Detailausführungen mit Flüssigkunststoff

Ob am Flachdach oder in der Bauwerksabdichtung, Flüssigkunststoffe eignen sich insbesondere für Details. Wir zeigen, worauf der Dachdecker bei der Verarbeitung von Innenecke und Co. achten muss.

Praxis-Tipp Teil 2 Triflex_Spezialvlies_04_preview
Spezialvlies mit Aufdruck: Zunächst legen Verarbeiter Flüssigkunststoff (2 kg/m²) satt vor. Anschließend betten sie das Spezialvlies ein und bringen eine zweite Schicht Harz (1 kg/m²) auf. Die Schichtdicke ist ausreichend, wenn der Vliesaufdruck nicht mehr zu sehen ist. Fotos: Triflex

Flüssigkunststoffe sind zumeist mehrkomponentige Materialien, die flüssig und nahtlos aufgetragen und durch chemische Vernetzungsreaktion oder durch physikalische Trocknung hergestellt werden. Vor der eigentlichen Verarbeitung wird zunächst der Untergrund objektabhängig geprüft und vorbereitet. Falls erforderlich wird eine Grundierung mit speziell dafür entwickelten Systemen aufgetragen.

Anders als mit Bahnenwaren, sollte bei Flüssigkunststoffen erst die Abdichtung der Details erfolgen. Anschließend folgt die regelkonforme Abdichtung der Flächen. Dabei müssen gerade Details wie Dunstrohre, Lichtkuppeln oder Anschlüsse dauerhaft wasserundurchlässig sein. Spezielle, flexible Vliesarmierungen mit aufgedrucktem Raster sparen wertvolle Zeit da der Aufdruck zugleich eine Kontrollfunktion hat: Wenn er nicht mehr sichtbar ist, wurde genügend Harz aufgetragen.

Zum aktuellen Fachbuch von Stefan Ibold: Flachdachrichtlinie:

Formteile für sauberes Arbeitsergebnis

Für Innen- und Außenecken ebenso wie für Rohrdurchführungen bieten Flüssigkunststoffhersteller vorgefertigte Formteile bzw. Manschetten an. Die Verarbeitung ist aufgrund deutlich weniger „Schneid- und Anpassungsarbeiten“ effizient und sicher: Zunächst legen Verarbeiter Flüssigkunststoff auf die abzudichtende Stelle satt vor. Dann betten sie das vorgefertigte Vlies in das Harz ein und drücken es falten- sowie hohlraumfrei an. Darauf folgt eine zweite Schicht Flüssigkunststoff. Nach circa 45 Minuten Reaktionszeit ist die Detailabdichtung überarbeitbar. Auf die gleiche Weise wird im Nachgang der Wandanschluss mit Rollenware ausgeführt. Abdichtungsharz satt mit im Wandanschlussbereich vorlegen – wichtig: Abdichtungsniveau mit Klebeband abkleben. Anschließend das Spezialvlies im Zuschnitt oder von der Rolle blasenfrei in das frische Harz einlegen und dabei auf eine ausreichende Vliesdurchtränkung achten. Wichtig: Eine maximale Länge der Zuschnitte von 2 m gewährleistet eine ausreichende Durchtränkung. Bei Innenecken wird das Vlies 5 cm um die Ecke geführt und die Falte im Bodenbereich schräg bis zur Ecke eingeschnitten. Anschließend wird der Einschnitt überlappt, wobei darauf zu achten ist, dass sich keine trockenen Vliesstücke überlappen. Bei Außenecken wird das Vlies 5 cm bis über die Ecke geführt und im Bodenbereich bis zur Ecke eingeschnitten. Anschließend wird der Einschnitt um die Ecke gelegt und der freie Bodenbereich wird mit einem zusätzlichen Vlieszuschnitt abgedeckt. Danach das eingelegte Vlies mit einer Schicht Abdichtungsharz satt abdecken.

Hinweis: Gehen Flüssigkunststoffe auf bahnenförmige Abdichtungen über, muss die Überlappungsbreite mindestens 10 cm betragen und die Verträglichkeit des Flüssigkunststoffes und der bahnenförmigen Abdichtung muss vom Hersteller bestätigt werden.

Praxis-Tipp Teil 2 Triflex_Spezialvlies_04_preview
Zur Abdichtung von Fugen oder Isokörben eignet sich selbstklebendes Spezialvlies. Es wird vor der Applikation des Harzes mittels Butylstreifen auf dem Untergrund fixiert.

