Das sagen Dachdecker zur Corona-Krise

Dachdecker sind durch das Corona-Virus genauso betroffen wie andere Handwerker. Bei DDH äußern sich Unternehmer, was sie tun, um den Betrieb aufrecht zu erhalten und zu sichern.

Krawczyk-Karl-Heinz
Karl-Heinz Krawczyk, Landesinnungsmeister des Dachdecker-Handwerks Baden-Württemberg Foto: Landesinnung Baden-Württemberg.

DDM Karl-Heinz Krawczyk, Landesinnungsmeister des Dachdecker-Handwerks Baden-Württemberg: "Corona hat uns nicht kalt erwischt, überrascht waren wir im Landesverband dann aber doch darüber wie schnell es zur Pandemie wurde und welche Einschränkungen damit verbunden sind. Bereits vor einigen Jahren haben wir begonnen zunehmend Online Meetings, wir nutzen GotoMeeting, durchzuführen. Der Grund war unnötige An- und Abfahrtszeiten und damit auch unproduktive Zeit und Kosten deutlich zu reduzieren. Damit waren wir bereits vom Start an des Kontaktverbotes weiterhin voll handlungsfähig. Zwischenzeitlich nutzen auch unsere Innungen, die Mitarbeiter im Verband, die Geschäftsführung und Vorstand zunehmend die Online Meetings um sich intern auszutauschen. Das dürfte auch eine positive Auswirkung von Corona sein, da die Bereitschaft zur Digitalisierung und Online Meetings stark zugenommen hat. Nachteilig dürfte die Verunsicherung sein die bei uns im Dachdeckerhandwerk vorhanden ist. Noch ist nicht absehbar welche Folgen Corona langfristig für uns haben wird. Es gibt einige wenige Betriebe die von Corona betroffen sind, weil Mitarbeiter infiziert sind. Aktuell, und dafür sind wir sehr dankbar, arbeiten alle anderen fast völlig uneingeschränkt. Das ist der Fall weil unsere Betriebe sehr schnell alle Anforderungen bezüglich der Hygiene und des Arbeitsschutzes umgesetzt haben. Einteilung der Mitarbeiter in feste Gruppen, damit bei Ausfall nicht die ganze Firma stillgelegt werden muss, Bereitstellung von genügend Masken und Desinfektionsmittel und ausführliche Informationen durch den Zentralverband, dem Landesverband und den Innungen waren dabei sehr hilfreich. Jetzt zeigt sich, dass es gut ist Mitglied einer starken Gemeinschaft zu sein. Betroffen macht uns wie viele Menschen und Firmen aktuell überhaupt nicht arbeiten dürfen. Klar ist, wenn die Wirtschaft weiterhin ausgebremst wird, wird das auch Folgen für uns Dachdecker haben. Wenn das Geld knapp ist werden unsere Kunden es sich zweimal überlegen Sanierungen oder Neubauten anzugehen. Deshalb ist es wichtig die Wirtschaft jetzt langsam und angemessen wieder hochzufahren. Das betrifft auch unsere Schulen, insbesondere die Berufsschulen, die aktuell auch stillgelegt sind. Man darf nicht dauerhaft in Schockstarre fallen sondern muss jetzt angemessen reagieren und eine positive Zukunft auf den Weg bringen. Ich bin davon überzeugt, dass es nach einer Tiefphase auch wieder einen Aufschwung geben wird. Mein Wunsch ist, dass wir alle bis dahin gut durchhalten und gesund bleiben".

Mathias Handschuh
Matthias Handschuh Foto: Handschuh Bedachungen

DDM Matthias Handschuh: "Die Geschäftsleitung hat in Abstimmung mit dem Betriebsrat verschiedene Maßnahmen und Vorkehrungen getroffen.Unsere Mitarbeiter haben schon in Voraussicht auf eine evtl. Verschärfung der „Ausgangssperre“ ein Formular zur Vorlage bei Kontrollen bekommen, welches ihnen ermöglichen soll zwischen Wohnsitz und Arbeitsstätte zu pendeln.Hierzu gab es ein Rundschreiben unseres LIV. Wir haben Kundentermine, für unsere Projektleiter, bis auf weiteres weitgehend abgesagt/verschoben und nur in sehr dringenden Fällen (z.B Wassereinbruch o.ä) wird es Ortstermine, Kundenkontakt geben, außer man könnte mittels Fotos und Mails schon einiges abklären. Unsere Mitarbeiter fahren zum Großteil mit dem privaten PKW auf die Baustelle, sodass ein enges zusammensitzen im Firmentransporter, den nur noch ein Mitarbeiter zur Baustelle fährt, ausgeschlossen ist. Zudem wurde, für Hygienemaßnahmen, jedes Fahrzeug mit Desinfektionsmittel ausgestattet. Ansonsten das Übliche mit Schutzmasken und Schutzhandschuhen. Einen Appell an die Vernunft der Mitarbeiter den geforderten Abstand untereinander zu wahren.Selbstverständlich muss die Gefahr in der Gefährdungsbeurteilung mit einfließen und unter anderem arbeiten auf engsten Raum sowie Kontakt zu Personen aus Risikogruppen ausschließen".

