Brandschutz: Dem Feuer trotzen

Bei der Errichtung oder Erneuerung von Dächern kommt es häufig zu Fehlern. Um diese zu vermeiden, geben wir ihnen einen Überblick über die gesetzlichen und normativen Brandschutzanforderungen.

brandschutz_normen.jpg
Damit Sie solche Brände nicht erleben müssen, sollten Sie die gängigen Normen zum Brandschutz beachten. Foto: Bilderbox

Man unterscheidet hinsichtlich der zu erbringenden brandschutztechnischen Anforderungen zwischen Bedachungen und Dächern. Spricht man von Bedachungen, so handelt es sich lediglich um die Dachhaut oder Dachdeckung. Bei Dächern hingegen handelt es sich um die Gesamtkonstruktion, bestehend aus Tragwerk, Dämmung, Deckung und eventuell vorhandener Einbauten. Bedachungen müssen lediglich einer Brandbeanspruchung von außen und Dächer zum Teil einer Feuerwiderstandsdauer von oben und unten standhalten. Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen ergeben sich für Bedachungen und Dächer verschiedene Prüfungen auf der Grundlage von genormten Brandversuchen .

Lesen Sie hierzu auch das Fachbuch "Brandschutz am Dach"

Zwischen harten und weichen Bedachungen differenzieren

In den 16 Landesbauordnungen werden Bedachungen in zwei Arten unterschieden: Bedachungen, die beständig gegen Flugfeuer und strahlende Wärme sind ("harte Bedachung") und Bedachungen, die diese Anforderung nicht erfüllen ("weiche Bedachung"). Wie in den meisten europäischen Ländern gibt es auch in Deutschland Normen, welche Anforderungen und Prüfungen zum Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen beschreiben. Für Bedachungen wurde dies bisher ausschließlich in den Normen DIN 4102-4 und 7 geregelt. In der DIN 4102-4 Kapitel 8 "Sonderbauteile" sind all jene Bedachungen aufgeführt, die ohne Prüfung die Anforderungen an "harte Bedachungen" erfüllen, zum Beispiel Bedachungen aus Ziegeln, Metallblech, Kiesschüttung, einigen Bitumendachbahnen. Für alle anderen Bedachungen ist eine Prüfung gemäß DIN 4102-7 erforderlich. Hierbei wird auf ein geneigtes Probendach (Fläche A = 250 x 200 Zentimeter) ein Drahtkorb mit Holzwollefüllung (Holzwolle Masse m = 600 Gramm) angezündet. Während und nach Abbrand der Holzwolle kommt es zu einer optischen Auswertung, in der verschiedene Kriterien wie die Begrenzung der zerstörten Oberfläche, kein Durchbrand, keine herabfallenden glimmenden oder brennenden Teile erfüllt sein müssen. Nach erfolgreicher Prüfung wird ein Prüfzeugnis ausgestellt, mit dem der Hersteller einen Antrag auf Erteilung einer allgemein bauaufsichtlichen Zulassung beim Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) in Berlin stellen kann. Derart zugelassene Bedachungen erfüllen in dem jeweils geprüften Aufbau die bauordnungsrechtliche Anforderung an "harte Bedachungen".

Übergang zu europäischen Normen

In Rahmen der europäischen Harmonisierung wird es in Zukunft europäische Normen zur Klassifizierung und zur Prüfung von Bedachungen geben. Eine Vornorm (Entwurf) für die europäische Prüfnorm existiert bereits mit der DIN V ENV 1187. In dieser werden zunächst drei und in Kürze vier Prüfverfahren berücksichtigt, welche die landestypischen Prüfungen für Bedachungen berücksichtigen. Das erste Prüfverfahren entspricht dabei der DIN 4102-7. Bei den anderen drei Prüfverfahren handelt es sich um Prüfungen der Brandbeanspruchung von Bedachungen, welche in Skandinavien, Frankreich und Großbritannien verwendet werden. Bei diesen werden zusätzliche Einwirkungen wie Windeinfluss und zusätzliche Wärmestrahlung überprüft.

