Dachentwässerung: Praxistipps zur Abdichtung

Attikaablauf, Notentwässerung: 19 Seminarteilnehmer kamen zum Dachdecker-Seminar von Sita. Dabei ging es auch um die neue Flachdach-Richtlinie.

Sita Praxistraining 2017
Tief in die Materie der Flachdachentwässerung tauchte Referentin Dipl.-Ing. Ute Weiß mit den Teilnehmern des Sita Dachdecker-Seminars ein. Foto: Sita

„Dachdecker wissen, was sie tun.“ In diesem Satz fasste Referentin Ute Weiß von der Anwendungstechnik ihr Vertrauen in das Wissen der geladenen Praktiker zusammen. Nachdem die Referentin die Erwartungshaltung der Teilnehmer erfragt hatte, lud sie zu einer Zeitreise durch die Flachdachentwässerung damals und heute.

Flachdach, Entwässerung und Attika

Haupt- und Notentwässerung, die Auswirkungen der Gefälleplanung, Penthouse- und Notentwässerung bildeten den Auftakt. Tobias Kaschtan, von der Kaschtan GmbH aus Hasbergen, interessierte hier vor allen Dingen das SitaAttika Kaskadesystem zur Wasserableitung über mehrere Ebenen: „Früher war das immer irgendwie so handwerklich. Jetzt hat man ein geschlossenes System, das man gut einsetzen kann.“

Ute Weiß sensibilisierte auch noch einmal für die Notwendigkeit einer Notentwässerung und stellte die einzelnen Systemvarianten vor. Auf besonderes Interesse bei vielen Teilnehmern stieß das Thema Sanierung, das heute einen Großteil der Aufträge ausmacht. Nachgefragt wurden hier vor allen Dingen die Themen Berechnung und technische Details. Lars Effertz von Effertz Bedachungen ging noch einen Schritt weiter: „Es ist wichtig, noch einmal ins Gewissen gerufen zu bekommen, ich muss das und das tun, um Werte, Menschenleben und das Unternehmen zu schützen.“

Heute gibt es ein regelkonformes Entwässerungssystem für jede Aufgabe und bei größeren Projekten stehen oft anspruchsvolle Berechnungen am Anfang der Baumaßnahmen. „Die Entwässerungsplanung und wie man die genau berechnet, das ist schon sehr interessant“, so Stefan Dowe von DTD. „Dass Sita einen Berechnungsservice anbietet, das wussten wir aber auch.“

Gully ins Dach und einfach laufen lassen, das ist schon lange keine Lösung mehr. Rechnete man früher mit einer Berechnungsregenspende von pauschal 300 (r 5,5), so müssen Auslegungen heute auf den Werten des KOSTRA-DWD 2010 Starkregenkataloges basieren. Für die Stadt Berlin gibt es allein 12 verschiedene Zonen zu berücksichtigen. Ute Weiß verglich Freispiegel- und Druckströmungsanlagen und erläuterte Neuheiten bei den Flachdachrichtlinien.

Aktuelle Infos zur neuen Flachdach-Richtlinie.

Abdichtung und die richtigen Gullys

Nach der Mittagspause stand die Werksführung auf dem Programm. An den Qualitätsprüfungsstationen waren Freiwillige als Tester gefragt. Der Teilnehmer, der sich für den Hammertest meldete, musste alle Kraft aufwenden, um ein Loch in den PUR-Gullykörper zu schlagen, was auch die letzten Zweifler von der Robustheit der Gully-Bauteile überzeugte. Ein anderer Versuchsaufbau dokumentierte die Wichtigkeit sauberer Arbeit in geschlossenen Materialkreisläufen. Schnell wurde klar, dass nur eine sortenreine Mischung der Isocyanat-und Polyol-Komponenten schlagfestes Gullymaterial ergibt. Lediglich ein Tropfen Wasser, z. B. eingetragen durch unerwünschtes Kondenswasser, schäumte das Material wie Styropor auf und machte es unbrauchbar. Wie fest und homogen die Wunschanschlussmanschetten und Gully verbunden sind, das zeigte der Zugtest. Auch mit über 100 Newton Krafteinsatz konnten Manschette und Gullykörper nicht getrennt werden. Am Versuchsbecken demonstrierte Thomas Dreisilker von der Anwendungstechnik der Sita die Dichtigkeitsprüfung. Während die DIN EN 1253 eine ein Meter hohe Wassersäule über 20 Minuten fordert, prüft Sita nach GET mit einer zwei Meter hohen Wassersäule über eine Stunde – was mit dem RAL-Prüfzeugnis dokumentiert wird. Für Verblüffung sorgte auch der Vergleich der Ablaufleistung eines Rechteck- und eines normalen Rundrohres der Attikagullys im Wasserbecken. Hier begeisterte das Rechteckrohr des SitaTurbo mit seiner, im Vergleich zum SitaEasy Rundrohr, bis zu zehnfachen Ablaufleistung.

Flachdach-Richtlinie: Schrauben nachziehen

Nach einer kleinen Pause ging es in den Showroom der Sita. Hier gab es nicht nur das gesamte Sortiment, teilweise in praxisorientierten Einbausituationen, sondern auch so manchen guten Rat – z. B., dass die Schrauben der Schraubflanschgullys lt. den neuen Flachdachrichtlinien zweimalig nachgezogen werden müssen. Einmal nach 24 Stunden und dann noch einmal nach 48 Stunden. Die Teilnehmer steuerten so manch gute Idee bei. Vielen war nicht bewusst, dass beim Einbau von Gullys lt. DIN immer ein Abstand von 300 mm zu aufgehenden Bauteilen einzuhalten ist. Allgemein begrüßt wurden Bauelemente, die dem Verarbeiter zuarbeiten, so wie die profilierten Dämmkörper, die das Ausschneiden des Gully-Negativprofils erübrigen. Dominic Hill von Hill Bedachungen aus Südlohn: „Die ersparen eine halbe Stunde Einbauzeit – Minimum. Wir nehmen die immer.“

Was Dachdecker bei der neuen Flachdach-Richtlinie beachten müssen


Letzte Aktualisierung: 05.04.2017

Konkret und aktuell: Unsere Praxis-Tipps

Das Regelwerk komplett




Mit dem exklusiven Onlinezugang zum Regelwerk und der Loseblattsammlung in zwei Ordnern, die alle Fachregeln, Hinweise und Merkblätter enthält

Ratgeber Digitale Werkzeuge

"Digitale Werkzeuge" am Bildschirm lesen



Zum Download für Abonnenten

Zum Download für Nicht-Abonnenten