stabilisierung im Mehrfamilienhausbau in der zweiten Jahreshälfte 2019 aufgrund von Nachholeffekten wahrscheinlich. Für 2020 wird sogar eine Fortsetzung des Aufwärtstrends erwartet, der einen Teil der entstandenen Zurückhaltung kompensiert. Ebenfalls interessant: Das nominale Bauvolumen wächst zwischen 2018 und 2020 um 15 Prozent. Die Modernisierungsmaßnahmen werden dabei nicht zurückgedrängt wie zunächst vermutet, sondern wachsen kräftig weiter. Dies werde sich ab 2020 noch verstärken, so Prof. Dr. Mantau.

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Modernisierung und Neubau im Vergleich

Nichtwohnbau: Industrielle Betriebsgebäude führen den Konjunkturabschwung an

Im ersten Halbjahr 2019 sind die Auftragseingänge im Wirtschaftsbau um 13,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Auch im öffentlichen Bau kann das Auftragsniveau der vorangegangenen zwei Jahre gehalten werden. Ein Blick auf die Genehmigungsentwicklung industrieller Betriebsgebäude zeigt, dass diese im ersten Halbjahr 2019 mit 3,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen. Eine ähnliche Entwicklung wird für 2020 prognostiziert: Die Genehmigungen fallen weiter zurück, lediglich die Fertigstellungen industrieller Betriebsgebäude bleiben auf gleichem Niveau.

Ähnlich sieht es bei den wohnähnlichen Betriebsgebäuden, wie z. B. Büro- und Verwaltungsgebäuden oder Hotels und Gaststätten, aus: 2019 setzt der Abschwung bei den Genehmigungen wie erwartet ein, der sich auch 2020 aufgrund der negativen Beschäftigungsentwicklung wahrscheinlich nicht erholen wird. Die Fertigstellungen in diesem Segment wachsen hingegen kraftvoll weiter.

Brennpunktthema: Energiewende im Gebäudesektor

Ist eine erfolgreiche Energiewende im Gebäudesektor noch möglich? Mit dieser Frage beschäftigte sich Dr. Ralph Henger vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Bis 2050 soll der Gebäudebestand nahezu klimaneutral sein. Damit hat sich Deutschland sehr ehrgeizige Klimaschutzziele gesetzt, die nur durch umfangreiche Sanierungen fast aller Wohnungen und Wirtschaftsimmobilien erreicht werden können. Doch tatsächlich bleiben derzeit Investitionen und Maßnahmen aus, die energetische Sanierung stockt, so dass die gesetzten Ziele in weite Ferne rücken.


Um doch noch eine erfolgreiche Energiewende einzuleiten, bedarf es laut Dr. Henger Mut für einen grundlegenden Politikwechsel. Dabei müssten vor allem die Themen Fördern und Fordern neu gedacht werden. Hier sollte eine Vereinfachung angestrebt und um eine effektive steuerliche Förderung ergänzt werden. Das bisherige Steuerrecht beispielsweise mindert Anreize für Vermieter umfassende Sanierungsmaßnahmen zu ergreifen. Unter „Fordern“ versteht Dr. Henger die Einführung einer CO2-Bepreisung. Dadurch würden u. a. wichtige Investitionen angeregt, wie etwa der Austausch des Heizungssystems, um vermehrt Heizkosten einzusparen. Es bleibt abzuwarten, welche Wege die Bundesregierung in den kommenden Jahren einschlagen wird.


Quelle: Heinze GmbH
 





 
 

Letzte Aktualisierung: 11.10.2019