Da ist der Wurm drin

Seit April 2003 gelten die neuen Lattenquerschnitte und die neuen Qualitätseinteilungen/Sortierklassen. Leider bekommt man den Eindruck, dass diese Angaben nur auf dem Papier gelten, nicht aber in der Praxis. Dabei müsste sich der Altbestand an Dachlatten, der noch nicht die neuen Vorgaben einhalten musste, allmählich verbraucht sein.

Immerhin, man sieht inzwischen mehr rote Farbe am Bau und/oder auf dem Dach. Nunmehr setzt man zwar mehr auf Qualität der Dachlatte, aber offenbar weniger auf Masse oder Querschnitt derselben. Und das sowohl bei der Konterlattung als auch bei der Dachlatte. Selbst bei lichten Abständen der Sparren von > 80 cm werden hemmungslos 30/50 mm Dachlatten eingesetzt. Oft noch gepaart mit Dachüberständen, die im Ortgangbereich deutlich breiter als 30 cm über dem letzten Auflager sind. Dabei wird wohl vergessen, dass das letzte Auflager in den überwiegenden Fällen der letzte Sparren raumseits des Giebelmauerwerks ist. Bei den heutigen Wandaufbaudicken von über 30 cm zuzüglich dem Abstand Innenseite Mauerwerk bis an die Kante des letzten Sparrens von 10 cm (+ die Hälfte der Sparrenbreite) und dem sichtbaren Überstand von meistens 25 cm, sind 70 cm effektiver und damit statisch relevanter Dachüberstand sehr schnell erreicht.

Dieser wird dann, wohl aus Kostengründen oder Unwissenheit, lediglich mit den oben beschriebenen 30/50 mm Dachlatten "frei schwebend" ausgebildet. Eben noch ein senkrechtes Stirnbrett einschl. Bekleidung angenagelt, ein paar dünne Schalbretter auf der Unterseite befestigt und schon ist er fertig der Überstand/der Mangel.

Dachüberstände, die breiter als 25 cm ausfallen, sollten grundsätzlich mit Dachlatten 40/60 mm ausgebildet werden. Zusätzlich sollen Holzbohlen, die ebenfalls eine Mindestdicke von 40 mm aufweisen, als weitere Maßnahme zwischen den Dachlatten eingebaut werden. Diese müssen dann mindestens über zwei Sparren als Auflager geführt werden, damit kein statisches Gelenk entsteht. Bei größeren Dachüberständen ab 40 cm müssen diese Konstruktionen selbsttragend erstellt werden.

Ein weiteres Problem ist die Wahl der Konterlatte. Gem. Fachregel soll der Abstand von der Zusatzmaßnahme, also der Unterspannung, Unterdeckung, dem Unterdach, mindestens 24 mm betragen. Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, eine 30 mm dicke Latte zu verwenden. Allerdings ist eine Dachlatte mit dem Querschnitt

30/50 mm zu schmal. Stöße der Dachlattung lassen sich hier nicht mehr regelkonform ausbilden. Nicht fachgerecht eingebaute Drahtstifte als Befestiger büßen einen Großteil ihrer Kraft ein. Insbesondere dann, wenn die Konterlatte oder die Dachlatte beim Einschlagen des Drahtstifts gespalten wird.

Wie sind Ihre Erfahrungen?

Liefern die Händler bei Ihnen die geforderten Sortierklassen S10 oder S13 auch ohne explizite Beauftragung?

Wird bei der Lagerung, auch auf der Baustelle, darauf geachtet, dass die Dachlatten trocken gelagert werden?

Berücksichtigen Sie immer die notwendige Breite der Konterlattung für eine regelkonforme Stoßausbildung der Dachlattung?

Letzte Aktualisierung: 15.07.2010