Behelfsdeckung: Unterdeckung als regensichernde Zusatzmaßnahme

Behelfsdeckungen bieten kurzfristigen Schutz. Doch welcher Behelf eignet sich wofür? Die Anforderungen an Unterspann- und Unterdeckbahnen sind für die temporäre Verwendung für Dachdecker klar definiert. Wir erläutern, was welche Bahn leisten muss.

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Kehlen, ob als Hauptkehle oder hinter Kaminen oder Dachfenstern, werden mit einer Stützkonstruktion aus der wasserführenden Ebene herausgehoben. Fotos: Dörken GmbH & Co. KG

Allerdings ist nicht jede Abdeckplane für diesen Zweck geeignet. Im Gegensatz zu Unterspann- oder Unterdeckbahnen gibt es zudem bei diesen Materialien keine aussagekräftigen Vergleichswerte zu Qualität und Dichtheit der Produkte. Deshalb sollte vorher beim Hersteller abgeklärt werden, welche Planen für Behelfsdeckungen geeignet sind.

Nicht jede Bahn ist geeignet

Der zweite und weitaus häufiger beschrittene Weg ist, die in Form einer Unterspannung und Unterdeckung ohnehin erforderliche regensichernde Zusatzmaßnahme während der Bauzeit als Behelfsdeckung zu nutzen. Speziell für diesen temporären Verwendungszweck sind die Anforderungen an Unterspann- und Unterdeckbahnen klar definiert. So müssen die eingesetzten Bahnen den Produktdatenblättern entsprechen und das erforderliche Zubehör muss verfügbar und geeignet sein. Bahnen der Klasse UDB-A sind ohne Einschränkung als Behelfsdeckung geeignet, während bei den Bahnen der Klassen UDB-B und USB-A eine Freigabe des Herstellers erforderlich ist. Produkte, die die Anforderungen erfüllen, sind mit dem Zusatz „Geeignet für Behelfsdeckung“ gekennzeichnet. Eine mit diesen zugelassenen Materialien ausgeführte Fläche kann für eine bestimmte Zeit der freien Bewitterung ausgesetzt werden und behelfsmäßig die Funktion der Deckung übernehmen.


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Mit einigen zusätzlichen Leistungen lassen sich Unterdeckungen und Unterspannungen zur Behelfsdeckung aufwerten wie die Rohrdurchführung der Unterdeckung zeigt. Fotos: Dörken

Die maximale Dauer der Freibewitterungszeit unter Zusicherung der Behelfsdeckungsfunktion ist begrenzt und wird vom Hersteller der jeweiligen Bahn ausgewiesen. Je nach Bahnenqualität variieren die Freibewitterungszeiten; in den meisten Fällen werden aber mindestens vier Wochen angegeben. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Behelfsdeckung nach Ablauf dieses Zeitraumes undicht oder gar unbrauchbar wird; es handelt sich dabei lediglich um eine Gewährleistungsgrenze. Die Angabe zur Freibewitterungszeit der Behelfsdeckung darf nicht verwechselt werden mit den Freibewitterungszeiten, die für die UV-Beständigkeit angegeben werden. Diese Zeiträume können deutlich länger sein, beziehen sich aber ausschließlich auf die Materialeigenschaften der jeweiligen Bahn. Bei einem vergleichenden Blick auf die Klassifizierung der Zusatzmaßnahmen wird deutlich, dass die Klasse 1 (Wasserdichtes Unterdach), die Klasse 2 (Regensicheres Unterdach) und die Klasse 3 (Naht- und perforationsgesicherte Unterdeckung) in ihrer Ausführungsart den Anfor-derungen entsprechen, die an die Ausführung einer Be-helfsdeckung gestellt werden. Insbesondere die Herstellung von Überdeckungen und Anschlüssen muss „regensicher“ erfolgen.

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Der Dunstrohranschluss mit Verklebung.

Hohe Ansprüche an Verlegung und Detailausbildung

Die Herstellung einer Behelfsdeckung ist in erster Linie eine handwerkliche Leistung mit dafür geeigneten Materialien. Neben den verwendeten Werkstoffen muss also auch die handwerkliche Ausführung für diese Anforderungen geeignet sein. Es genügt daher nicht, die Unterdeckbahn wie gewohnt einfach nur auszurollen und zu befestigen. In der Fläche darf die Bahn nur verdeckt – entweder im Überdeckungsbereich oder im Bereich der Konterlatte – fixiert werden.

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Die Befestigungsstellen, ob genagelt oder geschraubt, der Konterlattung müssen mit Nageldichtungsbändern abgedichtet werden.

Die Befestigungsstellen der Konterlattung müssen dabei mit Nageldichtungsbändern abgedichtet werden, denn die Durchnagelungen der Bahn – immerhin können dies auf nur einem Meter Länge sechs bis 14 Perforationen sein – sind ein entscheidender Schwachpunkt. Die Nageldichtungsbänder werden dabei mittels der Konterlattung ausreichend an den Untergrund angepresst. Die Höhen- und Seitenüberdeckungen der Unterdeckbahn sollten verklebt werden, um auch in diesem Bereich sicher vor eindringendem Wasser zu sein.


Michael Wolf

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Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 15.2019.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2019