Direkt nebeneinanderliegende Flachdachfenster, geht das?

Beim Einbau von zwei direkt nebeneinanderliegenden Flachdachfenstern in ein Dach mit Bitumen-Schweißbahnen gerät der Dachdecker in Konflikt mit den Flachdachrichtlinien. Im vorgestellten Fall wurden Vlies und ­Flüssigkunststoff verwendet, um eine dauerhafte, dichte Anbindung herzustellen.

Nebeneinanderliegende Flachdachfenster
Aufgrund der speziellen Situation ist eine ganz besonders sorgfältige Ausführung der Abdichtungsarbeiten notwendig. Auch sollte diese sondervertraglich geregelt sein.Fotos: Velux

Lichtkuppeln im Flachdach galten früher in der Regel als kaum energieeffizient und optisch wenig ansprechend. Seit moderne Lösungen wie Flachdachfenster angeboten werden, die sowohl durch hohen Wärmeschutz als auch mit einer ansprechenden Optik im Innenraum überzeugen, entschließen sich Bauherren immer häufiger für mehr Licht und Luft unter ihren Dächern.
Der Einbau von Lichtkuppeln in flache oder flach geneigte Dächer mit Bitumen-Schweißbahnen zählt damit schon fast zur Routine. Doch wie geht der Handwerker mit speziellen Kundenwünschen wie der Platzierung von zwei direkt nebeneinanderliegenden Flachdachfenstern um? Schließlich ist hier der gemäß Flachdachrichtlinie empfohlene Mindestabstand von 50 cm zwischen den Außenkanten der Aufsetzkränze der beiden Fenster unterschritten.
Eine dauerhafte, dichte Anbindung zwischen den Fenstern nur mit Bitumen-Schweißbahnen zu gewährleisten, ist nahezu unmöglich. Da die sichere Abdichtung des Fensters gegen Feuchtigkeit zu den elementarsten Schritten der Montage gehört, muss hier eine andere Lösung realisiert werden: die zusätzliche Anbindung an das Dach mit leicht formbaren Vliesen und die Verwendung von Flüssigkunststoff, der alle Bereiche auf dem Flachdach sicher erreicht.

Zur Bauanleitung Flachdachfenster:

Anschließen der Abdichtungsbahnen

Zunächst beginnt es wie bei einem „normalen“ Einbau. Die erforderlichen Dachausschnitte werden realisiert – die Größe hierfür ergibt sich aus der Typenbezeichnung des Flachdachfensters. So ist beispielsweise beim vorgestellten Beispiel ein Dachausschnitt von 60 × 90 cm zu wählen. Die Brettschalung wird in den entsprechenden Maßen mit der Stichsäge ausgeschnitten. Im nächsten Schritt wird der Aufsetzkranz jeweils komplett mit Flügel, aber ohne Kuppel mit der werkseitig angebrachten Schutzfolie auf der Dachöffnung platziert. Der Dachdecker sollte den Aufsetzkranz frühzeitig vollflächig mit einem Bitumenvoranstrich versehen, damit der Anstrich bis zum nächsten Arbeitsschritt vollständig durchgetrocknet ist.
Anschließend wird die erste Abdichtungslage (Zwischenlage) aus Bitumen-Schweißbahnen bis an den Aufsetzkranz herangeführt und dort sowie auf der Dachfläche verklebt. Hierbei und ebenso bei allen folgenden Schweißarbeiten sollte der Dachhandwerker eine direkte Beflammung des Aufsetzkranzes möglichst vermeiden. Die seitlichen Überdeckungen und Ecken werden nun fachgerecht verschweißt. Die gleichen Schritte für die Herstellung der Zwischenlage wiederholen sich für das zweite Fenster.

Abdichtung Dachfenster Velux 1
Die Flüssigabdichtung wird von der Flachdachfenster-Oberkante bis zur Abklebung auf den Bitumen-Schweißbahnen aufgetragen.
Abdichtung Dachfenster Velux 2
Seite für Seite wird eine Lage Vlies aufgebracht.

Anbindung mit Flüssigkunststoff

Vor Auftragen des Flüssigkunststoffs wird rund um die beiden Fenster auf den bereits verlegten Bitumen-Schweißbahnen mit Abklebeband quasi eine Art Rahmen aufgeklebt und so ein optisch sauberer Übergang sichergestellt.
Wenn laut Herstellerangabe für die Abdichtung in Verbindung mit Vlies eine Grundierung empfohlen ist, sollten folgende Schritte berücksichtigt werden: Die Grundierung zunächst entsprechend der Angabe vorbereiten, in einen sauberen Eimer geben und von der Flachdachfenster-Oberkante bis zur Abklebung auf den Bitumen-Schweißbahnen mit einem Pinsel dünn auftragen. Dabei ist zu beachten, dass die Trocknungszeit je nach Hersteller variiert. In der Zwischenzeit die Vliesstreifen für alle vier Seiten zuschneiden und bereitlegen. Im Anschluss den Flüssigkunststoff für die Abdichtung vorbereiten. Da der Flüssigkunststoff sehr schnell trocknet, sollten einerseits Verunreinigungen am Flügel mit Wasser und Lappen sofort entfernt und andererseits nicht alle Seiten auf einmal behandelt werden.
Der Anstrich und die Verarbeitung des Vlieses erfolgen jeweils Seite für Seite. Dazu je eine Lage Vlies von der Oberkante des Flachdachfensters bis zur Abklebung auf den Bitumen-Schweißbahnen anbringen und überstehendes Material an den Ecken abschneiden. Nachdem dies an allen vier Seiten – bzw. insgesamt acht Seiten – erfolgt ist, den Flüssigkunststoff noch mal auf den mit Vlies bestückten Flächen satt auftragen. Im Anschluss kann das Abklebeband wieder entfernt werden.

Auch ungewöhnliche Einbausituationen wie zwei direkt nebeneinander platzierte Flachdachfenster sind realisierbar. Jedoch sollte der Dachdecker dann prüfen, wie er den Anschluss an das Dach dauerhaft sicher herstellen kann – in diesem Fall unter der Verwendung von Vlies und Flüssigkunststoff. Nach erfolgter Montage sollte er insbesondere bei dieser Vorgehensweise zudem auf die Notwendigkeit einer regelmäßigen Kontrolle und Wartung des Flachdaches hinweisen, um beispielsweise Laub- oder Moosansammlungen mit drohenden nachfolgenden Undichtigkeiten zu vermeiden.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in DDH 20.19

Stephan Martens



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Letzte Aktualisierung: 14.10.2019