Die Techadores aus Alemania

Rund 160 km wanderten im Mai deutsche Dachdecker auf den Jakobsweg. In ihrer traditionellen Zunftkleidung waren die "Techadores aus Alemania" ein Magnet für andere Pilger.

Dachdecker auf dem Jakobsweg 2016
Die "Techadores", die Dachdecker, pilgerten wieder auf dem Jakobsweg. Foto: Gfw-Dach

In ihrer traditionellen Zunftkleidung reisten die „Techadores aus Alemania“, die Dachdecker aus Deutschland, am 2. Mai 2016 nach Spanien, um die letzten Etappen des ca. 850 km langen Camino francés zu pilgern. Wie schon in den Vorjahren betrug die Wegstrecke rd. 160 km und führte vom malerischen Gebirgsort O Cebreiro bis zur galizischen Pilgerstadt Santiago de Compostela.
Strahlender Sonnenschein empfing die 10 Teilnehmer am ersten Tag, als eine erste mittelschwere Etappe über Naturpfade, Schotterwege und kleine Dorfstraßen nach Triacastela zu bewältigen war. Die kunstvollen Schieferdächer aus ungewöhnlich dicken Schieferplatten, die mal in Doppeldeckung und mal in wilder Deckung auf dem Dach verlegt waren, gaben auf dem Weg oft Anlass zur Diskussion über die Unterschiede zwischen der deutschen und der galizischen Verlegetechnik.


Besonders oft wurden bereits am ersten Tag die Dachdecker-Jakobspilger auf ihre ungewöhnliche Kleidung angesprochen. Ein Like-Daumen als Zeichen der Wertschätzung zeigten sowohl die anderen Pilger als auch die Spanier, wenn die Dachdecker aus Deutschland ihren Beruf mit Händen und Füßen und dem spanischen Wort „Techadores“ erklärt hatten. Das Gespräch mit einem unbekannten Mitpilger oder untereinander ist besonders auf dem Jakobsweg üblich. Meist beginnt es mit dem Gruß der Pilger, dem „buen camino“ und der Frage woher man kommt und wie weit man vorhat zu gehen. Dann geht man ein Stück des Weges zusammen und spricht über besondere Erlebnisse oder Erfahrungen auf seinem Weg. So unverhofft der Gedankenaustausch begonnen hat, so unerwartet endet er manchmal auch, weil jeder seinen „eigenen Weg“ gehen möchte.

Der Weg wächst unter den Füßen

In den 6 Pilgertagen an denen jeweils eine Wegstrecke von rd. 25 km zu bewältigen ist, wächst, so sagt ein Gleichnis, „der Weg unter den Füßen“. Durch das unbeschwerte Gehen, die Gleichförmigkeit der Schritte und die vielen unvergesslichen Eindrücke der Menschen und Landschaften auf dem Jakobsweg erholen sich Körper, Geist und Seele von dem Mühen des Alltags. Viele Pilger beschreiben die Empfindung, dass mit jedem Schritt die Last des Alltags kleiner wird und neue kreative Ideen und Kräfte aufkeimen.
Ein strahlendes Lachen und einen zufriedenen Gesichtsausdruck zeigten alle Dachdecker-Jakobspilger schließlich, als sie vor dem Nordportal der Kathedrale in Santiago de Compostela standen. Mit herzlichen Umarmungen bedankten sich alle untereinander für die schöne Pilgerzeit miteinander und die wertvollen Gespräche. Danach betraten alle andächtig die Kathedrale um von einem Gang hinter dem Altar den heiligen Jakobus zu umarmen. Auf diese Weise sagen viele Pilger Ihrem Schutzpatron „Danke“ für ihren mehr oder minder schweren Weg zu sich selbst.
Die Pilgermesse mit dem berühmten Schwenken des Butafumeiros, einem übergroßen Weihrauchfass, eine Stadtführung und eine sehr interessante Besichtigung der Dächer der Kathedrale rundeten am letzten Tag die diesjährige Dachdecker-Pilgerreise ab.
Bei dem letzten gemeinsamen Abendessen in einem renommierten Lokal in Santiago waren sich alle Teilnehmer einig, dass ihnen dieser Jakobsweg viele Empfindungen und Erfahrungen gegeben hat, die sie sich vorher kaum so vorgestellt hatten. Die Frage nach einer Wiederholung eines Pilgerweges wurde daher mit einem eindeutigen „gerne wieder“ beantwortet.
Auch im Jahr 2017 wird die GFW-Dach mbH einen Dachdecker-Jakobsweg veranstalten. Dieses Mal jedoch über einen anderen „Camino“, der zwar auch in Santiago endet aber nicht mehr in den galizischen Bergen beginnt.

Letzte Aktualisierung: 30.05.2016

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