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Bernd Friedrichs
Bernd Friedrichs Foto: KH Steinfurt-Warendorf

DDM Bernd Friedrichs: "Am Sonntag haben wir mit unseren Projektleitern an Einsatzplänen für die nächsten 4 Wochen rumgefeilt und ein Hinweisblatt zusammengestellt wie wir verfahren wollen. Wir dürfen als Handwerker ja zwar weiterarbeiten, aber wir müssen dafür Sorge tragen das uns im Falle einer Erkrankung nicht der gesamte Betrieb geschlossen wird und natürlich müssen wir Sorge für unsere gesamte Belegschaft übernehmen.

Das schwierigste ist im Moment die Kolonnen-Besetzung. Wir können ja nicht mehr zwischen den einzelnen Kolonnen die Mitarbeiter hin und her wechseln lassen. Das bedeutet, und das ist heute bereits eingetreten, fällt ein Mitarbeiter z.B. bei einer Zweier-Kolonne aus, und das kann ja auch immer wegen einer anderen Krankheit oder einem anderen Vorfall geschehen, und kann der verbleibende Mitarbeiter nicht alleine weiterarbeiten, muss auch der freigestellt werden. Wir können diesen ja an keiner anderen Baustelle mehr beschäftigen.

Gleiche sportliche Aufgabe haben wir bei unseren Familienvätern. Hier versuchen wir einen gemeinschaftlichen Weg mit allen zu finden damit nicht alle Familienväter zur gleichen Zeit zu Hause bleiben um die Kinderbetreuung sicherzustellen. Bis jetzt gelingt uns das noch, aber wir haben ja auch erst den ersten Mittwoch nach der Stunde Null. Also zum Tagesgeschäft beschäftigen wir uns jetzt einen Großteil damit, die notwendigen Schutzmaßnahmen sicherzustellen als auch die Baustellen am Laufen zu halten. Aktuell ab heute kommen jetzt noch die Meldungen der Lieferanten die schon mal vorsorglich auf Lieferengpässe hinweisen, weil LKW-Fahrer ausfallen oder die Kommission in deren Lägern aufgrund von Personalmangel nicht mehr so funktioniert wie sonst."

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Felix Moll
Felix Moll Foto: DDH

DDM Felix Moll: "Auch wir sind leider nicht vom Virus verschont geblieben und haben bereits Maßnahmen im Betrieb ergreifen müssen. Zwei unserer Auszubildenden sind in Quarantäne, glücklicherweise befanden sich diese nicht im Betrieb und die Meldung kam bereits am Sonntag vor dem nächsten Zusammentreffen mit weiteren Mitarbeitern. Der Lehrgang der ÜBL woran die Auszubildenden derzeit teilnahmen wurde unterbrochen.

Weitere Mitarbeiter müssen derzeit in Abstimmung mit den Familien die Aufsicht der eigenen Kinder sicherstellen und sind tageweise beurlaubt. Als Familienbetrieb halten wir eng zusammen und haben stehts ein offenes Ohr für unsere Mitarbeiter. So wurden z.B. Fitnessgeräte für eine Fitnessecke der beiden jüngeren Mitarbeiter im Betrieb gestellt, somit können diese dem Hobby ohne Risiko mit entsprechenden Desinfektionen weiterhin nachgehen.

Um einen Totalausfall der Kapazitäten auszuschließen haben wir unsere Mitarbeiter in kleine Zweier-Teams, welche nun immer zusammen fahren, eingeteilt. Arbeitsbeginn ist auf der Baustelle und die Firmenfahrzeuge werden mit nach Hause genommen. Somit können wir den Kontakt der Mitarbeiter untereinander vermeiden und es fallen allenfalls einzelne Teams weg. Die Materialbelieferung findet ausschließlich über die Anlieferung des Großhändlers statt. Wir hoffen so zumindest einen Teil der Kapazitäten für einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten zu können".

