Dachsanierung light

Bei der Dachsanierung einer Flüchtlingsunterkunft am Flughafen Weeze war aufgrund der bestehenden Brettschichtholz-Rahmenträgerbauweise eine Deckung mit geringem Flächengewicht gefordert. Dachdeckermeister Grote verlegte einen Betondachstein mit einem Stückgewicht von 3 kg.

Titelstory Weeze Flüchtlingsheim (1)
Der Blick auf die circa 2.500 m2 Dachflächen des ehemaligen Kasernengebäudes am Flughafen Weeze. Fotos: Braas

Aus dem ehemaligen Militärflughafen Weeze wurde im Sinne eines Konversionsprojekts ein Verkehrsflughafen, der im Wesentlichen von sogenannten Billigfluglinien genutzt wird. In dem heutigen zivilen Flughafen waren als Provisorium auf dem Höhepunkt der Flüchtlingszuwanderung in den alten Kasernengebäuden Flüchtlinge untergebracht. Im Zuge einer großen Umstrukturierung sollte aus der provisorischen Nutzung eine offizielle Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) entstehen. Herzstück der Anlage ist ein zentrales Gebäude, das ehemalige Offizierscasino, in dem Essenssäle, Waschräume, Büros und eine Krankenstation untergebracht wurden. Der gesamte Komplex umfasst eine Fläche von circa 10.500 m2. Aus der eingeschossigen Gebäudeanlage mit Binder-Dachtragwerk entstand ein Gebäudekomplex, in dem die Sozialbetreuung, eine Sprachschule, eine Mensa, die Kinderbetreuung, ein Jugendcafé sowie die Sozialräume und Büros untergebracht sind. „Eine Unterbringungsmöglichkeit für 500 Flüchtlinge plus 250 Reserveplätze“ lautete die Planung für das Areal.

Altes Dachtragwerk – kosteneffizient und spannend zugleich

Die alten Hallen des Offizierscasinos mit einer durchschnittlichen Gebäudebreite von circa 12 m waren nach dem Krieg vor allem unter dem Gesichtspunkt des rationellen Bauens für die britischen Streitkräfte als Fertigbau ausgeführt worden. Dabei wurden die Dachlasten teilweise von Rahmenträgern in Brett-Nagelbauweise aufgenommen, die im Achsmaß von etwa 4 m angeordnet wurden. Diese Rahmensysteme wurden als Träger und Stütze ausgebildet, sodass in der Ebene des Rahmens keine weiteren Aussteifungen erforderlich waren, um die Horizontalkräfte aufzunehmen. Auch die Konstruktionshöhen des Riegels konnten so niedrig gehalten werden, da die Stützen einen Teil der Biegebeanspruchung aufnehmen können. Da diese Beanspruchung des Rahmenstiels von der Rahmenecke zum Fußpunkt hin abnimmt, konnten die damaligen Konstrukteure den Rahmenstiel zum Fußpunkt hin verjüngen. Dies ergibt einen spannenden Raumeffekt, vor allem im Rohbau. Gegen seitliche Verschiebungen wurden die Rahmenelemente mit den Koppelpfetten ausgesteift, die auch die alten Wellplatten getragen haben. Die Dachneigung der Konstruktion beträgt circa 20°. Diese Konstruktion erlaubt allerdings bei der späteren Ertüchtigung des Daches keine zusätzlichen hohen Lasten. Weitere Gebäudeteile wurden mit Holz-Fachwerkbindern überspannt.

Horst Pavel

Den kompletten Beitrag lesen Sie in DDH 12.2018.

Letzte Aktualisierung: 18.06.2018

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