Die Schöne von Centawa

Im ersten Teil unserer Kurzserie Historische Bauten begeben wir uns nach Polen. Dachdecker- und Klempnermeister Waldemar Klimek restaurierte eine Kirche nach historischem Vorbild. Applikationen aus Kupfer, Altdeutsche Deckung und Filigranarbeiten in Gold standen auf dem Plan – und er traf dabei sogar auf seinen Ururgroßvater.

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Rund 250 m² Schiefer in Altdeutscher Deckung deckte DDM Klimek an der Fassade und am Turm einer über 700 Jahre alten Kirche in Polen. Fotos: Klimek

Morgens noch in Witten, vormittags schon in Polen – für Dachdecker- und Klempnermeister Waldemar Klimek gleicht kein Tag dem anderen. Mit seinem kleinen Innungsbetrieb in Witten übernimmt er nicht jede Arbeit, wie er uns verrät. Kleine Bauvorhaben die das Besondere ausmachen, sind für ihn und sein Team viel wichtiger: Hierzu zählen Sanierungen mit Schiefer, ausgefallene Aufträge, wo das Know-how als Klempnermeister gefragt ist, oder Sanierungen mit Biberschwanzziegeln. Eine ganz besondere Herzensangelegenheit, der sich Klimek voller Hingabe widmete, liegt allerdings knapp 1.000 km von Witten entfernt. Hierbei handelt es sich um das Kleinod des Dorfs Centawa in Oberschlesien.

Denkmal aus dem Jahr 1253

Das wertvollste Denkmal des Dorfs ist eine mittelalterliche, zu Ehren der Jungfrau Maria erbaute Kirche. Die Adlige Magdalena Centawska ließ das Bauwerk im Jahr 1253 aus Kalkstein erbauen. Zu den Besonderheiten im Inneren zählen die drei Glocken im Hauptturm, welche von einer hölzernen Krone gehalten werden. Ebenfalls erwähnenswert ist die Kassettendecke im Hauptschiff, die ursprünglich mit natürlichen Farben in Ocker gestrichen wurde. Diese konnte seit der Erbauung des Gebäudes im 12. Jahrhundert unverändert erhalten bleiben und kann noch heute besichtigt werden. Neben wundervoll erhaltenen Statuen und einer Krypta mit Kupfersarg ist auf dem Altar die Szene der Geburt der seligen Jungfrau Maria darstellt. Ganz im Zeichen der heiligen Jungfrau Maria wird bis heute an jedem ersten Sonntag im September in der Gemeinde eine Messe zu Ehren ihrer Geburt abgehalten.

Notdürftige Flickarbeiten und deren Folgen

So gepflegt, wie die kleine Kirche sich von innen zeigt, so ungepflegt war allerdings der Außenzustand des Sakralbaus zu bezeichnen. Aus Kostengründen wurden die Dachflächen in den vergangenen Jahrzehnten nicht gewartet. Beschädigungen am Bauwerk, durch Folgen des Zweiten Weltkriegs, wurden nach dessen Ende nur notdürftig geflickt. Der Dachstuhl des zerstörten Hauptturms, ursprünglich als Achteck erbaut, erstellte man nach dem Krieg mit nur vier Graten. Auch die ursprüngliche Schieferdeckung musste einer provisorischen Deckung aus Metallplatten weichen, welche jetzt, rund 60 Jahre später, völlig marode waren.

Michael Zenk

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in DDH 08/2016.

Letzte Aktualisierung: 26.04.2016