Dachdecker-Jakobsweg 2019: Techadores de Alemania

Eine Gruppe von 11 Dachdecker(innen) aus ganz Deutschland flog am 15. Juni gemeinsam nach Spanien, um dem historischen Jakobsweg von Ourense aus nach Santiago de Compostela zu folgen. Der Pilgerweg begann nach der Ankunft zunächst mit einem Tapas-Begrüßungsabend in der kleinen, historischen Altstadt.

Dachdecker Jakobsweg 2019
Mitten im Zentrum: Die Dachdecker auf der Santiago Road. Fotos: GFW DACH

Passend zum Namen der „Via de la Plata“- dem Silberweg, glänzten die Glimmerplättchen und die Quarze der Wegsteine aus Granit in der Sonne auf dem Dachdecker-Jakobsweg 2019. Der Pilgerweg begann nach der Ankunft zunächst mit einem Tapas-Begrüßungsabend in der kleinen, historischen Altstadt von Ourense, die durch ihre heißen Heilquellen Bekanntheit erlangt hat. Am nächsten Morgen wurden die Wanderschuhe geschnürt, der Tagesrucksack gepackt und an der alten Römerbrücke über den Fluss „Miño“ erklärte der Reiseleiter Manuel Mallo die anstehende, mittelschwere Tagesetappe mit einer Länge von rd. 20 Kilometern. Es ist immer wieder ein tolles Bild, wenn sich die Gruppe der Dachdecker-Jakobspilger in ihrer traditionellen Zunftkleidung mit Hut und Stenz auf den Weg macht. Auch die Bevölkerung und andere Pilger nehmen dieses Markenzeichen sehr positiv auf und freuen sich immer über ein kurzes Gespräch oder ein Foto mit den „Techadores de alemania“, den Dachdeckern aus Deutschland. Bereits kurz hinter Ourense zeigte sich Galizien schon von seiner schönsten Seite. Im ständigen Bergauf- und Bergab führte der Jakobsweg über malerische, einsame Feld- und Waldwege, die durch kleine Dörfer führten oder von den typischen Natursteinmauern oder naturbelassenen Eichenwäldern eingerahmt wurden.

Im Gegensatz zur Hauptroute über den „Camino Francés“ waren hier nicht nur sehr wenige Pilger unterwegs, sondern auch die Möglichkeiten zur Einkehr am Weg waren deutlich seltener. Entdeckte jemand eine Bar oder ein Restaurant, wurde der Standort per WhatsApp geteilt, den es galt auch auf dem Weg die erforderlichen Stempel im Pilgerpass zu bekommen, mit denen der Nachweis der gegangenen Strecken für den Erhalt der Pilgerurkunde erfolgt. Bei bestem Wetter und strahlendem Sonnenschein erreichten die Dachdecker den Treffpunkt der ersten Etappe in einer kleinen, ländlichen Ortschaft. Dort warteten nicht nur kühle Getränke, sondern auch schöne Zimmer in kleinen, regional verfügbaren Pensionen auf die müden Pilger. Wie an allen weiteren Tagen, wurde beim gemeinsamen Abendessen über die erste Tagesetappe gesprochen und die Frage nach der morgigen Wegstrecke gestellt. Der Reiseleiter Manuel Mallo antwortete stets mit einem „gut zu gehen“ und dem Höhenprofil „falsch-flach“, was bedeutet, es gibt keinen einzigen Weg in Galizien, der den Pilgern nichts abverlangt, da sich die „Via de la Plata“ über viele Berge und Täler schlängelt.

Trotz der vielen Schweißtropfen, die sich mehrmals täglich zwangsläufig einstellen“ ist die alte Handelsroute des Silberweges durch Galizien absolut sehenswert. Grüne Täler, felsige Berge, malerische Hochebenen und idyllische Traumwege machen die Faszination dieses Jakobsweges aus. Besonders beeindruckend war das alte Kloster Oseira, in dem nur noch wenige Mönche leben und das Tal mit der Ponte (Brücke) Ulla. Tief eingeschnitten in einem Tal, das von einer gewagten Konstruktion einer modernen Eisenbahnbrücke überspannt wird, liegt eine kleine, alte Brücke über den „Rio Ulla“. Und natürlich führte der Weg anschließend auch wieder steil bergauf, bis die Unterkunft des Tages erreicht wurde.

Viel zu schnell vergingen die einzelnen Pilgertage und schließlich stand die letzte Etappe mit rd. 20 Kilometern nach Santiago de Compostela an. Nach einer letzten Anhöhe war die große Pilgerstadt schon von weitem erkennbar. Durch kleine Vororte, über schmale Straßen, ein letztes Mal bergauf und dann zeigten sich die bekannten Türme der weltweit bekannten Kathedrale. Manuel Mallo, der Reiseleiter des Unternehmens Pilgino, ließ es sich nicht nehmen, am Stadtrand seine Dachdecker abzuholen und sie auf den Hauptplatz vor der Kathedrale zu führen. Strahlende Gesichter, Ergriffenheit und Dankbarkeit mischten sich bei allen Dachdecker-Jakobspilgern, als sie sich untereinander für den tollen Weg, die schönen Momente, die guten Gespräche und die gewonnene Freundschaft bedankten. Ein Gruppenfoto vor der imposanten Hauptfassade der Kathedrale rundeten diese letzte Tagesetappe perfekt ab. Leider wird aktuell der Innenraum der Kathedrale saniert, so dass dort keine Pilgermessen stattfinden aber man kann zum Dank für den Schutz unterwegs der Statue des heiligen Jakobus am Altar die Hände auf die Schultern legen. Am freien Tag in Santiago stand der Besuch der Pilgermesse in einer ersatzweise zur Verfügung stehenden Kirche eines Benediktinerordens, eine gemeinsame Stadtführung, Freizeit und ein leckeres Abschlussessen mit typisch galizischen Spezialitäten auf dem Programm.

Wehmütig, mit der ein oder anderen Blase oder müden Beinen aber superfroh beim Dachdecker-Jakobsweg über die „Via de la Plata“ dabei gewesen zu sein, flogen alle Teilnehmer wieder nach Hause zu ihren Familien und Betrieben.

Auch im nächsten Jahr ist wieder, jetzt bereits zu 7. Mal, ein Dachdecker-Jakobsweg in Spanien in Zusammenarbeit der GFW-Dach mbH und dem Pilgerunternehmen Pilgino aus Bremen über eine weitere Pilgerroute im Frühjahr 2020 geplant. Interessenten können sich gerne schon frühzeitig über die Planung bei dem Organisator und Reiseleiter Jürgen Gerbens unter der Mailadresse j.gerbens@gfw-dach.de informieren.

Letzte Aktualisierung: 15.07.2019