„Das Miteinander in den Vordergrund stellen“

Die Diskussion über die richtige Gebäudesanierung, die Lohnentwicklung in den Betrieben, das Thema Flüchtlinge, die wirtschaftliche Lage und natürlich die kommende DACH+HOLZ International: ZVDH-Hauptgeschäftsführer UIrich Marx nimmt im Interview Stellung zu den aktuellen Themen, die uns 2016 beschäftigen werden.

Der Dachbranche geht es insgesamt weiterhin recht gut, dennoch gab es fünf Quartale in Folge mit Umsatzrückgang (gegenüber dem jeweiligen Vorjahresquartal) und die Dachdecker investieren relativ wenig. Was bremst den Markt?

UIrich Marx
Ulrich Marx zum Thema Flüchtlinge: „Den Weg über die Einstiegsqualifikation halte ich für den besten. Hier gibt es bereits Dachdecker-Innungen und Verbände, die Flüchtlinge gezielt fördern.“ Fotos: DDH

Ich denke, es kommen mehrere Faktoren zusammen. Durch die Finanzkrise 2008/2009 entstand ein immenser Investitionsstau, der sich in den Folgejahren auflöste – begünstigt durch die Konjunkturprogramme des Bundes und das auch damals bereits niedrige Zinsniveau. Das führte bei unseren Betrieben bis circa 2013 zu einer Steigerung auf ein sehr hohes Umsatzniveau, es gab bei den Bestandsbauten wie im öffentlichen Bau einiges zu sanieren, und wir haben keinen wirklichen Einbruch erlebt. Nun sind wir drei Jahre weiter und die Zinsen sind immer noch sehr niedrig. Ein Teil der Bevölkerung lässt sich deshalb Zeit mit ihren Investitionen, weil sie weiterhin keine Zinserhöhungen erwarten. Viele andere haben Probleme, das Eigenkapital aufzubringen, weil die Spareinlagen kaum verzinst werden. Das heißt: Eigentlich haben wir ein gutes Bauklima und volle Auftragsbücher. Zusammenfassend: Ich glaube nicht, dass die Umsatzentwicklung so schlecht ist, wie es auf den ersten Blick scheint, denn man muss sehen, von welchem Niveau wir kommen. Wir haben allerdings auch einen hohen Fachkräftebedarf und damit ein hohes Lohnniveau. Das erklärt bei vielen Betrieben die Spanne zwischen Umsatz und Ertrag, die nicht immer zufriedenstellend ist. Allerdings zeigt unsere letzte Quartalsumfrage auch, dass die Investitionsbereitschaft bei den Dachdeckern um rund zwei Prozent leicht gestiegen ist.

Wie schätzen Sie die Lohnentwicklung der letzten Jahre ein, welche Spielräume haben Unternehmer im Dachdeckerhandwerk noch?

Die Spielräume werden immer kleiner. Die steigenden Umsätze nach der Finanzkrise wurden begleitet von Forderungen der Gewerkschaften, dass Mitarbeiter von den Mehreinnahmen profitieren müssten. Das ist geschehen. In den letzten zehn Jahren sind die Tariflöhne doppelt so hoch gestiegen wie der Preisindex. Auch der Anteil der Personalkosten am Umsatz ist in den letzten Jahren um 10,5 Prozent gestiegen und liegt bei rund 37 Prozent. Das heißt, die Schere ist kleiner geworden: die Betriebe haben Lohnerhöhungen weitergegeben, mussten gleichzeitig höhere Einkaufspreise zahlen, aber konnten dies nicht in höhere Angebotspreise umsetzen, das bedeutet kleinere Margen. In der nächsten Tarifrunde werden wir hierfür gemeinsam mit unserem Sozialpartner eine Lösung finden müssen.

Die Energiepreise im Sinkflug, zunehmende Skepsis in der Bevölkerung gegenüber Dämmmaterialien – haben energetische Gebäudesanierungen im Privatbereich ihren Höhepunkt bereits überschritten?

Die zum Teil recht negative Berichterstattung über Dämmstoffe in den Medien hat sicherlich zu einer Verunsicherung geführt. Da sind Fehler in der Kommunikation bei der Dämmstoffindustrie gemacht worden, die sich leider auf das Dämmen insgesamt ausgewirkt haben. Ich glaube, dass das Bewusstsein in der Bevölkerung für eine energetische Gebäudesanierung grundsätzlich weiterhin vorhanden ist, es hat sich aber verlagert. Die Heizungsindustrie hat es durch gute Lobbyarbeit geschafft, die Heizung mehr in den Fokus zu rücken, dadurch geriet die Gebäudehülle etwas ins Hintertreffen.

Malte von Lüttichau, Johannes Messer

Das ausführliche Interview lesen Sie in DDH 01.16.

Letzte Aktualisierung: 19.01.2016