Dachdecker Berheide: Vertrauen in digitale Prozesse

Jeder Mitarbeiter hat auf der Baustelle ein IPad, die Nachwuchssuche läuft bei Berheide & Kozlik Bedachungen über Facebook. Ein Unfall war schuld daran, dass Dieter Berheide sich schon früh Gedanken über digitale Prozesse gemacht hat.

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Geht die Strukturen in seinem Betrieb vorwiegend digital an: Dachdeckermeister Dieter Berheide aus Harsewinkel. Fotos: DDH

Dieter Berheide war einer der Teilnehmer des ersten, digitalen Unternehmensforums der GFW-DACH . Das ist kein Zufall. Schon während des Seminars wurde deutlich: Hier denkt und plant ein immerhin schon 58 jähriger Dachdecker vorwiegend digital. In seinem Betrieb in Harsewinkel, begrüßt mich Berheide mit gebührendem Abstand.

Der Dachdecker-Betrieb war Ende Juni durch die Auswirkungen der Tönnies-Schlachterei im Großraum Gütersloh von den Corona-Maßnahmen besonders betroffen. Im außergewöhnlich schönen Garten im Hinterhof der Dachdeckerei zeigt ein gut gelaunter Dieter Berheide auf seinem IPad verschiedene Dateien.

Für digitale Prozesse und Strukturen interessiert sich der Dachdeckermeister schon immer. Zumindest seit er den Betrieb vor 30 Jahren übernommen hat. Allerdings waren die Begleitumstände alles andere als ideal. Vor 26 Jahren war er nach einem Motorradunfall ein halbes Jahr außer Gefecht und musste sich notgedrungen mit Angeboten und Software-Lösungen beschäftigen. Das waren zu der Zeit noch Kurse auf der Volkshochschule zu MS-Dos.

„Durch den Unfall bin ich sozusagen ins Büro gedrängt worden. Mein Kompagnon wollte damit nichts zu tun haben, für mich war das Glück im Unglück. Und seitdem versuche ich, permanent Dinge digital umzusetzen“, sagt Berheide.

Abends um 22.30 stand das Programm

Das funktioniert für ihn sehr gut mit den Programmen von Markus Friedrich Datentechnik , vor allem im Bereich der Kalkulation und Technik. „Damals habe ich mich bei den Fachschulen informiert, welches Programm wo gut läuft. Friedrich hat mich dann hier besucht und abends um 22.30 Uhr wusste ich: Der Mann versteht was von der Sache und will mir nichts verkaufen – er lebt diese Ideen einfach“, so Berheide. Allerdings stoßen bestimmte Programme dann doch an ihre Grenzen. Und Berheide improvisiert gerne und bleibt dadurch, nach eigenen Aussagen, flexibel. Für die Terminplanung nutzt er Outlook, dafür ist das Angebot von Markus Friedrich für uns nicht passend – „dafür sind wir einfach zu groß“, sagt Berheide. „Dieser Mitarbeiter arbeitet garantiert in der nächsten Woche auf dieser Baustelle – das funktioniert bis heute nicht, da muss man einfach nach justieren, weil sich die Bedingungen täglich ändern“, weiß Dieter Berheide.

Beim oft leidigen Thema Gefahrengut und Dokumentationspflicht ist er froh, dass die oft chaotische Zettelwirtschaft ein Ende hat. Auf dem IPad sind die ganzen PDFs mit den Unterlagen hinterlegt, die kann und sollte jeder Mitarbeiter im Zweifel einsehen. „Früher waren die ganzen Daten in einem Papier-Ordner hinterlegt. Tatsächlich lagen die Zettel leider dann doch oft im Handschuhfach oder sonst wo. Digitalisiert haben alle Mitarbeiter alle Daten mit wenigen Klicks zur Hand“, sagt Berheide. Weil sich ja ständig Vorschriften und Verordnungen ändern, eine gute Wahl des Dachdeckers. Mittlerweile ist das Unternehmen auf rund 50 Mitarbeiter angewachsen und ohne Digitalisierung kaum denkbar .

Schwerpunkt große Industriebauten

Wenn man durch das beschauliche Harsewinkel fährt, fallen naturgemäß die schönen Klinkerbauten auf. Doch der erste Blick täuscht. Auch bei Berheide teilt sich die Auftragslage in 80 Prozent Großprojekte und nur noch zu 20 Prozent in kleinere Steildach-Aufträge auf, also von der Dachrinne bis zum Industriedach mit 10000 Quadratmetern Fläche.

Ein Teil seiner Firmenphilosophie ist: „Du musst auch mal Nein sagen“. Aber Dieter Berheide ist pragmatischer Unternehmer, der auch weiß: „Du musst die Kuh solange melken, solange sie Milch gibt. Was das Flachdach angeht, sind wir hier bei Bielefeld im Bermuda-Dreieck. Die große Konkurrenz trägt auch dazu bei, dass wir gute Qualität abliefern müssen“, lächelt Berheide, der gerne in Zunftkleidung zur Arbeit kommt.

Johannes Messer

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 15.2020.

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Letzte Aktualisierung: 03.08.2020