Blitzschutz für Biber

Dachdecker Kühne sanierte das Dach der Stadthalle Kassel mit einer Unterdeckbahn und einer Traglattung auf der 300.000 Biberschwanzziegeln liegen – jeder einzelne fest verklammert.

Biber Blitzschutz Kühne
Rund 300.000 Biber zieren zukünftig die Dachflächen des Monumentalbaus in Kassel. Das Unterdach besteht aus einer neuen Vollschalung nebst hochdiffusionsoffener Unterdeckbahn. Fotos: Nikolaus Frank

Die Stadthalle Kassel ist ein historisch und architektonisch wertvolles Veranstaltungsgebäude im Stadtteil Vorderer Westen von Kassel. Das Juwel wurde von 1911 bis 1914 nach den Plänen der Architekten Ernst Rothe und Max Hummel errichtet. Der monumentale neoklassizistische Portikus der Stadthalle beherrscht die Silhouette der näheren Umgebung. Im Inneren befinden sich unter anderem zwei große Säle, von denen der größte, der Festsaal, bei normaler Bestuhlung über 1.800 Besuchern Platz bietet. „Nachdem in den vergangenen Jahren bereits der Blaue Saal, der Festsaal sowie die Sandsteinfassade des Kongress Palais aufwendig saniert wurden, erfolgt mit den Dacharbeiten nun ein weiterer wichtiger Schritt, um die einzigartige historische Substanz des Gebäudes zu erhalten“, so Andreas Bilo, Geschäftsführer der Kassel Marketing GmbH.

Sanierung in 3 Bauabschnitten – bei laufendem Betrieb

Als das Kongress Palais vor rund 100 Jahren gebaut wurde, kamen für die Dacheindeckung rote Biberschwanzziegel zum Einsatz. Diese wurden im Jahr 1977 durch die damals häufig verbauten Faserzementplatten in der Optik von Biberschwänzen ersetzt. Diese entsprechen heutzutage allerdings, vor allem durch den Asbestgehalt, nicht mehr dem Stand der Technik und weisen aufgrund ihres Alters Schäden auf, wodurch es in den vergangenen Jahren bereits zu kleineren Undichtigkeiten im Dach kam. Sollten diese sich ausweiten, wären die hochsensiblen Bühnen-, Lüftungs- und Brandschutzanlagen sowie die Wärmedämmung der obersten Geschossdecke gefährdet.

Gründe genug also, das Dach des Kongress Palais rund 40 Jahre nach der letzten Modernisierung vollständig neu einzudecken. Die Dachfläche des historischen Dachstuhles umfasst rund 6.300 m2. Aufgrund dieser Dimensionen und des laufenden Veranstaltungsbetriebes ist die Sanierung auf die Dauer von fast einem Jahr anberaumt. Die Arbeiten haben im Mai 2018 begonnen und werden bis August 2019 in drei Bauabschnitten durchgeführt.

150 m Grate, 95 m Kehlen

„Wenn man auf dem Gerüst an der Traufe steht, werden einem die Dimensionen erst so richtig bewusst. Beispielsweise die Grate mit 150 m Länge (bis 37,5 m Einzellänge) oder die 95 m langen (bis 30 m Einzellänge) durchgedeckten Biberschwanzkehlen sind definitiv kein alltäglicher Anblick – auch uns als Fachleute,“ so Klempnermeister Michael Kühne, Geschäftsführer des gleichnamigen Innungsbetriebes aus Kassel/Lohfelden.

Bei der Neueindeckung orientieren sich die beauftragten Kühne Meisterbetriebe am historischen Vorbild. So werden wieder rund 300.000 Biberschwanzziegel aus Ton verlegt. Diese sind in Form und Farbe den Originalen von vor 100 Jahren angeglichen, teilt Kassel Marketing mit. Wie so oft, steckt der Teufel im Detail. Beispielsweise die Farbwahl der neuen Ziegel und darauf abgestimmt des Schneefanges, des Blitzschutzes usw. gestaltete sich im Spannungsfeld zwischen heutigen Industriestandards und den Anforderungen des Denkmalschutzes als durchaus herausfordernd.

Marius Schorer

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 07.2019

Letzte Aktualisierung: 01.04.2019