In der DIN EN 13501-5 wird die "Klassifizierung mit den Ergebnissen aus Prüfungen von Bedachungen bei Beanspruchung durch Feuer von außen" festgelegt, welche entsprechend den vier Prüfverfahren nach ENV 1187 durchgeführt wurden. So entspricht der bauaufsichtlichen Anforderung "Widerstandsfähig gegen Flugfeuer und strahlende Wärme" ("harte Bedachung") die Klasse BROOF (t1), wobei t1 für das erste Prüfverfahren nach DIN V ENV 1187 steht. Die DIN EN 13501-5, welche seit Dezember 2005 gültig ist, existiert gleichwertig neben der DIN 4102-7, so dass Prüfungen nach beiden No

Beispiel: Bitumendachbahnen

Beispielhaft sei hier die Verwendung von Bitumendachbahnen genannt. Vielfach wird von der Annahme ausgegangen, dass derartige Dachbahnen aufgrund der Regelungen in der DIN 4102-4 über kein Prüfzeugnis oder Zulassung verfügen müssen. Es sei jedoch daraufhin gewiesen, dass in der DIN 4102-4 nur Dachbahnen der DIN 52128, DIN 52130, DIN 52131 und DIN 52143 in einer zweilagigen Ausführung den Anforderungen an "harte Bedachungen" genügen. Diese Bahnen dürfen jedoch entsprechend der Flachdachrichtlinie des ZVDH und der DIN 18531 nicht als Decklage bei mehrlagigen Ausführungen verwendet werden.

Sonderfall: Gründach

Einen Sonderfall bei den Bedachungen bilden die begrünten Dächer ; hier verfügt jedes Bundesland über eigene Regelungen. So sind in einigen Bauordnungen oder Verwaltungsvorschriften die jeweils zulässigen Ausführungsvarianten beschrieben, in anderen Bauordnungen fehlen derartige Regelungen ganz. Ein Beispiel aus der Verwaltungsvorschrift zur Bauordnung Sachsen-Anhalts "Bei Dächern mit Extensivbegrünung durch überwiegend niedrig wachsende Pflanzen (z.B. Gras, Sedum, Eriken) ist ein ausreichender Widerstand gegen Flugfeuer und strahlende Wärme gegeben, wenn eine mindestens 3 cm dicke Schicht Substrat (Dachgärtnererde, Erdsubstrat) mit höchstens 20 v. H. organischer Gewichtsbestandteile vorhanden ist …" In den Bundesländern, in denen es keine Regelungen zu begrünten Dächern gibt, sind diese Dächer nur auf Antrag im Rahmen einer Abweichung/Befreiung von der Bauordnung zulässig.

Dachöffnungen, Lichtkuppeln und -bänder

Gemäß obiger Definition der DIN EN 13501-5 gehören Dachöffnungen, Lichtkuppeln und -bänder ebenfalls zur Bedachung. Genügen diese nicht den Anforderungen an "harte Bedachungen", sind Ausnahmen möglich. Diese sind - wie bei den begrünten Dächern - in den jeweiligen Bauordnungen oder Verwaltungsvorschriften geregelt. So steht in der Bekanntmachung zum Vollzug der Thüringer Bauordnung ". . . Gegen Lichtkuppeln aus brennbaren Baustoffen in Dächern mit harter Bedachung bestehen keine Bedenken, wenn die Grundrissfläche der einzelnen Lichtkuppel in der Dachfläche 6 m2 nicht überschreitet, die Grundrissfläche aller Lichtkuppeln höchstens 20 vom Hundert der Dachfläche erreicht, die Lichtkuppeln untereinander und von den Dachrändern mindestens 1 m Abstand, von Lichtbändern einen Abstand von mindestens 2 m haben." Wird eine der genannten Anforderungen nicht erfüllt, so handelt es sich um "weiche Bedachungen". Diese sind nur bei Gebäuden geringer Höhe und mit besonderen Abständen möglich, wobei der Abstand nicht von der Außenwand sondern vom Dachüberstand zu berücksichtigen ist.

Steffen Slama

Themenfeld Brandschutz

Letzte Aktualisierung: 23.08.2018