Dachsanierung auf Fränkisch

140-mm-Dämmung zwischen den Sparren und genau so viel obendrauf: Mit einem U-Wert von 0,13 W/(m² · K) hebt Dachdeckermeister Timo Markert ein Mehrfamilienhaus in Würzburg technisch und energetisch in die Neuzeit. Für die Deckung kamen großformatige Ziegel in der Fläche und eine Metallbekleidung an den Gauben zum Einsatz.

Mehrfamilienhaus Würzburg DDM Markert
Im Krieg zerbombt, in den 1950er-Jahren wieder aufgebaut und 2018 umfangreich saniert: DDM Timo Markert hob das neue Dach des Mehrfamilienhauses in Würzburg mit seinem Team auf Passivhausniveau. Fotos: Knauf

Das Mehrfamilienhaus an der Ecke Sanderring und Münzstraße in Würzburg ist typisch für den deutschen innerstädtischen Nachkriegsbau. Funktional ausgeführt bietet es Platz für Wohnungen und Gewerbe im Erdgeschoss. Der Wärmeschutz des Wohngebäudes mit insgesamt sechs Geschossen entsprach bis zu seiner Sanierung dem der 1950er-Jahre und war weit entfernt von heutigen Standards. 2018 stand dann eine umfassende Überholung der Gebäudehülle auf dem Plan.

Energieeinsparung rückte in den Fokus

Während der Nachkriegszeit waren Energieeffizienz und Wärmeschutz untergeordnete Anforderungen an Häuser, die für die Bevölkerung der vom Wirtschaftswunder geprägten Zeit benötigt wurden. Die gesamte Gebäudehülle sollte 2018 im Zuge einer Generalsanierung vom Keller bis zum Dach auf den KfW-115-Standard und damit beinahe auf Neubauniveau gehoben werden. Im ersten Schritt wurde das Dach in Angriff genommen. Die Architekten Roth & Partner aus dem nahegelegenen Kitzingen entschieden sich für eine Kombination aus Zwischen- und Aufsparrendämmung aus nicht brennbarer Mineralwolle, die für einen zukunftsfähigen Dämmwert sorgen sollte. Auf dem Dach kam ein Kombi-Dämmsystem zum Einsatz. Bei dieser Variante der Dachdämmung werden Glas- und Steinwolle-Dämmschichten zwischen und auf den Sparren kombiniert. Der Clou des Systems: Die Dampfbremse liegt flach zwischen den Dämmschichten und eine wannenförmige Verlegung in die Gefache entfällt.

Dampfbremse zwischen den Dämmschichten

Die Dämmung musste von außen aufgebracht werden, ohne die Wohnräume zu beeinträchtigen, da das Dachgeschoss auch während der Arbeiten bewohnt blieb.
Dachdeckermeister Timo Markert aus Albertshofen, der mit seinem Team den Auftrag für die Dachsanierung bekam, wählte für die Aufgabe mit dem Kombi-Dämmsystem eine Lösung, die die Umsetzung einfach und dauerhaft sicher machen sollte.
Bei diesem System liegt die Dampfbremse als luftdichte Ebene zwischen den Dämmschichten. Eine wannenförmige Verlegung der Folien in die Gefache entfällt.

Hygrothermische Simulation

Zwar besagt die 20 %-Regel der DIN 4108, Teil 3, dass die Umsetzung von Dachaufbauten ohne rechnerischen Nachweis nur erlaubt ist, wenn maximal ein Fünftel des Wärmedurchlasswiderstands der Gesamtkonstruktion raumseitig von der Luftdichtheitsschicht liegt. Jedoch wird vom Dämmsystemhersteller ein Nachweis zur Umsetzbarkeit mit Gutachten des Zentrums für Umweltbewusstes Bauen e. V. an der Universität Kassel geführt. Das Feuchteverhalten der Konstruktion wurde dort durch mehrdimensionale hygrothermische Simulationsrechnungen überprüft. Voraussetzung für den Systemaufbau ist allerdings, dass die raumseitige Beplankung ausreichend dicht ist. Dies war in Würzburg der Fall, da eine sorgfältig verputzte Beplankung aus Heraklith Holzwolle-Platten vorhanden war – ein typischer Baustoff für diese Art von Gebäuden, der sowohl für einen gewissen Wärme- als auch für Schallschutz sorgte.

Dachsanierung Würzburg 6
Oberhalb der Aufsparrendämmung sorgt eine Unterdeckbahn für Witterungsschutz. Konterlatten, geschraubt nach Herstellerangabe, sichern das 140 mm dicke Dämmpaket gegen Zug und Schub. Foto: Knauf

Schicht für Schicht

Nach dem Abriss der alten Biberschwanzdeckung und der Unterkonstruktion kamen die Sparren im Format 14 × 10 cm zum Vorschein, die an einer auskragenden Betondecke endeten. Auch die innen liegende Haut aus Holzwolleplatten im Bereich der Dachgeschosswohnungen wurde freigelegt und geprüft. Nach ein paar erforderlichen Ausbesserungsarbeiten konnten die Bereiche zwischen den Sparren mit Zwischensparren-Dämmrollen in 140 mm Dicke vollflächig ausgedämmt werden. Lediglich oberhalb der Wohnungen im Dachspitz wurde noch keine Dämmung eingebracht, da diese in einem späteren Schritt raumseitig im ungenutzten Speicher verlegt werden konnte.

Den ausführlichen Artikel mit detaillierten Informationen zum Schichtaufbau lesen Sie in DDH 16/19

Markus Bemmerl



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Letzte Aktualisierung: 28.08.2019