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Michael Regenauer
Michael Regenauer Foto: DDH

DDM Michael Regenauer: "Wir haben die halbe Bürobelegschaft zum Homeoffice nach Hause geschickt und halten unsere morgendlichen Besprechungen per Skype/Teams ab was sehr gut funktioniert. Auf den Baustellen achten wir darauf, dass wir die Kolonnen beisammen halten und nicht mischen, um eine interne Übertragung zu verhindern. Termine und Bausitzungen mit mehr als drei Leuten haben wir abgesagt. Auf den Baustellen haben wir unsere eigenen Toiletten besorgt, die wir exklusiv nutzen. Desinfektionsmittel und Verhaltensregeln wurden verteilt die wir konsequent durchsetzen. So fahren die Kolonnen erst auf die Baustelle und nach Absprache kann dann über Tag Material vom Bauhof abgegriffen werden, damit sich die Mitarbeiter nicht begegnen. Neben Händewaschen/desinfizieren ist Zuversicht der Beste Schutz fürs Immunsystem und so lassen wir uns unsere gute Laune bei aller gebotenen Vorsicht nicht verderben. Ich hoffe, dass das so bleibt".

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Mathias Koch
Mathias Koch Foto: Koch Bedachungen

Mathias Koch: "Die Entwicklung des Corona Virus ist in der Koch – Gruppe ein sehr wichtiges Thema. Jede Kolonne wird einzeln auf den Parkplatz gelassen, um eine Entzerrung der Sammelpunkte zu erreichen. Lieferanten dürfen nur noch nach telefonischer Anmeldung das Grundstück betreten. Geschäftstermine werden nur nach vorheriger Bestätigung dass in der letzten Zeit kein Besuch in einem Risikogebiet nachgewiesen wurde, durchgeführt. Des Weiteren werden unseren Kolonnen genug Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt.

Derzeit gehen wir auf unsere Auftraggeber zu, bezüglich der erhöhten Hygieneerfordernisse auf Baustellen, dass diese umgesetzt werden. Von vielen Bauherren und Auftraggeber wird die Situation leider noch nicht zu 100% ernst genommen. Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Ihren Familien bestmöglich zu schützen und werden dies ohne auf Kosten zu achten durchsetzen.Wir nehmen die Vorkehrungen sehr ernst und versuchen alles uns mögliche zu tun, trotz aller Vorkehrungen einen geregelten Arbeitsbetrieb sicherzustellen.

Abschließend ist zu erwähnen, dass wir neben den Regelungen für Kurzarbeitergeld, Steuerstundungen und sonstigen Hilfspakete für liquiditätsschwache Unternehmen das Werksvertragsrecht einfrieren müssen. Die richtigen Probleme kommen erst, wenn über Vertrags- oder Konventionalstrafen wegen Terminverschiebungen die Bauherren ihre Objekte refinanzieren zu versuchen".

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Albert Hintzen
Albert Hintzen. Foto: Hintzen

Albert Hintzen: "Aktuell arbeiten wir nach wie vor. Da unser Gewerk tendenziell eher dem Kunden aufs Dach steigt und die Kunden auch häufig nicht schwindelfrei sind, halten wir sämtliche Abstände ein. Die Kunden zeigen sich daher wenig besorgt. Grundsätzlich fahren die Mitarbeiter nur zu zweit in einem Auto. Es wird aktuell nicht auf engen Raum zusammen gearbeitet, eine gute Belüftung ist standardmäßig gegeben. Darüber hinaus haben wir Desinfektionsmittel und jede Möglichkeit die Hände zu waschen wird genutzt. Glücklicherweise haben wir noch keine Aufträge einbüßen müssen."

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So minimieren Sie das Ansteckungsrisiko
  •  Waschen Sie sich regelmäßig und sorgfältig die Hände.
  •  Desinfektionsmittel sind eine gute Unterstützung.
  •  Halten Sie sich an die Husten- und Nies-Etikette. 
  •  Halten Sie mindestens 1,5 Meter Abstand zu Erkrankten.
  •  Verzichten Sie auf das Händeschütteln.

Ihre Kontaktmöglichkeit zum Thema Corona :

ZVDH-Vizepräsident Michael Zimmermann auf youtube :

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Letzte Aktualisierung: 27.04.2020