Tragschrauber: Dachinspektion aus der Luft

Tragschrauber: Drohnen nutzen einige Dachdecker bereits zur Dachinspektion. Die Dachdeckermeister Robert Krause und Christoph Ruhrmann setzen, wenn es um die Kontrolle mehrerer Objekte geht, lieber auf die Vorteile des Tragschraubers; Und fliegen so zu zweit über die Kölner Dächer.

Tragschrauber
Die Schlacht ist geschlagen: Johannes Messer (links) hat den Kurzflug von 3 Minuten mit Dachdecker und Pilot Robert Krause überstanden. Foto: Ruhrmann

Gerade mal 5,10 Meter lang, 1,80 breit und 2,50 hoch, das sind die Maße des orangefarbenen Fluggerätes von Dachdeckermeister Robert Krause. Auf dem Flughafen Hangelar, zwischen Bonn und Sankt Augustin, steht sein Tragschrauber. Der Flieger sieht aus wie ein offener, kleiner Hubschrauber, ist aber keiner. „Ein Tragschrauber oder Gyrocopter kann weder senkrecht starten noch landen. Dafür ist er extrem wendig und kann sehr langsam fliegen. Robert Krause ist seit 10 Jahren Pilot und hat genau wie sein Partner Christoph Ruhrmann sein Hobby zum Beruf gemacht. Krause liebt seinen Tragschrauber, das merkt man sofort. „Beim Tragschrauber wird der Rotor bei leicht nach hinten geneigter Achse durch den Fahrtwind in Drehung versetzt, also nur durch den Luftstrom.

Er ist so ständig in Autorotation. Beim Starten und Landen braucht man nur ganz kurze Strecken und wenn es tatsächlich einmal ein Motorproblem geben sollte, dann kann man trotzdem völlig weich und „knitterfrei“ auf kleinstem Raum landen“, so Krause. Bei unserem Probeflug kümmert sich Krause fürsorglich um mich. Detailliert erklärt er, wie die Maschine aufgebaut ist. Dann ziehe ich einen Fliegeroverall an und klettere mit Herzklopfen auf den hinteren der beiden Sitze.

Unterwegs mit zwei Nikon Z7

Recht leise steigen wir hoch und gleiten ohne viele Turbulenzen mit gemütlichen 80 km/h eine kleine Runde über Sankt Augustin: Es geht über einen Golfplatz, über die Autobahn und Wohnhäuser.

Tragschrauber Nikon
DDM Christoph Ruhrmann in Aktion mit seiner Nikon Z7. Foto: Ruhrmann

Im Gegensatz zu kleinen Propellermaschinen ist der Tragschrauber offen. Für Fotografen ideal, für mich gewöhnungsbedürftig. Über Funk erklärt Krause mir, wo wir gerade sind. Wenn es schneller gehen soll, kann die 100 PS Maschine auch bis zu 180 km/h fliegen. Aber wir haben ja Zeit.

Ein kurzer Blick steil nach unten – ich schließe doch lieber die Augen, kralle meine Hände in den Sicherungsgriff vor mir und hoffe, dass wir bald wieder festen Boden unter den Füßen haben. Nach rund drei Minuten sind wir wieder auf der Erde. Ruhrmann, der von unten fleißig Fotos geschossen hat, zeigt mir anschließend den Tragegurt, mit dem er sein Equipment gesichert hat, wenn er sich und seine Nikon Z7 plus 300 mm Brennweite in ungefähr 400 Metern Höhe aus dem Tragschrauber lehnt.

Für mich eine Horrorvorstellung – aber Dachdecker sind ja schwindelfrei.

Die Kombination aus Pilot und Fotograf plus Sachkenntnis in Dachtechnik ist für beide Dachdeckermeister seit rund zwei Jahren ein Geschäftsmodell. Auf www.dachcheckpro.de/ präsentieren sich die beiden Dachdecker. Die schmucke Webseite ist neu und informiert anschaulich Schritt für Schritt, welche Vorteile eine Dachinspektion per Tragschrauber hat. In Ruhe und langsam potentiell schadhafte Dächer in Köln und Umland abfliegen und dem Auftraggeber die Fotografien zur Verfügung stellen. Das ist im Fall von Ruhrmann und Krause unter anderem die Kölner Wohnungsgenossenschaft „Die Ehrenfelder“, für die Dachdeckermeister Christoph Ruhrmann seit über 20 Jahren mit seinem Bedachungsunternehmen tätig ist. Als Ruhrmann den ausgebildeten Piloten Krause kennen lernte, entwickelten sie die Geschäftsidee der Dachinspektion aus der Luft.

Gegensatz zur Drohne: Ruhe und Zeit

Aber eignet sich für eine Dachinspektion nicht besser eine Drohne? Beide Dachdeckermeister schütteln den Kopf. „Nein, die Drohne mag ihre Vorteile im ländlichen Raum bzw. auch bei einem einzelnen Objekt haben. Doch in Ballungsgebieten wird es schnell schwierig. Ich muss die Drohne ja immer im Auge behalten. Und dann die ganzen verschiedenen Genehmigungen und dann der Stress mit den Anwohnern – das habe ich schnell aufgegeben“, berichtet Ruhrmann aus Erfahrung. Darüber hinaus ist unsere Variante bei der Kontrolle mehrerer Objekte definitiv schneller, stressfreier und wirtschaftlicher. Mit seinem Pilotenflugschein muss sich Krause nicht mit Verordnungen vor Ort herum plagen.

Wenn die Anfrage kommt und die Zeit da ist, fliegen beide ganz gemütlich in rund 20 Minuten von St. Augustin nach Köln. Je nachdem wie dicht die zu fotografierenden Objekte beieinander liegen, fotografieren wir bis zu 200 Objekte innerhalb einer Stunde und benötigen wieder etwa 20 Minuten bis zum Flugplatz zurück. Das ist ein recht überschaubarer Zeitaufwand. Dann geht es für DDM Ruhrmann an die Auswertung. Die Aufnahmen werden mit Adobe Lightroom entwickelt und verwaltet. Die Markierung und Dokumentation von Schäden erfolgt dann mit gesonderter Software. Die Bilder der betroffenen Objekte werden unmittelbar per Cloud-Speicher an den Kunden weitergegeben; das gesamte Bildmaterial erhält der Kunde aufgrund der Datenmengen per externer Festplatte.

Johannes Messer

Anmerkung der Redaktion: Kürzlich ­– leider erst nach Druck der aktuellen Ausgabe 16.2019 – haben wir mit Bestürzung vom plötzlichen Tod von Dachdeckermeister Christoph Ruhrmann erfahren. Unser herzliches Beileid gilt den Angehörigen und Freunden von Christoph Ruhrmann.

Den gesamten Artikel lesen Sie in DDH 16/19

Letzte Aktualisierung: 20.08.2019