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Außergewöhnlich positiv entwickelte sich die Dachdeckerkonjunktur im ersten Quartal des Jahres. Der Blick auf vergleichende Daten der Vorjahre zeigt aber: Bei den Problemthemen Fachkräftemangel und Bürokratiehemmnisse hat sich die Situation verschärft.

Laut vierteljährlicher Handwerksberichterstattung des Statistischen Bundesamts haben die Dachdeckerbetriebe in Deutschland das erste Quartal 2019 mit einem Umsatzwachstum von 5,8 % im Vergleich zum Vorjahr abgeschlossen. Angesichts eines im ersten Quartal 2018 bereits erzielten Umsatzzuwachses von 10,2 % und einer durchschnittlichen Jahresteuerungsrate von lediglich 1,4 % im ersten Quartal 2019 sind das gute Nachrichten für das Dachdeckerhandwerk.

Barometer Geschäftslage

Außergewöhnliche Geschäftslage

Außergewöhnlich positiv fallen dementsprechend die Bewertungen der Betriebsinhaber zur Geschäftslage und zu den Geschäftserwartungen in der vorliegenden ZVDH-Umfrage aus: Mit den gemittelten Schulnoten 2,1 und 1,9 wurden neue historische Bestwerte für ein erstes Quartal erreicht. Ähnlich verhält es sich mit der Auslastung beim Personal (90,6 %), die selbst in den Topjahren 2007 und 2011 zu Beginn eines Jahres noch nie höher lag. Allzeitrekordhöhen können auch bei den durchschnittlichen Auftragsbeständen vermeldet werden. Im Bereich Sanierung haben 62,7 % der Betriebe gegenwärtige Auftragsvorläufe von mehr als zwei Monaten, 8,9 % sogar von mehr als sechs Monaten. Positiv gestaltet sich auch die Entwicklung der Angebotspreise: Im Durchschnitt konnten 68,2 % der Betriebe ihre Preise im letzten halben Jahr anheben. Allerdings legten die gemittelten Stundenverrechnungssätze in diesem Zeitraum lediglich um 0,9 % zu.

Höchststand an Mitarbeitern

Bei der Anzahl der gewerblich Beschäftigten gibt es ebenfalls positive Zahlen. Das Dachdeckerhandwerk steuert – wenn auch nur mit sehr leichten Erhöhungsschritten aufgrund der leer gefegten Fachkräftemärkte – in diesem Jahr auf den höchsten Stand an Mitarbeitern seit 2001 zu. An dieser Stelle sei auch nochmal an die erfreuliche Entwicklung bei den Auszubildenden hingewiesen: Über alle drei Lehrjahre hinweg lassen sich derzeit 6.767 junge Menschen im Dachdeckerhandwerk ausbilden. Das ist ein deutliches Plus gegenüber den Vorjahren. Der wirtschaftliche Rückenwind schlägt sich bei der Frage nach den Hauptproblemfeldern der Dachdecker nieder: Noch im ersten Quartal 2017 benannten zahlreiche Dachdeckerbetriebe Preisverfall (28,9 %) und Rendite (27,1 %) als ihre größten Problemfelder.

Barometer Auslastung Problemfelder

Zwei Jahre später sind diese Werte deutlich gesunken – nur noch 10,6 % benennen den Preisverfall als Hauptproblem, mit der Rendite sind 14,6 % sehr unzufrieden. Auftragsmangel meldeten lediglich 14 Betriebe (4 %). Die bereits 2017 von den meisten Betrieben genannten Probleme nehmen in der aktuellen Befragung einen noch höheren Stellenwert ein. Beim Thema Fachkräftemangel stieg der Wert von 58,5 % auf 69,8 %, bei Bürokratiehindernissen sogar von 52,3 % auf 69,8 %.

Preissteigerung

Bei der Entwicklung der Einkaufspreise wird das Niveau bestätigt: Während in den Jahren 2014 – 2016 im Durchschnitt etwas mehr als die Hälfte der befragten Betriebe über gestiegene Einkaufspreise klagten, sind es im 1. Quartal 2019 erneut über 80 %. Bereits 2017 monierten 80 % der Dachdecker Preissteigerungen.

Felix Fink

Letzte Aktualisierung: 13.08.2019