Formteile für sauberes Arbeitsergebnis

Für Innen- und Außenecken ebenso wie für Rohrdurchführungen bieten Flüssigkunststoffhersteller vorgefertigte Formteile bzw. Manschetten an. Die Verarbeitung ist aufgrund deutlich weniger „Schneid- und Anpassungsarbeiten“ effizient und sicher: Zunächst legen Verarbeiter Flüssigkunststoff auf die abzudichtende Stelle satt vor. Dann betten sie das vorgefertigte Vlies in das Harz ein und drücken es falten- sowie hohlraumfrei an. Darauf folgt eine zweite Schicht Flüssigkunststoff. Nach circa 45 Minuten Reaktionszeit ist die Detailabdichtung überarbeitbar. Auf die gleiche Weise wird im Nachgang der Wandanschluss mit Rollenware ausgeführt. Abdichtungsharz satt mit im Wandanschlussbereich vorlegen – wichtig: Abdichtungsniveau mit Klebeband abkleben. Anschließend das Spezialvlies im Zuschnitt oder von der Rolle blasenfrei in das frische Harz einlegen und dabei auf eine ausreichende Vliesdurchtränkung achten. Wichtig: Eine maximale Länge der Zuschnitte von 2 m gewährleistet eine ausreichende Durchtränkung. Bei Innenecken wird das Vlies 5 cm um die Ecke geführt und die Falte im Bodenbereich schräg bis zur Ecke eingeschnitten. Anschließend wird der Einschnitt überlappt, wobei darauf zu achten ist, dass sich keine trockenen Vliesstücke überlappen. Bei Außenecken wird das Vlies 5 cm bis über die Ecke geführt und im Bodenbereich bis zur Ecke eingeschnitten. Anschließend wird der Einschnitt um die Ecke gelegt und der freie Bodenbereich wird mit einem zusätzlichen Vlieszuschnitt abgedeckt. Danach das eingelegte Vlies mit einer Schicht Abdichtungsharz satt abdecken.

Zum aktuellen Handbuch für Abdichtungen :

Hinweis: Gehen Flüssigkunststoffe auf bahnenförmige Abdichtungen über, muss die Überlappungsbreite mindestens 10 cm betragen und die Verträglichkeit des Flüssigkunststoffes und der bahnenförmigen Abdichtung muss vom Hersteller bestätigt werden.

Triflex_Spezialvlies_01_preview
Innen- und Außenecken lassen sich mit vorgefertigten Spezialvlies-Formteilen schnell ausführen, da der Aufwand für das Abmessen und Zuschneiden entfällt. Dies gilt auch für Vliesmanschetten, die sich wie eine zweite Haut um Rohrdurchführungen legen.

Selbstklebend für Fugen und Materialüberbrückungen

Selbstklebende Spezialvliese eignen sich insbesondere für Arbeitsfugen, auf Isokörben oder zur Überbrückung von Materialien, auf denen sonst keine ausreichende Haftung möglich ist. Zuerst erfolgt die Fixierung auf dem Untergrund mittels Butylstreifen. Die Vliesseiten werden hochgeklappt und dann das Harz darunter verteilt. Danach betten Verarbeiter die Polyesterfaser ein und schließen die Abdichtung mit einer weiteren Harzschicht ab.

Michael Klein

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Regelwerk

Wie die aktuelle Flachdachrichtlinie beschreibt, können Flüssigkunststoffe aus flexiblen ungesättigten Polyesterharzen (UP), flexiblen Polyurethanharzen (PUR) 1K oder 2K oder auch flexiblen reaktiven Polymethylmethacrylaten (PMMA) bestehen. In Anlehnung an das Produktdatenblatt für Flüssigkunststoffe des ZVDH müssen Abdichtungen mit Flüssigkunststoffen eine Mindestdicke von 2,1 mm aufweisen. Der Hersteller hat die hierfür erforderlichen Mengen an Flüssigkunststoff in kg/m2 je Arbeitsgang anzugeben. Auch müssen die Produkte eine Europäische Technische Bewertung oder Europäische Technische Zulassung auf Basis der ETAG 005 besitzen. Flüssigkunststoff-Abdichtungen benötigen weiterhin eine Einlage aus Kunststoff-Faservlies.

Wichtig: Beschichtungen mit Oberflächenschutzsystemen OS8 und OS11 nach RiLi SIB (1) sind keine gleichwertige Alternative zu Abdichtungen.

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Letzte Aktualisierung: 23.08.2018

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