Belüftetes Dach: Tipps zur Ausführung

Serie "belüftete und unbelüftete Flachdächer" - Teil 2: Im zweiten Teil unserer Serie stellen wir die Merkmale eines belüfteten Daches vor und geben Tipps zur Ausführung. So ist bei flach geneigten Dächern ein Mindest-Lüftungsraum von 15 cm empfohlen. Und auch zusätzliche Lüfter und Gefälle können den Lüftungsquerschnitt positiv beeinflussen.

Belüftetes Dach Aufbau
Die belüftete Konstruktion und ihre Schichten im bituminösen Aufbau Grafiken: RM Rudolf Müller, Handbuch für Abdichtungen - Aufbau, Stoffe, Verarbeitung, Detail 4. Auflage

Belüftete Dächer/Abdichtungen können folgenden Aufbau haben: Sie bestehen aus zwei Schalen (Tragkonstruktionen), wobei die obere Schale die Abdichtung trägt und somit das Niederschlagswasser ableitet. Die untere Schale dient als oberer Raumabschluss (Raumdecke), auf ihr wird die Dampfsperre und die Wärmedämmung verlegt. Sie kann die Tragkonstruktion für die obere Schale sein oder sie wird an der oberen Schale abgehangen. Die beiden Schalen können aus verschiedenen Werkstoffen bestehen. Sehr oft ist die untere Schale aus Stahlbeton, auf der dann die obere Schale als Holzkonstruktion aufgeständert ist. Ebenso können beide Schalen aus einer Holzkonstruktion erstellt werden.
Belüftete Dächer/Abdichtungen verfügen unmittelbar oberhalb der Wärmedämmung, welche auf der ersten Dachschale auf einer Dampfsperre liegt, über eine bewegte Luftschicht, die über Zu- und Abluftöffnungen an die Außenluft angeschlossen ist.

Mindestlüftungsquerschnitt ­berücksichtigen

Die Mindestlüftungsquerschnitte für Dachneigungen < 5° sind in der DIN 4108-3 geregelt und betragen für Sparrenlängen bis 10 m ≥ 5 cm.
Empfohlen werden bei flachen Dächern mindestens 15 cm Lüftungsraum. Beträgt der Lüftungsweg mehr als 10 m, so sind besondere Maßnahmen erforderlich – beispielsweise zusätzlicher Lüftereinbau oder Gefälle.
Auf dem Markt sind verschiedene Entlüftungslösungen in Form von Ventilatoren verfügbar, welche alleine durch Wind-Anströmung, ohne Zufuhr von elektrischer Energie, einen Entlüftungsvolumenstrom ermöglichen. Auf die obere Schale werden in der Regel auf einer Trenn- und Ausgleichsschicht unmittelbar die Abdichtung und der Oberflächenschutz aufgebracht. Die Sicherung gegen den Windsog erreicht man durch Verklebung, mechanische Fixierung (beispielsweise Nagelung bei Holzschalungen) oder eine Auflast.

Ventilator Durchlüftung
Ventilator aus Edelstahl (rotiert unter Wind- anströmung rechtsdrehend)

Das wesentliche Merkmal dieser belüfteten Bauart ist aber der Belüftungsraum zwischen den beiden Schalen, der mit der Außenluft durch entsprechende Be- und Entlüftungsöffnungen in Verbindung steht, um die Bau- und Nutzungsfeuchte nach außen abzuführen.
Um eine dauerhafte Durchlüftung im Zwischenraum zu gewährleisten, sind neben einer ausreichend bemessenen Höhe des Zwischenraumes und genügend großen Be- und Entlüftungsöffnungen auch die bau­lichen Gegebenheiten zu berücksichtigen.
Bei einem flach geneigten zweischaligen Dach kann die Funktion der Belüftung eingeschränkt oder behindert werden, im ungünstigsten Fall gar nicht mehr stattfinden. Es ist dafür Sorge zu tragen, dass die Be- und Entlüftungsöffnungen nicht zuwachsen, verstopfen oder auf andere Weise im Querschnitt eingeengt werden (Regelmäßige Inspektion und Wartung, falls erforderlich).

So wie beim einschaligen Dach eine Dampfsperre erforderlich ist, so muss beim zweischaligen Dach die untere Schale ebenso diesen bestimmten Widerstand gegen Wasserdampfdiffusion (Wanderung von gasförmiger Feuchtigkeit durch einen Baukörper bzw. Baustoff hindurch) besitzen. Damit soll verhindert werden, dass mehr Wasserdampf durch Diffusion in den Belüftungsraum gelangen kann, als durch die Luftzirkulation abgeführt wird.

Parameter für nachweisfreie ­Konstruktion

Bei einem Gefälle < 5° (Regelfall bei Abdichtungen) kann eine nachweisefreie belüftete Konstruktion sehr einfach ausgeführt werden.

  • Grundbedingung 1: Unterhalb der Wärmedämmung wird eine diffusionshemmende Schicht mit sd,i ≥ 100 m verbaut.
  • Grundbedingung 2: Nicht mehr als 20 % des Gesamtwärmedurchlasswiderstands sind unterhalb der diffusionshemmenden Schicht angeordnet (zum Beispiel durch Untersparrendämmung).

Nachweisfreie belüftete Konstruktion
Beispiel: Nachweisfreie belüftete Konstruktion

Nicht belüftet gängig

In der heutigen Abdichtungspraxis werden überwiegend nicht belüftete Dächer ausgeführt, da diese wirtschaftlicher sind und größere Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Bei der belüfteten Bauweise ergeben sich bei verwinkelten Grundrissen und Durchdringungen oft Probleme mit der ausreichenden Belüftung und deren Be- und Entlüftungsöffnungen. So müssen bei flach geneigten Dächern sowohl eine Längs- als auch eine Querlüftung möglich sein. Erst bei steiler geneigten Dächern genügen durch die entstehende Kaminwirkung (Thermik) Zuluftöffnungen an Traufe und Abluftöffnungen am First. Für die Baustellenpraxis ergibt sich unter Berücksichtigung der verschiedenen Verlegesysteme (lose Verlegung, mechanische Befestigung, Verklebung oder auch Kombination der Systeme), der möglichen Nutzung der Fläche und der großen Anzahl der Werkstoffe eine Vielzahl von möglichen Aufbauten. Addiert man noch die Möglichkeit der verschiedenartigen Unterkonstruktionen dazu, so wird deutlich, warum in der zweiteiligen Serie nur einige Beispiele für Konstruktionsarten mit Abdichtungen aus Kunststoffen und Bitumenbahnen aufgezeigt werden können.

Hans Peter Eiserloh, Michael Oliver Schaaf

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Letzte Aktualisierung: 24.01.2020

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