Die weiße Last

Die Konsequenzen des Klimawandels spiegeln sich auch im Bauen wider - vor allem für das Dach. Immer härter werdende Winter fordern eine konsequente Umsetzung der Montage und Lastermittlung von Schneefangsystemen. Die praktische Umsetzung und welche Normen gelten, zeigt der Beitrag.

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So schön es auch aussieht, Schnee und Eis können eine Gefährdung für Personen oder Sachwerte sein. Ein richtig geplantes und fachgerecht montiertes Schneesicherungssystem ist daher unumgänglich.Foto: Braas

Die bislang geltenden Regeln zur Lastenermittlung für Schneelasten im Fachregelwerk des ZVDH basierten auf den niedrigeren Werten der alten DIN 1055. Diese wurde, auch als Ergebnis zahlreicher Katastrophen in jüngster Zeit, schon verschärft und findet nun mit der DIN EN 1991 Eurocode 1-3: "Einwirkungen auf Tragwerke - Schneelasten" eine neue Form. Diese zum 1. Juli 2012 als technische Baubestimmung bauaufsichtlich eingeführte Norm ersetzt somit die bisherige DIN 1055-5 "Schnee- und Eislasten". In der Folge ist es konsequent, dass der ZVDH seine Regelungen an die neuen Anforderungen und Normen anpasst. Dies führt zu einer Erhöhung der Anforderungen auch an die Einbauteile in eine Dachdeckung. Schneefangsysteme mussten bisher in der Regel nicht statisch bemessen und nicht auf die Schneelasten abgestimmt werden. Ausschlaggebend für den Einsatz von Schneefangsystemen waren bislang im Wesentlichen die Verkehrssicherungspflichten des Bauherren, die in den Landesbauordnungen beziehungsweise über örtliche Vorschriften geregelt sind. So werden in vielen Landesbauordnungen bei Dächern an Verkehrsflächen und über Eingängen Vorrichtungen zum Schutz gegen das Herabfallen von Eis und Schnee verlangt. Bei diesen Maßnahmen ging es um den Schutz von Menschen und des Verkehrsflusses nicht nur auf öffentlichen Wegen und Straßen, sondern auch auf gemeinschaftlich genutzten Flächen und Wegen. Eine statische Bemessung war bislang nur für den Ausnahmefall der DIN 1055-5 erforderlich. So musste bei erhöhter Schneebelastung von höher liegenden Dächern auf darunterliegende Bauteile diese Schneelast ermittelt und entweder bei der Statik des unteren Daches mit berücksichtigt werden oder das Schneefangsystem entsprechend statisch dimensioniert werden.

Objektbezogene Berechnung

Die neuen und verschärften Anforderungen erforderten auch eine Anpassung des Regelwerks des ZVDH. So wird aus der "Norm-Ausnahme-Berechnung" für Schneefangsysteme nun eine generelle Nachweispflicht, um die höhere Sicherheit auch über Verkehrswegen sicherzustellen. In die Betrachtung einer Berechnung kommt nun das Schneefangsystem als Widerstandsseite sowie die einwirkende Schneelast als Belastungsseite. Nach den ZVDH "Hinweise zur Lastenermittlung" hat die objektbezogene Bemessung von Schneefangsystemen unter Berücksichtigung der systembezogenen Tragfähigkeiten nach Herstellerangabe zu erfolgen. Für eine Berechnung sind als Parameter die Schneelastzone (entsprechend der Schneelast-Karte DIN EN 1991 1-3), die Geländehöhe über NN, die Dachneigung sowie die Dachlänge oberhalb der Schneefangkonstruktion (meist Sparrenlänge) erforderlich. Darüber hinaus fließt der Anwendungsfall Verkehrssicherung mit dem Sicherheitsbeiwert 1 oder der Schutz tiefer liegender Gebäudeteile mit dem Teilsicherheitsbeiwert 1,5 in die statische Berechnung ein.

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Nach der Befestigung der Grundpfanne auf der Unterkonstruktion wird das Schneefanggitter in den Halter eingerastet. Foto: Braas

Einheitliches Prüfverfahren

Da derzeit keine Prüfnorm für Schneesicherungsprodukte besteht, soll auch dieser Teil der Widerstandsseite jetzt im neuen ZVDH "Merkblatt Einbauteile" geregelt werden. Die Prüfung von Schneeschutzsystemen erfolgt in Anlehnung an die ÖNORM B 3418 "Planung und Ausführung von Schneeschutzsystemen auf Dächern". Der statische Nachweis hat nach den eingeführten technischen Baubestimmungen (DIN EN 1991) zu erfolgen. Das entsprechende Verfahren zur Prüfung von Schneeschutzsystemen ist beim ZVDH hinterlegt. Für den verarbeitenden Dachdecker ergibt sich durch ein einheitliches Prüfverfahren jetzt erstmalig die Gelegenheit, objektiv die Wertigkeit der Schneesicherungssysteme der verschiedenen Hersteller zu vergleichen. Doch nicht nur der Vergleich ist interessant; in der Konsequenz können sich auch haftungs- und vertragsrechtliche Fragen ergeben. Da mit dem neuen Merkblatt (zum Zeitpunkt des Verfassens des Beitrags noch als Gelbdruck) auch der Stand der Technik formuliert wird, ist die geschuldete Leistung bei unzureichender Dimensionierung unter Umständen auch mangelbehaftet.

Horst Pavel

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe DDH 24.2012.

Letzte Aktualisierung: 09.01.2019