Dachrand oder Dachfläche?

Was vor wenigen Jahren noch kein Thema war, ist durch Verordnungen nunmehr eines geworden: die Frage, wann ein Dachrand ein Dachrand ist und wann er zu einer Dachfläche wird.

Der Grund für die aufkommende Diskussion ist der Umstand, dass die Mauerkronen von Attiken wegen der erforderlichen Dämmstoffdicken auf der Außen- wie auch auf der Innenseite immer breiter werden. So sind Kronenbreiten von 40 cm bis 60 cm und mehr inzwischen keine Seltenheit mehr. Wurden bislang die Mauerkronen problemlos mit Mauerabdeckprofilen aus Metall, vornehmlich mit Aluminiumprofilen, abgedeckt, wird diese Ausführung zunehmend unwirtschaftlich und führt darüber hinaus zu technischen Problemen u. a. wegen der thermischen Längenänderung und der oftmals damit verbundenen Geräuschentwicklung.

Da aber Dachränder grundsätzlich eines Abschlusses bedürften (vergl. Fachregel für Abdichtungen Abschnitt 4.6 Dachrandabschlüsse(1)), kommen wieder häufiger Dachrandabschlussprofile zur Ausführung.

Doch schon gleich im nächsten Satz der Regel

(2) Die Höhe der Abdichtung an Dachrandabschlüssen soll

- bei Dachneigungen bis 5° mindestens 0,10 m,

- bei Dachneigungen über 5° mindestens 0,05 m

über Oberfläche Belag betragen

© Verlagsgesellschaft R. Müller, ZVDH

fangen die Interpretationsmöglichkeiten an. Handelsübliche Dachrandabschlussprofile in zweiteiliger Ausführung, also dem Basisprofil, bei dem die Abdichtung über den schrägen Schenkel bis zur Innenkante für die Klemmvorrichtung geführt wird, weisen bis zu dieser Oberkante bauartbedingt eine Höhe zwischen 25 mm 45 mm auf.

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Unsere Fachregel sagt uns, dass Abdichtungen bis zu ihrer Oberkante/der notwendigen Anschlusshöhe wasserdicht ausgeführt werden müssen. In der Fachregel für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk, hier der Abbildung AIII.16 Dachrandabschlüsse, wird bei der Angabe h1 ein Mindestmaß von 25 mm angegeben, womit die Dachrandablussprofile dieser Forderung Genüge tun.

Aber: reicht das Erfüllen dieser einen Forderung bei einer 60 cm breiten Mauerkrone tatsächlich aus?

Dazu ein Beispiel.

Die dachseitige Höhe der Attika beträgt 80 mm über Oberkante Belag. Die Kronenbreite der Attika wird mit 60 cm angenommen und ist waagerecht. Das Dachrandabschlussprofil ist in der Ebene der Attikakrone montiert. Die Abdichtung wird auf einer Höhe von 35 mm in das Dachrandabschlussprofil geführt. Es ergibt sich also eine Gesamthöhe von 115 mm über Oberkante Belag.

Nach Auffassung einiger Kollegen/Kolleginnen muss unterhalb des Aufsetzschenkels des Dachrandabschlussprofils zur Erhöhung eine weitere, mindestens 40 mm hohe Randbohle angeordnet werden, um den Forderungen zu entsprechen. Sie berufen sich u. a. auf die Abbildung 7.3 "Dachrandabschluss mit mehrteiligem Profil…" und der Abbildung 7.1 "Starrer Dachrandabschluss…" im Anhang II der Flachdachrichtlinie. Bei beiden Abbildungen wird sich bei den Anschlusshöhen auf den Abschnitt 4.6 der Flachdachrichtlinie bezogen. Bei Abbildung 7.1 wird hierbei die Höhe auf die dachseitige Kante der Attika bestimmt. In der Folge leiten die Kollegen/Kolleginnen ab, dass die Höhe der vorderen Kante irrelevant für die Bemessung wäre, also die Kante des Dachrandabschlussprofils nicht das Maß der Dinge sein könnte. Insofern muss nach deren Interpretation muss die Breite der Attikakrone als Dachfläche betrachtet werden. Auch die Abbildung 7.2 "Beweglicher Dachrandabschluss" bringt ihnen mehr Irritationen denn Sicherheit.

Der Unterschied liegt jedoch im Detail. Die Abbildungen 7.1 und 7.2 zeigen Mauerabdeckungen bei einem Dachrandabschluss. Bei der Abbildung 7.2 muss die Anschlusshöhe an der dachseitigen Kante gemessen werden, da die Abdichtung unterhalb der Mauerabdeckung waagerecht verläuft, die Mauerabdeckung analog zu der Fachregel aber ein Gefälle zu der Dachseite haben muss, da Mauerabdeckungen zunächst nur den Status einer Eindeckung haben können, denn sie sind im Naht- bzw. Stoßbereich nicht wasserdicht ausgeführt. Bei der Ausführung gem. Abbildung 7.1 muss die gefällegebende Unterkonstruktion der Mauerabdeckung geschützt werden. In beiden Fällen wird die Forderung nach der Wasserdichtheit bis zur Oberkante der Abdichtung erfüllt.

Bei einem Dachrandabschlussprofil wird die dachseitige Abdichtung üblicherweise nicht durchdrungen. Die ausreichende Höhe kann auch über mehrere stufenförmig ausgebildete Randkonstruktionen erreicht werden. Der Dachrand als solches zählt unabhängig von seiner Breite nicht zur Dachfläche, sondern stellt ein eigenes Bauteil dar. Danach gibt es nach Auffassung des Autoren keine zwingende Vorschrift, die grundsätzlich bei Attiken im Außenrandbereich eine zusätzliche Holzbohle fordert.

Es liegt allerdings in der Verantwortung des Dachbauhandwerkers zu entscheiden, wie breit eine Mauerkrone sein darf, um nicht doch als zusätzliche Maßnahme eine Erhöhung vorzunehmen. Das kann bei exponierten Gebäudelagen oder höhen durchaus eine sinnvolle Maßnahme sein.

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Letzte Aktualisierung: 03.05.2011