"Bezahlbarer Wohnraum darf kein Auslaufmodell werden!"

In Städten wie Düsseldorf, Köln, Bonn oder Münster wird schon heute der Wohnraum knapp. "Wir dürfen nicht zulassen, dass ältere Mitbürger mit kleinen Renten und einkommensschwache Haushalte sukzessive aus den Innenstädten verdrängt werden", mahnten am 26. April 2012 Vertreter des neuen Aktionsbündnisses "Impulse für den Wohnungsbau NRW" vor der Presse im Düsseldorfer Landtag.

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Vor der Landespressekonferenz (v.l.): Dr. Hans-Georg Leuck (Ges. f. Mauerwerks- und Wohnungsbau), Dirk Bollwerk (Dachdecker-Verband Nordrhein), Hartmut Miksch (Architektenkammer NRW), Dr. Tobias Blasius (WAZ). Foto: Baugewerbliche Verbände

"Wir müssen dringend Investitionen in den Mietwohnungsbau anregen, der in den letzten Jahren weitgehend zum Erliegen gekommen ist", erklärte stellvertretend für die Baugewerblichen Verbände und das nordrheinwestfälische Baugewerbe Dirk Bollwerk, Vorsitzender des Dachdecker-Verbandes Nordrhein. Aus ernster Sorge um die Entwicklung des Wohnungsbaus in Nordrhein-Westfalen haben sich die Baugewerblichen Verbände aktuell mit 20 weiteren Institutionen, Kammern und Verbänden zusammengeschlossen, um in einer konzertierten Aktion "Impulse für den Wohnungsbau NRW" auszusenden. Im Vorfeld der Landtagswahl in NRW fordert das Bündnis vor allem eins: "Die Parteien müssen den Wohnungsbau wieder zu einem zentralen Feld des politischen Handelns und Gestaltens machen!"

Mindestens 1 Mrd. Euro für soziale Wohnraumförderung!

Mit nur noch rund 33.500 Einheiten lag die Baufertigstellungsquote für Wohnungen im Jahr 2010 so tief wie noch nie in Nordrhein-Westfalen. Fachleute taxieren den tatsächlichen Bedarf an neuem, preiswertem und demografiefestem Wohnraum in NRW in einer Größenordnung von 60.000 bis 80.000 Wohnungen pro Jahr. Die Zahl der sozial gebundenen Wohneinheiten hat sich von 1,5 Millionen im Jahr 1992 auf heute etwa 650.000 mehr als halbiert Tendenz weiter fallend. Zur Vermeidung von erheblichen sozialen Schieflagen und Spannungen, die entstehen können, wenn einzelne gesellschaftliche Gruppen auf dem Wohnungsmarkt nicht mehr in angemessener Form berücksichtigt werden, fordert das Aktionsbündnis "Impulse für den Wohnungsbau NRW", zu dem neben den Baugewerblichen Verbänden und der Architektenkammer NRW u.a. auch die Gewerkschaft Agrar-Bauen-Umwelt, der Mieterbund NRW sowie mehrere Sozialverbände gehören, die soziale Wohnraumförderung in Nordrhein-Westfalen dauerhaft auf mindestens eine Milliarde Euro zu verstetigen. Zudem müsse die Zweckbindung des in die NRW.Bank integrierten Landeswohnungsbauvermögens sichergestellt werden.

Der Wohnungsbau und die Wohnungswirtschaft in Nordrhein-Westfalen stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Um die Klimaschutzziele von Bund und Land erreichen zu können, müssen mehr als zwei Drittel des Wohnungsbestandes von 8,6 Mio. Wohnungen in NRW in den nächsten Jahren energetisch saniert werden. Außerdem müssen mehrere hunderttausend Wohneinheiten barrierefrei umgebaut werden, um auf die Anforderungen der alternden Gesellschaft zu reagieren. Um diese Ziele erreichen zu können, seien Investitionen von rund 90 Milliarden Euro notwendig.

Solche Summen seien aber nur zu stemmen, wenn viel privates Kapital mobilisiert werden kann und die Wohnungspolitik langfristig verlässlich und aus einem Guss ist. Die Förderung des Wohnungsbaustandes und des Baus neuer Wohnungen seien dabei keine Konsumausgaben, sondern Investitionen in die Zukunft. Zugleich werde die Binnenkonjunktur belebt. Aus Studien sei bekannt, dass ein Euro, der aus öffentlichen Fördermitteln in den Wohnungsbau investiert wird, weitere acht Euro an privaten Folgeinvestitionen auslöst. Aus diesem Grund sei es unverzichtbar, jetzt schnell finanzielle Anreize für private Investoren zu schaffen.

Erhöhung der AfA von 2 auf 4 Prozent!

Eine zentrale Forderung des Aktionsbündnis‘ ist eine Erhöhung der Abschreibungsmöglichkeiten für Anschaffungs- und Herstellungskosten von Wohngebäuden von gegenwärtig zwei auf vier Prozent. "Hier ist die Politik gefordert",mahnte Dirk Bollwerk. Das gesparte Privatvermögen sei heute in Deutschland so groß wie nie zuvor - zugleich sei die Bereitschaft privater Investoren für Anlageformen im Mietwohnungsbau so gering wie nie zuvor.

Das Aktionsbündnis hält außerdem Sonderabschreibungen für energetische Sanierungsmaßnahmen für unverzichtbar. 75 Prozent der Wohnungen in Nordrhein-Westfalen sind im Besitz von Privatpersonen, nur 25 Prozent gehören Wohnungsbaugesellschaften. Um private Investoren davon zu überzeugen, Geld für den baulichen Umweltschutz auszugeben, bedürfe es starker Anreize. Das Aktionsbündnis "Impulse für den Wohnungsbau NRW" will sich dauerhaft dafür stark machen, das Thema Wohnungsbau zu einem zentralen politischen Themenfeld zu machen. Die im nächsten Landtag vertretenen Parteien seien gefordert, der angemessenen Entwicklung des Wohnungsbaus und der Wohnraumversorgung der Bevölkerung einen hohen Stellenwert in den zu erwartenden Koalitionsverhandlungen und in der künftigen Regierungsarbeit zu geben.

Letzte Aktualisierung: 04.05.2012