Biber für Kirche und Kegel

Bereits nach 40 Jahren standen Tragwerk und Holzschindeln der Bad Tölzer Mühlfeldkirche zur Sanierung an. Statt auf dem Kegeldach eine kleinteilige Lattung anzubringen, ersetzt Rundstahl das Tragwerk, an dem die Kirchenbiber, im regelmäßigen Verband gedeckt, ihren Halt finden.

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Vom Hauptdach der Bad Tölzer Mühlfeldkirche reihen sich nahtlos Rundschnitt­biber auf das Kegeldach über der Apsis. Der geregelte Verband der Biberschwänze findet sicheren Halt auf einem stählernen Tragwerk. Fotos: Erlus

Solange ein Holzschindeldach ungehindert entwässern kann und gut belüftet ist, vermag eine solche Konstruktion Wind und Wetter über viele Jahrzehnte zu trotzen. Die stattliche Bad Tölzer Mühlfeldkirche aus dem 17. Jahrhundert machte da lange Zeit keine Ausnahme. Doch mit dem Dach aus den 1970er-Jahren schlugen die Gesetze der Bauphysik einen eigenen unheilvollen Weg ein. Was war passiert? Die Antwort ließ sich leicht finden und ist auch bei etlichen anderen historischen Gebäuden ein Thema. Die ursprüngliche Absicht der Planer ist dabei meist eine gute – so auch in diesem Fall: Als die gesamte Holzkonstruktion des Kirchendaches einschließlich des Kegels über der Apsis vor weniger als 40 Jahren saniert wurde, sollte Schnee nicht mehr vom Dach rutschen können – Dachflächen und Traufbereiche erhielten Schneefangvorrichtungen. Darüber hinaus gab es allerdings aus heute unerfindlichen Gründen in der Unterkonstruktion nicht überall Maßnahmen gegen eindringende Feuchte – nach der damaligen ZVDH-Fachregel für Dachdeckungen mit Dachziegeln ging das in Ordnung. Das wichtige Ziel war: Passanten sollten im Winter möglichst gefahrlos zum Gotteshaus gelangen. Doch was die Gefahr von Dachlawinen reduzierte, war Auslöser für eine neue, schleichende Bedrohung, die lange unentdeckt blieb: Die Schneefänge an Apsis und Anbau führten dazu, dass bei Eisstau Schmelzwasser nicht mehr ungehindert abfloss, sondern durch die Schindeln auf das ungeschützte Tragwerk sickerte. Den sonst so bewährten konstruktiven Holzschutz eines belüfteten Daches hatte der Schneefang somit außer Kraft gesetzt. Am Hauptdach waren geringere Schäden vorhanden, weil dort eine Schalung mit Dachpappe eindringendes Wasser abführen konnte. Der lang anhaltende Feuchteeintrag in den oberbayerischen Wintermonaten schaffte es, dass die Holzschindeldeckung in nicht einmal vier Jahrzehnten vor allem in den Traufbereichen marode wurde. Doch damit nicht genug: In der Unterkonstruktion hatte Fäulnis selbst stattliche Sparren in Mitleidenschaft gezogen. In mühevoller Zimmermannsarbeit galt es zunächst, das Tragwerk auszubessern. Zusätzlich sorgen jetzt überall solide 3 mm dicke kaltverklebte Unterdachbahnen auf einer Holzschalung dafür, dass Schmelzwasser auch bei Wetterkapriolen seinen ordnungsgemäßen Weg in die Rinne oder auf das Tropfblech findet.

Dachfirst, Erlus, Mörtel
Auch wenn die Firstlüfter durch Vorgaben des Denkmalschutzes im Mörtel eingebettet sind, bleiben die Lüftungskanäle in voller Funktion. Foto: Erlus

Kirchenbiber ersetzt Holzschindeln

Für die Neudeckung wurde in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz nach einer Alternative gesucht. Denn bei einer Holzschindeldeckung rechnet der Fachmann lediglich mit der gleichen Lebensdauer in Jahren, wie die Dachneigung in Grad beträgt. Bei einer Dachneigung von etwa 45° würden also neue Holzschindeln über eine durchschnittliche Haltbarkeit von 45 Jahren kaum hinauskommen – den Sanierungsgrund vor Augen, war das zu kurz aus Sicht der Verantwortlichen. Deutlich langlebigere Ziegel sollten zukünftig das Gotteshaus bedecken, passend ausgewählt zum regendichten Unterdach einschließlich des soliden Traufbereiches. Für die höhere statische Belastung war das Tragwerk ausreichend dimensioniert. Um das frühere Deckbild mit kleinteiligen Holzschindeln nicht völlig außer Acht zu lassen, fiel die Wahl auf einen hagelschlagfesten Handschlagkirchenbiber, dessen geraute Oberfläche die erwünschte Patinierung beschleunigen wird. Die Abmessung des gewählten Kirchenbibers: 19 mm Dicke mit einer Deckbreite von 18 cm und einer Gesamtlänge von 38 cm.

Thomas Dietrich, Paul Zielinski

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 22.2013.

Letzte Aktualisierung: 25.11.2013